Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


buchbach_rudolph

Buchbach, Rudolph

„Dresdâ Electoralem Medicinae in Academia Lipsiensi Alumnus“; „Dresdâ Medicinae & Astron. addict. vnd Churf. S. Alumn“; „Doctorandus, an itzo Medicus zu Döbeln und Astronomus“ (Selbstbezeichnungen auf den Titelblättern, zit. 1633, 1636, 1649)
* [?] Dresden, † (begraben) 31.7.1648 Döbeln
Kalender seit 1633, verfaßt bis 1649

Über die Herkunft des Arztes und Kalendermachers Rudolph Buchbach ist bisher nichts bekannt. Offenbar studierte er Medizin an der Universität Leipzig, wirkte viele Jahre als Arzt in Dresden und lebte ab etwa 1647 in Döbeln (siehe die Selbstbezeichnungen auf den Titelblättern, in der Leipziger Matrikel ist Buchbach nicht verzeichnet, Döbeln wird erstmals auf dem Titelblatt des Kalenders für 1648 genannt; vgl. Helfricht, 2001, S. 43). Aufschluß über weitere biographische Einzelheiten könnten die Absender der frühen Lobgedichte und die Adressaten der späten Widmungsschreiben liefern: Lobgedichte verfaßten im Kalender für 1633 Martin Faschius aus Heldrungen, seit 1620 Student der Theologie in Leipzig (Erler, 1909, Bd. 1, S. 114), im Kalender für 1634 Johannes Nieborg, P. L. C. und fürstlicher Sekretär und Bibliothekar in Dresden, und im Kalender für 1635 Balthasar Han, Doktor und fürstlicher „Archiater“. Gewidmet wurden die Kalender 1636 dem Kanzler und den Räten der Stadt Dresden, 1644 Herrn Friedrich Betsch, Präsident des Oberkonsistoriums zu Dresden, 1646 den Herren Christoph Lorenz, Theologe, Hofprediger und Beichtvater, Christian Hartmann, „Juris Candidato“, und Andreas Beyer, „Patritio Dresdensi“, 1647 den Herren Daniel Kirchner, Geheimer Reichssekretär, und Johann Wolff Walther, Bürger und Handelsmann zu Dresden.
Rudolph Buchbach zählt zu den ersten Kalendermachern, die bereits in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts ihre Schreibkalender durch Hinzufügung von unterhaltsamen Texten und weiterführenden astronomischen Angaben inhaltlich bereicherten. Daß das in den 1630er Jahren etwas Neues war, geht aus Buchbachs Einlassung auf dem Titelblatt seines Kalenders für 1636 hervor: „Gönstiger lieber Leser/ Jch bin viel vnd offt angelanget worden/ einen Calender vff diese Manier wegen dessen vielfältiger Nutzbarkeit/ zuverfertigen. Denn nicht allein darinn auff ieden Tag eine denckwürdige vnd zu vertreibung der zeit nützliche Historia neben allegirten Autoribus zufinden: Sondern auch darbey der wöchentliche Planetenlauff […]. Werde ich spüren/ das mit solchem den gönstigen Leser gedienet/ soll damit alle Jahr/ […] continuiret werden“. In diesem zitierten Exemplar für 1636 sind zwölf ganzseitige, kunstvolle Kupferstiche zur Illustration des Jahreslaufs durch die Monate enthalten. Diese aufwendige Gestaltung wiederholte Buchbach im „KriegsCalender Auffs Jahr JEsu CHristi M. DC XXXVIII Darbey die abbildung der bishero in R. Reich geschehenen 12. HaubtSchlachten, in Kupffer gebracht nebenst einem Summarischen Bericht Zufinden: Männiglichen, bevorab Kriegs=Officiren vnd Soldaten zum gedechtnus gefertiget“ (Titelblatt; vgl. Herbst, 2011b, S. 99).
Auf die hier angedeutete Entwicklung im Kalenderwesen ging Buchbach noch einmal in seinem „Schreib Calender/ Darinnen auff jeden Tag“ für 1645 ein. Darin bezog er sich auf den „Historischen Calender“ für 1644 von → Abraham Seidel und kritisierte dessen gedruckte Aussage, nach der ihn der Drucker und Verleger „Wolff Seiffert ersuchet hette/ ihm mit gegenwertiger (Historischer) art Calenders zu willfahren/ in ansehung/ daß wie er (Seiffert) der Anfänger in Churfürstenthum S[achsen]. mit solcher Abtheilung/ und täglicher Verzeichnüs der Historien/ inmassen bißhers unter meiner Arbeit er sich derer in seiner Handlung gebrauchet“ (zweiter Teil, S. D1a). Buchbach verwies ferner darauf, daß bereits andere Kalendermacher vor ihm und erst recht vor Seidel, zum Beispiel → Albin Moller, die Historien in ihren Kalendern eingefügt hatten und Seyfert zu Unrecht den Ruhm beansprucht, als erster den Historischen Kalender eingeführt zu haben (Quellenzitat 1).
Auch in astronomischer Hinsicht zählten Buchbachs Kalender zu den anspruchvollsten seiner Zeit, denn er rechnete von Anfang an „nach dem Keplerianischen Calculo“ (Schreib Calender für 1636, zweiter Teil S. H2b) und entnahm die Positionen der Planeten „ex Tabulis Eichstadianis“ (ebd., S. H3a); → Johannes Kepler, → Lorenz Eichstädt.
Buchbachs Kalenderarbeit scheint umfangreicher gewesen zu sein, als es die überlieferten Exemplare ausweisen. Denn im „Schreib Calender […] auff ieden Tag“ für 1647 schrieb er im Zusammenhang seiner Erörterung des Problems, daß in manchen Jahren das christliche Osterfest mit dem der Juden zusammenfällt, es werde „übers Jahr“ in diesem Schreibkalender „oder in meinem Jüdischen Calender so ich ietzo unter Händen habe/ weiter zu handeln/ Gelegenheit sich ereignen“ (zweiter Teil, S. A2b). Ein Exemplar dieses „Jüdischen Calenders“ (für 1648) konnte nicht ermittelt werden.
Über die frühen Kalender aus den 1630er Jahren sind nur zwei Details bekannt. So hatte Buchbach „mit [Hans Jacob] Gabler wegen des Verlages des Kalenders auf 10 Jahre bei einem Honorar von 35 Thlr. für jedes abgeschlossen“ (Kirchhoff, 1891, S. 377). Ferner wurden von diesem beim Kupferstecher und Verleger Gabler in Leipzig herausgekommenen Kalender am 31. Oktober 1634 auf einen kurfürstlichen Befehl hin die Exemplare konfisziert (Kirchhoff, 1890, S. 93).
Die auf dem Kalendermarkt jährlich erscheinenden Ausgaben wurden von den Kalendermachern sorgfältig registriert, auch um Fälschungen bzw. unerlaubte Nachdrucke sofort zu bemerken. Buchbach beschrieb einen solchen Fall, bei dem der Buchdrucker Johann Dietrich Ketzel in Grebenstein Buchbachs Prognostikum für 1635 unter dem erdichteten Namen „Friederici Vogtens Astronom. Stud. Daseburgensis“ nachdruckte (Quellenzitat 2). Da Buchbach auch den Fall des Nachdrucks eines Kalenders von → Musophilus Dedekind unter dem fremden Namen → Simeon Partlicius kannte, muß er Dedekinds Stellungnahme im Kalender für 1635 gelesen haben.
Als Arzt nutzte Buchbach die Gelegenheit, in seinen Kalendern medizinische Themen zu behandeln und vor falschen Medici zu warnen. Hierbei bezog er sich unter anderem auf den Arzt, Mathematiker und Kalendermacher → Johannes Magirus, aus dessen Kalender für 1646 er zitierte (Buchbach: SchreibCalender/ darinnen auff ieden Monat […] für 1648, zweiter Teil, S. C2a).
Offenbar waren sich Buchbach und der aus Schneeberg im Erzgebirge stammende → Israel Hiebner begegnet. Hiebner erwähnte, daß er das Kalenderschreiben von Buchbach in Dresden gelernt habe (Hiebner: Schreib=Calender für 1651, zweiter Teil, S. A4a).
Daß Buchbach Ende Juli 1648 in Döbeln verstarb, geht aus der folgenden Notiz hervor: „Den 31. Julius H[err]. Buchbach, unser H. medicus Alhier mit einer Christlichen Leichenpredigt Alhier, durch M[agister]. Johann Schizen Pastor Alhier, lieget auf dem Kirchhoffe Alhier begraben“ (Begräbnisburch St. Nicolai-Kirche, Döbeln, Jahrgang 1648, S. 30, Mitteilung von Frau Chr. Richter, Ev.-Luth. Kirchgemeinde Döbeln, 4.9.2014). Eine gedruckte Fassung der genannten Leichenpredigt konnte nicht ermittelt werden.
Nach Buchbachs Tod wurden dessen zwei Kalenderreihen „auff jeden Tag“ und „auff ieden Monat“ erst von Abraham Seidel unter dem Pseudonym → „Salomon Gut“ (1650–1653) und dann von → Michael Krügener bis für das Jahr 1687 fortgeführt.

Titel:
(1) 1633–1642: Schreib Calender/ Sampt beygefügter grossen Practicâ Astrologicâ […] darinn auff jeden Tag […]. 1643–1649: Schreib Calender/ Darinnen auff jeden Tag […].
(2) 1647[?]–1649: SchreibCalender/ darinnen auff ieden Monat […].
(3) 1636: [Kupfertitel] SchreibCalender […] Mit Kupferstichen. [Zweites Titelblatt] SchreibCalender.
(4) 1638: [Kupfertitel] KriegsCalender […] Darbey die abbildung der bishero in R. Reich geschehenen 12. Haubt Schlachten, in Kupffer gebracht nebenst einem Summarischen Bericht Zufinden.
(5) 1648: Jüdischer Calender [kein Exemplar ermittelt].
(6) [?]–1644–[?]: Schreib-Calender, Format 8°.
Druck und Verlag:
(1) 1633–1642: Wolffgang Seyfert, Dresden, 1643–1649: Friedrich Lanckischs Erben, Leipzig.
(2), (6) Friedrich Lanckischs Erben, Leipzig.
(3), (4) Wolffgang Seyfert, Dresden.
(5) ?.
Nachweis:
Herbst, 2008a, S. 73. Ergänzung: ThHStA Weimar (Ex. für 1636 der Reihe 3). LASA Dessau (Ex. für 1644 der Reihe 1 und für 1644 der Reihe 6). VD17. CERL.
Online:
(1), (2) [13.06.2014].
Quellenzitate:
(1) „An den Vielgünstigen Leser.
Günstiger lieber Leser/ es ist dieses 1644. Jahrs ein Historischer Calender/ dessen Autor Abraham Seidel/ Pfarrer zu Nimritz/ von Wolff Seifferten Buchhändler zu Dreßden/ in offenen Druck vorleget worden/ in dessen beygefügten Prognosticò, und zwar in Alloqviò an den Günstigen Leser zubefinden/ das obgedachten Autorem/ Herr Abrahamum Seidel in unterschiedenen Schrifften/ ernanter Wolff Seiffert ersuchet hette/ ihm mit gegenwertiger (Historischer) art Calenders zu willfahren/ in ansehung/ daß wie er (Seiffert) der Anfänger in Churfürstenthum S. mit solcher Abtheilung/ und täglicher Verzeichnüs der Historien/ inmassen bißhers unter meiner Arbeit er sich derer in seiner Handlung gebrauchet: Also auch hinfüro seiner selbst Invention nit unbillich ferner umb die Recompens pro labore geniessen wolle. [… Seiffert rühme sich zu Unrecht als erster die Historien eingeführt zu haben, man findet diese schon bei Paul Eber, Stephan Fabricius, Jacob August Thuanus, Johann Schmidt …] Und darmit ich näher zum Zweck gelange: Ist nicht dergleichen Historischer Calender/ auch dergleichen eingetheilet/ des alten Theologi und Astronomi M. Albini Moller, so auch schon vor vielen Jahren sel. verstorben/ nicht allein in diesem Churfürstenthumb Sachs. sondern auch in Königreich Böhmen/ beyden Hertzogthumben Schlesien/ beyden Marggraffschafften Laußnitz und andern Ländern mehr/ so wohl in Deutzscher/ als andern Sprachen gedrucket/ offentlich verhandlet und verkauffet worden? Anderer Autoren zugeschweigen/ deren etliche Exemplaria in der Churf. Sächs. Bibliothecà zu Dreßden wie auch bey andern Personen annoch zufinden. [… daraus könne man ersehen, daß Seiffert zu Unrecht den Ruhm beansprucht, als erster den Historischen Kalender eingeführt zu haben …] Auch meine Arbeit/ deren er sich vor dessen gebrauchet/ nicht ihm selbst zuzuschreiben/ und seinem itzigen Autori die Recompens pro labore, besser als mir hiebevor/ seinem schrifftlichen versprechen nach zuentrichten bedacht seyn. […] Bitte hierbey den vielgünstigen Leser/ mir und meiner Arbeit hinfüro wohlgeneigt zu seyn und zuverbleiben.
Autor.“ (Schreib Calender/ Darinnen auff jeden Tag für 1645, zweiter Teil, S. D1a–b).
(2) „An den Leser.
[…] Wer wil bawen gegen der Gassn/ Muß jederman viel Federn lassen: Das habe ich auch ein 4 Jahre anhero/ als ich meine Prognostica Astrologica/ vnd Historische Calender zu offenen druck verfertiget in der That erfahren: Denn ob wol man mir meine arbeit nicht getadelt/ hat man doch dieselbe verdächtig zumachen sich vielfältig bemühet/ vngeachtet/ daß Churf. Durchl. zu S. mein gnädigster Herr mich ober meine Calenderia Historica vnd Prognostica Astrologica gnädigst privilegiret/ so hat sich doch vber vermuthen/ 1. Hans Dietrich Ketzel zum Grebenstein gelüsten lassen/ mein grosses Prognosticon Astro=Meteorologicon auff das 1635 Jahr vnter eines erdichten/ Friederici Vogtens Astronom. Stud. Daseburgensis Namen/ von wort zu wort/ ausser gar wenigen/ vnd was jhm in seinem Kram nicht gedienet/ nicht allein fälschlichen nachzudrucken hohen vnd vornemen Patronen zu dediciren/ nahmentlichen aber/ dem Durchl. Hochgebornen Fürsten vnd Herrn/ Herrn Georgen Landgrafen zu Hessen/ etc. E. E. vnd Wolw. Rath der Stadt Friedeberg in der Wetteraw: E. E. vnd Wolweisen Rath der Stadt Franckenberg in Hessen/ vnd weren mir mehr Exemplaria zuhanden kommen/ weiß ich gewiß/ daß ich mehrere/ an andere Patronos/ Dedicationes finden wollen/ sondern auch dieselben offentlich zuverhandelen/ vnd zuverkauffen: Wie fälschlich/ betrüglich vnd leichtfertig aber darmit vmbgangen/ vnd das angezogener Hans Dietrich Ketzel selbsten falscher Autor darzu sey/ oder doch gute Wissenschafft darumb habe/ wil ich den vielgönstigen Leser kürtzlichen erweisen: Vnd zwar daher/ weil die Ketzel in der Grebensteinischen Buchdruckerey zimlich verdächtig seyn/ vnd dieses wol ehe practiciret haben/ wie sich Herr Musophilus Dedekindus in seinen Prognostico des 1635. Jahrs vber sie beschweret/ da sie seine Calender vnd Prognosticon auff das 1634. Jahr/ vnter D. Simeonis Partlicii Namen fälschlich nach gedrucket vnd verkauffet haben. […]“ (Schreib Calender/ Sampt beygefügter grossen Practicâ Astrologicâ für 1636, zweiter Teil, S. K3a–b).

Erstellt: 16.06.2014
Letzte Aktualisierung vor 20.01.2020: 22.08.2019
Letzte Aktualisierung nach 20.01.2020: 06.12.2021

buchbach_rudolph.txt · Zuletzt geändert: 2021/12/06 21:04 von klaus-dieter herbst