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Voigt, Johann He[i]nrich

Johann Heinrich Voigt

„Heinrich Voigten/ Rudolphst. der Mathematischen Kunst Sonderbahrer Liebhaber/ anjetzo zur Newstadt an der Orla“; „Johann-Henrich Voigt/ Philomathematico“; „Königlicher Schwedischer Mathematicus und Astronomus zu Stade“ (Selbstbezeichnungen auf den Titelblättern, zit. 1638 (Widmungsbrief) von Reihe 1, 1665 von Reihe 2, 1675 von Reihe 4)
* 29.6.1613 Rudolstadt, † 17.2.1691 Stade
Pseud.: → VoigtsBurg, Johann von
Kalender um 1638 und seit 1665, erschienen bis 1799

Johann He[i]nrich Voigt wurde am 29. Juni 1613 abends um 10 Uhr in Rudolstadt geboren (Wolpman, 1691, S. 33). Sein Vater war der Buchbinder Hans Voigt (gest. 1628), seine Mutter Catharina, geborene Schmied (ebd., S. 34). In der Kindheit konnte er die Schule nur solange besuchen, bis er „fertig lesen und schreiben gelernet/ auch einen Anfang im Donat und hernach in der Lateinischen Grammatica gemachet“, denn dann benötigte ihn der Vater für die Arbeit im Handwerk (ebd., S. 34). Schließlich erlernte Voigt zunächst auch das Buchbinderhandwerk. Als er 15 Jahre alt war und sein Vater starb, konnte er wieder mehr Bücher lesen. Mit 23 Jahren (1636) heiratete er Gertrud Frisch, Tochter des gräflichen Oberweinmeisters Martin Frisch (ebd., S. 34). 1638 starben bei der Geburt des ersten Kindes (ein Sohn) dieses und die Mutter (ebd., S. 35).
Vermutlich 1637 kam Voigt nach Neustadt an der Orla, wo er einen Schreibkalender verfaßte (Reihe 1) und sich auf dem Titelblatt als „Heinricus Voigten/ Neostadiens. ad Orlam, der Mathematischen Künste sonderbahrer Liebhaber“ benannte. Die Widmung dieses Kalenders wurde geschrieben von „Heinrich Voigten/ Rudolphst. der Mathematischen Kunst Sonderbahren Liebhaber/ anjetzo zur Newstadt an der Orla“ (Kalender für 1638, Kalendarium, S. A1b), sodaß aufgrund der Bezugnahme auf den Geburtsort Rudolstadt davon ausgegangen wird, daß dieser Heinrich Voigt identisch ist mit dem später in Stade lebenden Johann Henrich Voigt. Eine Unsicherheit bei dieser Gleichsetzung bleibt aber, denn in dem Lebenslauf von Voigt (Wolpman, 1691) wird diese Station nicht erwähnt. Zu dieser Annahme paßt aber, daß Voigt im Jahr 1638 als Schreiber bei → Georg Schultz, Kalendermacher und Mathematikprofessor an der Universität in Erfurt, arbeitete, „welcher ihme seine Teutsche Fortification und Messekunst/ […] auch andere Teutsche Materien abzuschreiben/ und Figuren nachzuzeichnen gegeben“ (Wolpman, 1691, S. 35). In Erfurt kam er 1640 in Bekanntschaft mit Catharina Stäbel, Kriegswaise und Tochter des verstorbenen Handelsmanns Hans Stäbel in Hirschfeld in Hessen, die er im Mai 1640 heiratete (ebd., S. 35). Von den 10 Kindern dieser Ehe (3 Töchter, 7 Söhne) lebten bei Voigts Tod nur noch ein Sohn (vermutlich Christian) und eine Tochter (vermutlich Magdalena), von den 16 Enkeln noch 12 (ebd., S. 35).
1641 wurde ihm „von denen Hollsteinischen Hoffbedienten die Stadt Hamburg und das Land Hollstein sehr gerühmet“ (ebd., S. 35f.), sodaß er nach Norden zog und sofort in Rethwisch bei Krempe und Itzehoe, ca. 50 km nordwestlich von Hamburg, die Stelle eines Schulmeisters bekam. Hier freundete er sich mit dem Pfarrer Johann Birckenbusch an. Nachdem Ende 1643 die schwedischen Truppen die „Marschländer unter Wasser gesetzet“ hatten und ein Schulbesuch in Rethwisch unmöglich wurde, wandte sich Voigt nach Glückstadt (einen Ruf an die Schule in Itzehoe hatte er abgelehnt). Hier wurde er zunächst Hauslehrer bei dem Hofprediger Johannes Rothlöben und dem Postmeister Moritz Brüggemann und schließlich 1644 auch Rechenmeister an der Stadtschule (ebd., S. 36). In den Folgejahren studierte er auch Theologie und hielt drei Predigten (am 25.11.1649, 10.2.1650, 5.5.1650) mit der Hoffnung auf den Schul- und Kaplandienst im Kirchspiel Neuenbrock (ebd., S. 36). Nachdem er aber einen Ruf an die Schule in Stade erhalten hatte (ebd., S. 37), wirkte er von 1651 bis 1673 dort „als Schreib- und Rechenmeister der Deutschklasse am Gymnasium sowie als Kantor an der Kirche St. Wilhaldi“ (Lawatsch, 1998, S. 258; Hollmichel/Piller, 1988, S. 58). Eine erhaltene Kirchenrechnung aus dem Jahr 1659 gibt Aufschluß über Voigts Entlohnung: „Joh. Hinr. Voigt pro cantura 24 Mark und zu figurieren 16 Mark“ (zitiert nach Hollmichel/Piller, 1988, S. 58).
Stade, ca. 30 km westlich von Hamburg gelegen, stand damals unter schwedischer Herrschaft, sodaß es nicht verwundert, daß Voigt den „Calender und Astrologische Muhtmassungen/ auff bevorstehendes 1665. Jahr“ (Christen=Calender für 1665, Kalendarium, S. A1b) dem schwedischen König Karl XI., der früheren Königin Hedwig Eleonora, Witwe des 1660 verstorbenen Königs Karl X. Gustav, sowie den schwedischen Grafen und Herren widmete. Als Reaktion dafür erhielt er 1666 die Bestallung zum Königlich-Schwedischen Mathematiker und Astronom, die mit einer jährlichen Pension von 200 Reichstalern versehen war, „die Er biß hieher mit unterthänigster und demüthigster Dancksagung allezeit genossen“ (Wolpman, 1691, S. 37). Dieses Jahresgehalt eines Hofmathematikers ermöglichte es ihm, 1672 eine Wohnung in der großen Schmiedestraße zu kaufen und 1673 den Schuldienst zu quittieren und an seinen Schwiegersohn Andreas Jürgen Schütze zu übergeben. Fortan widmete er sich vor allem der Arbeit des „Calender= und Bücher=schreibens/ auch Collegia Mathematica“ konnte er halten (ebd., S. 37f.). Als schwedischer Bediensteter mußte er von 1675 bis 1680 Stade kriegsbedingt verlassen und zog nach Hamburg, wo er in „der kleinen brandestwiten, in Üßlers hinterhause“ wohnte (Herbst, 2008a, S. 212) und als Schulinspektor wirkte (Wolpman, 1691, S. 38).
Voigt bestritt seinen Lebensunterhalt nicht nur mit der Pension und den Honoraren, die er für seine Kalender und Bücher erhielt, sondern auch mit den Geldern, die ihm für das Stellen von Nativitäten (Geburtshoroskopen) gezahlt wurden. Die Quellenlage erlaubt es bei Voigt wie bei keinem anderen Astrologen des 17. Jahrhunderts, diese Tätigkeit zu analysieren. In der Universitätsbibliothek Rostock werden neun Foliobände aus Voigts Nachlaß aufbewahrt (Abteilung Sondersammlungen, Mss. math. phys. 42 (1)–(9), Band (1) ist überschrieben mit: „astrologische Manualakten“), in denen jeweils ca. 400 Blätter enthalten sind, die vornehmlich Nativitäts-Stellungen für insgesamt ca. 250 Personen betreffen. Diese Nativitäten wurden von Voigt in den Jahren von 1666 bis etwa 1683 angefertigt. Für das Erstellen eines Horoskops zahlten die Menschen zwischen 4 Reichstalern (diese Angabe findet man im Band 4 bei einem am 19. Januar 1678 erbetenen „Themata Nativitatis“ eines am 21. November 1660 geborenen Mädchens) und 6 Reichstalern (diese Angabe findet man im Band 7 in einem Brief von Johannes Schreitter in Ripen/Jütland vom 30. September 1681 mit der Bitte, für eine 1656 geborene Frau ein Geburtshoroskop zu erstellen). Besonders interessant ist, daß sich unter den Briefen, in denen die betreffende Person um ihre Nativität bat, auch autobiographische Einzelheiten in der Form eines tabellarischen Lebenslaufes mitgeteilt wurden. Unter den Dokumenten ist auch ein Brief von Esaias von Pufendorf (1628–1689), Kanzler der Herzogtümer Bremen und Verden, vom Oktober 1679 mit der Bitte um eine Nativität, weil er im Auftrag des schwedischen Königs nach Dänemark reisen soll und er sich über mögliche Gefahren informiert sehen wolle. Bemerkenswert ist ferner, daß Voigt leere Rückseiten von an ihn gerichteten Schreiben für seine Ausarbeitungen benutzte. Mitten unter diesen Akten befinden sich 20 lose eingelegte Briefe des Kieler Universitätsprofessors Johann Ludwig Hannemann (1640–1724) aus dem Jahr 1680, die dieser an verschiedene Personen richtete (genannt in Herbst, 2008a, S. 209, Anm. 40) und in denen es auch um das damals noch immer nicht gelöste Problem der Kalendervereinigung (Gregorianischer und Julianischer Kalender) bzw. Kalenderreform in den protestantischen Gebieten geht. Zahlreiche an Voigt gerichtete (jetzt durchgestrichene) Briefe liefern auch wertvolle biographische Details, z. B. über die Hochzeiten der Tochter Magdalena im September 1672 und die des Sohnes Christian im Januar 1673 (Herbst, 2008a, S. 213). Aber auch über das Kalenderwesen der Zeit erfährt man Einzelheiten, z. B. über Voigts Bestrebungen, seine großen Kalender auch in Stockholm verkaufen zu lassen (siehe Quellenzitat 1). Kleinformatige Almanache (Reihe 21) in schwedischer Sprache wurden bereits seit 1667 in Stockholm und später auch in anderen Städten gedruckt (vgl. bei → Stephan Fuhrmann).
1686 unternahm Voigt eine Reise nach Stockholm zum schwedischen König. Voigt erreichte, daß seine Bestallung und Pension „biß man 1700. schreiben wird/ (weil auff so viel Jahre dessen Calender=Arbeit schon verfertiget) auff Ihm/ und wenn Er schon verstorben seyn würde/ auff dessen Wittwe und Erben prolongiret“ wurde (ebd., S. 40). Nach einem Schwächeanfall starb Voigt am 17. Februar 1691 nachts eine Viertelstunde vor 12 Uhr im Alter von 77 Jahren (ebd., S. 44). Voigt hinterließ ein Testament, daß er auf dem Sterbebett seiner Frau diktierte (Fritzel, 1970, S. 73; überliefert im StA Stade, Rep. 5a F. 132, Nr. 37). Von der Zahl 77 hatte Voigt einige Jahre zuvor während einer Reise nach Wismar geträumt, was er seinem Schwiegersohn in Neuenwalde am 19. Juli 1682 in einem Brief mitteilte (gedruckt in Wolpman, 1691, S. 74f.).
Die Lebensbeschreibung, die der Leichpredigt beigegeben wurde und die auf den eigenhändigen Aufzeichnungen von Voigt beruht, enthält nicht alle für die Geschichte des Kalenderwesens nennenswerten Einzelheiten aus dem Leben des Stader Mathematikers und Astronomen. So trug sich Voigt mit dem Gedanken, neue astronomische Ephemeriden für 1681 und die folgenden Jahre zu berechnen und herauszugeben, weil diejenigen von Johannes Hecker mit dem Jahr 1680 ausliefen (vgl. Hecker, 1662). Im auf Danzig und den preußisch-polnischen Horizont gerichteten Kalender für 1681 (Reihe 7) kündigte er dieses Vorhaben an, was aus einem am 24. März 1680 (alten Stils) geschriebenen Brief von → Gottfried Kirch an den Danziger Astronomen Johannes Hevelius hervorgeht: „Der bekandte Kalenderschreiber Joh. Heinrich Voigt von Stade, rühmet in seinem Kalender 1681, welchen er auff Dantzig gericht, dem ich geschrieben und bey seinem itzigen und meinem Verleger Lunitio gesehen, er wolte Ephemerides auff 20 Jahr heraus geben, und sie innerhalb 8 Monaten liefern, wann ein Verleger dazu vorhanden“ (Herbst, 2006, Bd. 1, S. 63). Kirch schob noch eine Bemerkung hinterher, in der Voigt mangelnde astronomische Fähigkeiten vorgeworfen werden: „Ich weiß sonst daß der Mensch wenig von der Sternkunst verstehet, in dem er Anno 1676 die beyde SonnenFinsterniße vor sichtbar ansetzet, und zwar in solcher Größe und Wärung an gewißen benandten Örtern, wie sie der seel. H. Heckerus Universaliter auff den gantzen Erdboden gerechnet; darauß ja zu ersehen daß der Mensch noch nicht einmahl Ephemerides recht zu gebrauchen verstehet, will geschweigen, daß er sie selbst solte rechnen können“ (ebd.). Kirch sollte Recht behalten, denn es erschienen keine Ephemeriden von Voigt, sondern von Kirch (vgl. Kirch, 1681–1692; zu den ebenfalls erfolglosen Vorhaben anderer Kalendermacher siehe bei → Gottfried Gütner, → Georg Krüger, → Friedrich Möller, → Johannes Vulpius). Im Stadischen Raritäten-Kalender (Reihe 6) für 1684 berichtete Voigt, daß er die schon begonnene Arbeit wieder beiseite gelegt hat, weil angeblich bereits ein anderer (der aus Schleswig stammende Detlev Clüver in London) die neuen Ephemeriden herausgegeben haben soll (siehe Quellenzitat 2).
Aus der zitierten Stelle in Kirchs Brief geht der bisher unbekannt gebliebene Sachverhalt hervor, daß Voigt auch einen Kalenderverleger in Leipzig hatte. Bei den von Caspar Lunitius verlegten Kalendern benutzte Voigt das Pseudonym „Johann von VoigtsBurg“. Die Verwendung eines Pseudonyms unterstreicht die Möglichkeit, daß bei dem für 1638 überlieferten Kalender (Reihe 1) Voigt bewußt seinen Namen auf dem Titelblatt nicht vollständig angegeben hat (vielleicht um damals diejenigen zu irritieren, die gegen die Kalendermacher als vermeintliche Lügner anschrieben). Daß Voigt auch später mit seinem Namen variierte, belegt sein „Wegweiser oder Schul=Formular“ von 1656 (anderer Druck, Titel 4), auf dessen Titelblatt er seinen Vornamen mit „Johann-Hinrich“ angab. Hinrich stellt ebenso wie Henrich die norddeutsche Version von Heinrich dar.
Daß Voigt um 1638 mehrere Jahrgänge verfaßte, folgt aus der 1640 im „Post=Reuter“ geschriebenen Bemerkung: „Darumb wie ich biß anhero in meinen Jährlichen Calendarijs angemeldet/ […]“ (anderer Druck, Titel 1, S. B2a).
Den Kalender für 1665 und das zugehörige Prognostikum bezeichnete Voigt als „diese Erstlinge meiner […] Calender=Arbeit“ (Christen=Calender für 1665, Kalendarium, S. A3a). Den Kalender für 1638 erwähnte er hier nicht, denn dieser hatte keinen Bezug zu seiner gegenwärtigen Tätigkeit als Rechenmeister in den norddeutschen und unter schwedischer Herrschaft stehenden Orten. In der Vorrede an den Leser ging Voigt darauf ein, daß „nun ins 26igste Jahr/ ich (ohne Ruhm) das Ambt eines Arithmetici publicè bedienet; darneben die Fundamenta Geometrica Geographica und fortificatoria privatim vielen docirt“ (ebd., Kalendarium, S. A3b). Diese 26jährige Tätigkeit führt ins Jahr 1639, in dem er offenbar als Rechenmeister zu arbeiten begonnen hatte (vgl. oben die Zeit in Erfurt 1638 und die Schulmeisterstelle in Rethwisch 1641). Obwohl Voigt jetzt (1664) eigentlich keine Kalender schreiben wollte, habe er sich „nun auff hiesigen Königl: Buchdruckers und Formschneiders H. Caspar Holweins anhalten/ vor die Gebühr/ mit Hindansetzung der un= oder übel=gegründeten Vanitäten/ gegenwärtigen Calender auff den Nieder=Sächsischen Horizont und Polum abgefasset und außgefertiget“ (ebd.).
Die Kalenderarbeit brachte Voigt nicht nur Achtung unter seinen Lesern ein, sondern bei einigen Kollegen auch Verachtung. Zum Beispiel zerpflückte → Friedrich Büthner in Danzig den Voigtschen Raritäten-Kalender für 1678 und warf – wie an anderer Stelle Gottfried Kirch – Voigt mangelnde astronomische Fähigkeiten vor (Friedrich Büthner: Schreib=Calender für 1681, zweiter Teil, S. G1a–H2b). Dessen ungeachtet bekam Voigt vom Kurfürsten zu Sachen und von der Leipziger Universität bei seinem Aufenthalt in Sachsen Geschenke für seine Kalenderarbeit, worüber sich → Christoph Richter in einem Brief vom 30. August 1676 (alten Stils) an Kirch ärgerte und schrieb: „Sonsten berichte ich, daß vorm Jahr dieser ignorante beÿdes vom Churfl. Durchl. zu Sachsen, und von der Vniversität Leiptzig beschencket worden, wie mir mein Schwager H. L. Joachim Feller, Poëseos Professor Publ. zu Leiptzig solches berichtet: darüber ich Mich auf höchste verwundert, auch gedachtem Professori dieses Vogts grosse ignorantiam vorgestellet habe. Der verstorbene Mathematicus Kühn hatt deßwegen etliches wieder Vogten in meinem Gesprächskalender ausgestrichen, ließ mich auch bitten, ich wolte es nicht übel aufnehmen, aber er hatt viel stehen lassen, ob er es villeicht wegen seiner Kranckheit nicht in acht genommen. Die ratio des ausstreichens war Diese: weil es nicht wohl von der Universität möchte aufgenommen werden, in dem Sie den pralenden Narren beschencket hatten. Es ist der Universität keine Ehre“ (Herbst, 2006, Bd. 1, S. 18). Voigt – auf der einen Seite ein königlich bestallter Mathematiker, auf der anderen Seite ein pralender Narr!
Hervorzuheben ist Voigts Bestreben, in die Debatte um die Kalendervereinigung einzugreifen. Hierzu veröffentlichte er zunächst 1668 einen eigenen Vorschlag, den er im „Colloquium Calendariographicum“ näher ausführte (anderer Druck, Titel 10). Diese Schrift war nicht nur in der Reichskanzlei in Mainz bekannt, sondern weit darüber hinaus, wozu der auszugsweise Nachdruck in Voigts Christen-Kalender für 1670 und 1674 sowie die Nachauflage unter anderem Titel im Jahr 1672 (anderer Druck, Titel 13) beigetragen haben werden. Voigt hatte die meisten der zuvor erschienenen Arbeiten zu diesem Thema gelesen und knüpfte mit seinem Vorschlag des „Leopoldischen Reichs=Calenders“ insbesondere an den von → Jacob Holst an (vgl. Gaab, 2011a, S. 438–441 und Koller, 2014, S. 317–319). 1669 veröffentlichte Voigt ein kalendarisches Grundgerüst, das er auf die Jahre von 1670 bis 1700 ausdehnte (anderer Druck, Titel 11). Darin führte Voigt des „corrigirten und vereinigten Reichs=Calenders“ erstens die „[h]ohe Nohtwendigkeit/ und daraus erwachsende Nutz zur Christlichen Eintracht und Ordnung“ an, stellte zweitens die „[w]ohl=mügliche Werckstell= und leichte Einführungs=Wege“ in einem Modell vor und behauptete drittens die „[u]nfehlbare Grund=Richtigkeit und Beständigkeit gegen alle Einwürffe“ (ebd., Titelblatt). Im „Haupt=Calender“ für 1686 (Reihe 3) stellte er seinen Vorschlag in einem „Haupt=Gespräch“ erneut vor und lieferte das Model des Reichskalenders für 1687 als Beispiel (aus dem Haupt-Kalender stammt die ursprüngliche Vorlage für das Porträt als er 72 Jahre alt war).
Voigt war nicht der einzige Kalendermacher, der sich zur Frage der Kalendervereinigung äußerte (vgl. Herbst, 2015a). Anerkennung fand er mit seinem Vorschlag nicht, insbesondere Christoph Richter urteilte in einem Brief vom 9./19. Februar 1676 an Kirch hart über „Johann Heinrich Voigt, welcher Astronomischer Unwissender stoltzer Esel sich darff nennen Kön. Schwed. Mathematicum und Astronomum zu Stade: der doch eben ein solcher Ignorante, wie [→] Abdiel B., ist, wie flugs aus seinen Eclipsibus zu sehen: daß er nicht so viel weiß, alß ein Knabe solte und könte wissen, der in einer Schule Sphaericam gehöret und gelernet. […] Dieser Stoltze GEsell darf sich unterstehen dem Röm. Reich ein Kalender=Modell vorzuschreiben: wie denn der Narr vergangenen Sommer zu Leiptzig gewesen, und solchen Vorschlag daselbst vorgebracht, und vorgegeben, er wolte deßwegen nach Wiene an Keÿs. Hoff reisen. Was noch mehr, so unterstehet Er sich aus Schwedischer feindseeliger affection wieder das Röm. Reich und Kaÿsl. Maiest. zupropheceÿen. Ich werde Ihn in meinem Gesprächskalender zur ziehr nehmen: wenn der Herr ihn gesehen hette, und wolte deßgleichen thun, wäre es desto besser, daß wir übereinstimmeten. Es ist Schande, daß solche Leute, auch von eruditis, admiriret werden, da Sie doch Phantasten und Narren, und in der Sternenkunst nur Tyrunculi sein“ (Herbst, 2006, Bd. 1, S. 14). Voigt war sich der Kritik der Kollegen bewußt, denn in einem Kalender ging er z. B. auf die Kritik von → Philipp Jacob Oswald von Ochsenstein ein. Im Kapitel „Von Vergleichung Der Ungleichen Calender=Zeiten“ meinte Voigt, daß er Widerstand erfahren habe, „[w]ie denn vor etwa vier Jahren/ der Keyserliche Mathematicus, Hr. Baron von Ochsenstein an mich also schrieb: Daß die Röm. Keyserliche Majestät in derselben Sache nichts thun würde/ ohne dem Pabst“ (Stadischer Raritäten-Kalender für 1686: Kalendarium, S. D3b–4b). Daß hier der Vorschlag eines in Diensten des protestantischen Königs von Schweden stehender Mathematiker berücksichtigt werden würde, war nicht sehr wahrscheinlich.
Voigt sah sich bei einigen Zeitgenossen nicht nur wegen seiner mangelnden fachlichen Qualitäten Angriffen ausgesetzt, sondern auch aufgrund seines starken Hanges zur astrologischen Deutung der Himmelsereignisse. Dieser führte auch dazu, daß er seine Prognostik aus zurückliegenden Schriften in Auszügen erneut drucken ließ und mit der geschickten Auswahl realer politischer Ereignisse aufwertete. Seine Überzeugung war, daß große Veränderungen in der Welt bevorstehen würden und er die Anzeichen dafür erkannt habe (siehe Quellenzitat 3).
Nachdem Voigt 1673 den Schuldienst verlassen hatte, weitete er die Anzahl der von ihm verfaßten Kalenderreihen aus. In der Schrift „Erneuerte 20zig=jährige Kriegs= und Verenderungs=Prognostica“ (anderer Druck, Titel 32) zitierte er nicht nur aus dem Christen-Kalender, sondern seit 1674 auch aus dem Raritäten-Kalender (ebd., S. B2b), seit 1675 aus dem Historien-Kalender (ebd., S. B3a) und seit 1682 aus dem Kriegs- und Frieden-Kalender (ebd., S. D1b), was heute ein Beleg für das Einsetzen dieser Kalenderreihen ist.
Nach Voigts Tod gaben seine Witwe und die Erben einige Kalenderreihen bis 1700 unter Beibehaltung von Voigts Namen heraus. Das Material dafür hatte er bereits in den 1680er Jahren erabeitet, worüber er seine Leser gelegentlich mit folgenden Worten informierte: „Die Calender betreffende/ so wisse/ der G. Leser/ daß ich all selbige/ biß auffs Jahr Christi 1700 fast gantz fertig habe/ und daß nach meinem Tode/ bey meinem Nachkommen und Verlegern/ an meiner eigenhändigen Arbeit/ kein Mangel seyn wird“ (Raritäten-Kalender für 1684, Kalendarium, S. A2b). Schließlich führten → Paul Halcke und → Wolfgang Heinrich Adelungk die Voigtschen Kalenderreihen fort (vgl. Schramm, 1996, S. 15–17). Der Hamburger Verleger Konrad Neumann begann zudem neue Kalenderreihen unter Verwendung des Namens „Johann Henrich Voigt“ für den vermeintlichen Kalenderverfasser.

Titel (ohne den des Pseudonyms):
Deutsche Kalender:
Ohne die nach Voigts Tod unter dem Namen „Johann Heinrich Voigt“ im Hamburger Verlag Konrad Neumanns neuaufgelegten Kalenderreihen.
(1) [?]–1638–[?]: SchreibCalender vnd Almanach, Format 4°.
(2) 1665–[1681?]: Christen=Kalender. 1682–1721: Christ= und Planeten=Calender [auf den niedersächsischen Horizont], Format 4°.
(3) 1686: Der Christenheit Haupt=Calender, Format 4°.
(4) 1675–1691: Historien=Calender. 1692–1750: Hamburgischer HistorienCalender, Format 4°.
(5) [?]–1678–[?]: Kauffmanns Calender, Format 4°.
(6) 1674–1701: Stadischer Mathemat- und Physicalischer Sonderbahrer Raritäten=Calender, Format 4°.
(7) 1680–[1681?]: Rarität= und Nativität=Calender [auf den preußischen und polnischen Horizont], Format 4°.
(8) 1682–1683[?]: Krieg= und Friedens Calender, Format 4°.
(9) [?]–1684–[?]: Hauß= und Schreib=Calender, Format 4°.
(10) 1684[?]–1699[?]: Hauß= und Artzeney= Auch Krieg= und Friedens=Kalender, Format 4°.
(11) 1686[?]–1687[?]: Zeit= Hauß= Artzney= und Baum= Gartens=Calender [auf den westfälischen Horizont], Format 4°.
(12) 1688[?]–1700: Hauß= Feld= und Garten= Calender [auf den pommerschen Horizont], Format 4°.
(13) 1691[?]–1799: Ober=Ländischer Zeit= Fest= und Wetter Calender, Format 4°.
(14) [1677?]–1678[?]: Lieffländischer Chronicken= und Geschichts=Calender, Format 4°.
(15) 1694[?]–1700: Chur=Brandenburgischer Alter und Neuer Curiöser Historien= Sieges= und Helden= Calender, Format 4°.
(16) 1681[?]–1691[?]: Stadischer Allmanach, Format 8°.
(17) 1680[?]–1689[?]: Schreib=Calender, Format 8°.
(18) 1682[?]–1685[?]: Allmanach-Prognosticon. 1692[?]–1698[?]: Hamburgischer Schreib=Calender, Format 8°.
(19) 1682[?]–1689[?]: Hand= und Reise=Calenderlein, Format 12° [1682 bzw. 1689 enthalten in den anderen Drucken, Titel 24 bzw. 34].
(20) [?]–1696–[?]: Schreib=Calender, Format 16°.
Schwedische Kalender:
(21) 1667–1700[?]: Almanach [auf den Stockholmer oder schwedischen Horizont], Format 16°.
Druck und Verlag:
(1) Druck Jacob Esker, Erfurt, Verlag Johann Birckner, Erfurt.
(2), (4), (5), (8), (18) 1665–[1666?]: Caspar Holwein, Stade, 1667–1685: Georg Rebenlein d. J., Hamburg, 1686–1691: Georg Rebenleins d. J. Witwe, Hamburg, 1692–1700[?]: Konrad Neumann, Hamburg, 1701[?]–1750: Kaspar Neumann und Konrad König, Hamburg.
(3) Druck Georg Rebenlein d. J., Hamburg, Verlag des Autors.
(6), (10), (16), (17) Caspar Holwein, Stade.
(7) 1680: Druck Johann Ernst, Frankfurt an der Oder, Verlag Daniel Birinck, Stolp.
(9), (19) Druck [Caspar Holwein, Stade], Verlag des Autors.
(11) Johann Piler, Minden.
(12) 1688–[1689?] Druck Michael Höpfners Erben, Stettin, Verlag Wolfgang Eysentraut, Stolp, 1690: Druck Samuel und Johann Höpfner, Stettin, Verlag Wolfgang Eysentraut, Stolp, 1691: Druck Johann Nicolaus Ernst, Stargard, Verlag Wolfgang Eysentraut, Stolp, 1692–1700: Druck und Verlag Johann Nicolaus Ernst,Stargard.
(13) 1691–1725: Caspar Brechenmacher, Augsburg, 1726–1799: Brechenmacher, Augsburg.
(14) Johann Georg Wilcke, Riga.
(15), (20) Johann Nicolaus Ernst, Stargard.
(21) 1667: Zacharias Brockenius, Strengnäs, 1668–1669: Hantsch, Stockholm, 1670–1683: Nicolaus Wankijf (Erben bis 1693), Stockholm, 1676–1699: Henrich Keyser, Stockholm, 1677: Amund Grefwe, Göteborg, 1679–1682: J. G. Ebert, Stockholm, 1680: Grefwes Witwe, Stockholm, 1680–1687: V. Haberegger, Malmö, 1681–1687: Lönbohm, Göteborg, 1681–1687: Zacharias Asp, Strengnäs, 1683–1690: Daniel Kämpe, Linköping, 1685–1689: Wall, Stockholm, 1696: J. C. Tieden, Stockholm, 1700: Henrich Keyser, Uppsala.
Nachweis:
Herbst, 2008a, S. 157–159. Ergänzend: BPAN Gdańsk (Ex. für 1667, 1670 der Reihe 2, 1686 der Reihe 3, 1680 der Reihe 7; 1688, 1690, 1691 der Reihe 12), GWLB Hannover (Ex. für 1680 der Reihe 2, 1686 der Reihe 3), GSAPK Berlin (Ex. für 1679 der Reihe 6), UB Rostock (Ex. für 1680 der Reihe 17). Sührig, 1979, Sp. 787. Deutsche Presse, 1996/1997/2003, Bd. 1.1, Nr. 27, 37, 41, 46, 48, 58. Klemming/Eneström, 1878, S. 13–25 (Reihe 21). VD17. CERL.
Online:
(1) 1638 [05.09.2017],
(2) 1665,
(4) 1691,
(11) 1687,
(14) 1678 [22.08.2016].
Andere Drucke:
(1) Newer Post=Reuter/ Oder Astrologisches vnpartheyisches Bedencken: Von dem fernern vermuthlichen Zustande deß jetzigen Kriegswesens/ Gerichtet Auffs 1641. 1642. und 1643. Jahr. […] Auß waaren Astronomischen Gründen vnd natürlichen Vrsachen/ ohne Aberglauben/ vnd ohne vngebürliche Affecten/ mit besonderem Fleiß beschrieben […] Durch Heinricum Voigten/ Rudolphopolit. Astrophil. [Erfurt: Tobias Fritsch] [1640]. SBPK Berlin, Flschr. 1640/1. HAB Wolfenbüttel, M: Gl 5022. Dasselbe in einem späteren Druck: Astrologisches Vnparteysches Bedencken: […]. Ohne Ort 1641. BFS Halle, 187 D 16 (1). Und: Astrologisches vnd Vnparteyisches Bedencken/ […]. Ohne Ort 1642. SUB Göttingen, 4 CONC FUN II, 96 (28). Online [22.08.2016].
(2) Newer Wol=mundierter vnd Wol=außstaffierter Post=Reuter Oder Astrologisches Vnpartheyisches Bedencken: von dem fernern vermuthlichen Zustande deß jetzigen noch immerwährenden Bluttrieffenden Kriegs=Wesens/ Gerichtet Auff daß 1644. 1645. 1646. und 1647. Jahr. […] Ohne Aberglauben/ vnd ohne vngebührliche Affecten, mit besonderem Fleisse beschrieben […] Durch Heinricum Voigten/ Rudolpho Polit: Astrophil: Erstlich in Druck gegeben Anjetzo aber Augiret vnd vermehret durch Christian Friedlieb auß Hoffenburg. Erfurt: Tobias Fritsch 1643. SBPK Berlin, Flschr. 1643/1. Online [22.08.2016]. Andere Ausgaben 1644, 1645.
(3) (Gelegenheitsschrift) Danckbaren Gemüths Anzeig Als der WolEhrwürdige/ GroßAchtbare/ Hochgelahrte und weitberümbte Theologus Herr M. Johannes Rotlöben/ […] auff dem löblichen Vestungs=Hause Glücksburg/ wolbetrauter Hoffprediger/ und der Graffschafft Pinnenberg Probst/ […] zur Probstey naher Hadersleben allergnädigst beruffen ward. Einfältig und Eylfärtig auffgesetzt. Von Johanne Heinrico Voigt. Sch: Glückst: Arithmetico. Glückstadt 1646. UB Kiel, Arch2 70–71. Online [22.08.2016].

Die seit 1651 während Voigts Zeit in Stade entstandenen Schriften sind nach Themen geordnet aufgelistet in Wolpman, 1691, S. 38–39. Eine chronologische Auflistung findet man in Moller, 1744, Bd. 2, S. 930f. Moller orientierte sich an Wolpman, 1691 und sichtete die meisten Schriften. Hier werden zunächst nur die heute in Bibliotheken nachgewiesenen Titel chronologisch angegeben. Die zusätzlich bei Moller, 1744 genannten Titel stehen am Ende.
(4) Wegweiser oder Schul=Formular Zum Schreiben Rechnen und Buchhalten: In Zweyen Haupt=Vnterscheiden Und mit beygefügten künstlichen Lust und Schertz Rechnungen Zum Vortrab eines vollenkommenen Hauptwercks vorgestellet von Johann-Hinrich Voigt/ Der Mathematic Beflissenen/ Schreib=RechenMeistern und Buchhaltern zu Staaden. Stade 1656. ThULB Jena, 4 Ph. IX,6.
(5) Stadischer vermehrter Cometen Spiegel Von den beyden Cometen Außgangs 1664. vnd Anfangs 1665. Jahres. Hamburg 1665. FB Gotha, N 8° 02012 (18). Und in anderen Bibliotheken.
(6) Observation und Bericht Von dem andern Cometen oder des Cometen Anderer Erscheinung. 1665. Hamburg 1665. ThULB Jena, 4 Jur. XXVII, 73 (41). Und in anderen Bibliotheken.
(7) Nova Arithmetica Jvridica Darinnen in Funffzig (meist) Streit=fragen gewiesen wird/ Daß die Rechen=Kunst auch denen Studiosis Juris, Schreibern/ und allen den jenigen/ welche ins künfftige Gerichts=Städten/ Advocaturen/ Notariats-Secretariats- und Schreiberey=Verwaltungen zubesitzen oder zubedienen gedencken/ zu wissen hoch nöhtig sey. Von Johann=Henrich Voigt Königlicher Majestät in Schweden bestellten Mathematico und Arithmetico zu Staaden. Hamburg 1667. GWLB Hannover,Leibn. Marg. 88. Online [22.08.2016]. Und in anderen Bibliotheken.
(8) Schreib=Formular: Darinnen Hauß= und Kauffmannische Brieff=Stellung/ in 203. Formulen: Nahmen=Büchlein/ gebräuchlichen Tauff= und Zu=nahmen: Wort=verteutschung/ deren auff Contorn üblichen frembden Wörter: Mit angehängten Rechnens=Anfange/ Denen ungeübten Schreib=Schülern zum besten fürgestellet. Hamburg 1667. MHG Hamburg, Lf V 3. Andere Ausgabe: Hamburg 1670. HAAB Weimar, 19 A 14428. HAB Wolfenbüttel, Xb 4010 (2).
(9) Der Kunstgünstigen Einfalt Mathematischer Raritäten […] Hundert. Hamburg 1668–1673. SUB Hamburg, Scrin A/414. Erstes Hundert (1668), online. Zweites Hundert (1670), online. Drittes Hundert (1673), online [22.08.2016].
(10) Colloquium Calendario-Graphicum, Von Vergleich= oder Vereinigung Des Alten Julianischen / Neuen Gregorianischen Calenders In einen Leopoldischen / Corrigirten Reichs=Calender. Nach vielen Mühe= und Arbeitsamen Entworff/ zu des gemeinen Besten ferneren Nachdenken Unmaßgäblich nur Vorschläglich in Frag und Antwort. Hamburg 1668. SUB Hamburg, Scrin A/1533. Online [22.08.2016].
(11) Ein und Dreyssig=Jährige Calender=Prob/ Deß Zur Christlichen Zeit= und Fest=Vereinigung unmaßgeblich vorgeschlagenen Leopoldischen Reichs=Calenders/ Vom Jahre 1670. biß ins Jahr 1700. Welcher Reichs=Calender zur Vereinigung des Alten und Neuen Styli, auffs Jahr 1670 zum Ersten entworffen/ Zeit=hero jährlich continuirt, und fortan biß ins Jahr 1700 exemplificirt ist […]. Hamburg 1669. SUB Göttingen, 8 H SUBS 7413. Andere Ausgaben: Hamburg 1670, 1675.
(12) Der Mathematic Teutscher Worthalter/ Durch welchen Discursive angeführet wird: 1. Daß alles in der Welt/ und auch die Welt selbst in Mathematischen Wissenschafften bestehe. 2. Woher es komme/ daß bey den Teutschen dieselben Wissenschafften nicht auch so gemein sind/ wie bey andern Nationen. 3. Wie und auff was Ahrt dieser Mangel zuersetzen. […] Ohne Ort ca. 1670. HAB Wolfenbüttel, H: N 5.8° Helmst. (1). Online [22.08.2016]. Und in anderer Bibliothek.
(13) Calendrische An= und Vorschläge/ Von Vergleich und Vereinigung des Alten und Neuen Styli In einen Leopoldischen Reichs=Calender. Zu der Christenheit allgemeinen Besten/ durch Mühe und Arbeit außgefertiget/ und Gesprächsweise fürgestellet. Stade 1672. SBPK Berlin, Oz 938<a>. Und in anderen Bibliotheken.
(14) Extract Aus den Prognosticis Des Königl. Schwed. Mathematici zu Staden/ Johann=Henrich Voigts: Was und wie derselbe in verlauffenen etlichen Jahren/ in seinem Cometen=Spiegel und jährlichen Calendern/ von den itztaußbrechenden Welt=Händeln vorher vermuthet und geschrieben hat. […] Hamburg 1672. HAB Wolfenbüttel, H: T 317.4° Helmst. (21). Online [22.08.2016]. Und in anderer Bibliothek.
(15) Der Obern Himmels=Magnaten Vom Anfange der Welt biß hieher/ in den unterschiedenen Himmels=Kreissen gehaltene Reichs= Kreiß= und Land=Tage: und was in der untern Welt darauff schon erfolget/ und künfftig zu vermuthen sey. […] Hamburg 1676. SUB Hamburg, Sternwarte, A 181. Online [22.08.2016]. Und in anderen Bibliotheken.
(16) Kurtzer Extract und Vortrab des Grössern Cometischen Maß=Stabs/ Darinnen zu finden: Wie die/ in den Jahren 1664. und 1665. erschienene Cometen am Himmel ihren Lauff geführet. Was in den untern Welt=Lauffe in den verflossenen Zwölff Jahren schon darauff erfolget sey. Und was ferner/ in bevorstehenden und vielen künfftigen Jahren/ vor hochwichtige Verenderung in Welt= und Geistlichen Regimenten noch zu vermuthen. […] Hamburg 1676. FB Gotha, Math 4° 00156/07 (02). Und in anderen Bibliotheken.
(17) Arithmetische Grund=Wurtzeln/ Oder Gründliche Anweisung zu der Zahlen- oder Rechen-Kunst […]. Hamburg 1677. HAB Wolfenbüttel, H: N 5.8° Helmst. (2). Und in anderer Bibliothek.
(18) Christmäßige Betrachtung Des Cometen Im Aprili Anno 1677. Auff dem Cometischen Sammel=Platze/ im Tauro oder Stier. […] Hamburg 1677. UB Kiel, Ke 9976-12. Online [22.08.2016].
(19) Der Neun=Jährige Frantzösische Krieg in Holland und Teutschland/ von Ao. 1671. biß A. 1679. Mit seinen Hauptsachlichen Begebenheiten. Ohne Ort ca. 1679. HAB Wolfenbüttel, Xb 8819. Online [22.08.2016]. Und in anderen Bibliotheken.
(20) Astrologische Mittel=Strasse/ Zur Unterscheidung des rechten Gebrauchs und Mißbrauchs: Bevorab aber Zum rechten Verstande Des Nativität=Stellens/ […]. Stade ca. 1680. FB Gotha, Math 4° 00156/07 (03).
(21) Planeten-Versamblung/ Im Majo und Junio 1680: Und dabey erschienene Feurige Lufft-Zeichen/ […] Ohne Ort ca. 1680. HAB Wolfenbüttel, Xb 146 (18).
(22) Send-Schreiben An Tit: Tit: Tit: Alle und Jede/ Höchst und Hohe Häupter und Glieder Des Heiligen Römischen Reichs: Und deroselben/ zu der Reichs-Versamlung zu Regensburg/ abgeordnete Hohe Gesandschafften; Betreffende Die […] Stellung der wahren Oster-Feyer Alten Julianischen Calenders 1681 […]. Hamburg 1680. HAB Wolfenbüttel, Xb 146 (23). Und in anderer Bibliothek.
(23) Cometa Matutinus & Vespertinus, Der Anfangs in den Fruestunden der Sonnen vorgehend/ Vnd/ hernach in den Abendstunden der Sonnen nachgehend/ Erschienene/ Und der Gottlosen Welt zum Schrecken/ am Himmel strahlende Comet= oder Schwantz=Stern/ Anno 1680. und 1681. Hamburg [1681]. SUB Hamburg, Scrin A/1961. Online [22.08.2016]. Und in anderen Bibliotheken. Andere Ausgabe: Danzig [1681]. FB Gotha, Stw 4° 00258 (18).
(24) Privilegirtes Hand=Büchlein/ Der Zeit Und Der weltlichen Geschäffte Zu Hause/ an der Börse und sonst bey handels=Geschäfften zu gebrauchen. Stade 1681. HAB Wolfenbüttel, M: Nb 448.
(25) Privilegirtes Hand=Büchlein/ Der Gottseeligkeit Und Der Geistlichen Andachten Zu Hause/ in der Kirchen/ auff der Reise/ und sonst in Noht und Tod zu gebrauchen. [Stade ca. 1681]. HAB Wolfenbüttel, M: Nb 448 (3).
(26) Nordisch Cometen=Geschrey, anno 1682 im Augusto […] Stade 1682. HAB Wolfenbüttel, A: 35.1 Astron. (1).
(27) Vorstellung und Betrachtung der Grossen Conjunction der Obern Planeten Saturni, und Jovis, Welche sich zu dreyen malen begiebet: Anno 1682, den 18 Octobris in 19 Grad Löwen Anno 1683, den 21 Januarij in 17 Grad Löwen Und den 16 Maji in 15 Grad Löwen […] Zum Vortrab Des Vergleichung=Spiegels Himmels und der Erden/ welches Büchlein diesem bald folget. Stade 1682. HAB Wolfenbüttel, A: 35.1 Astron. (2). Online [22.08.2016]. Und in anderen Bibliotheken.
(28) Veranlassete Frag und Antwort: Was Von des Englischen Wahrsagers/ Was Von des Erweckten Noae Propheceyungen Zu halten sey. In einem kurtzen Gespräch vorgestellet. [Stade] 1683. HAB Wolfenbüttel, M: Hr 429 und Nx 28 (3). Und in anderen Bibliotheken.
(29) Die Wachsende Bluehende Verwelckende Türckey/ Sampt ihren Regenten und Käysern biß auff diese Zeit. Historicè und Astrologicè vorgestellet. [Stade] 1683. HAB Wolfenbüttel, M: Nx 28 (5). Und in anderen Bibliotheken.
(30) Historische Ordnung und Nachfolge Der Könige in Schweden Kurtz nach der Sündfluth an/ biß auff diese Zeit Caroli des Eilfften/ Extract-weise in die Engde gezogen. [Stade] 1683. HAB Wolfenbüttel, M: Gs Kapsel 2 (18). Und in anderer Bibliothek.
(31) Der Lauff Grosser Veränderungen nach Orient, Aus Verschiedener Cometen Bezeichnung Astrologicè vorgestellet. Nürnberg 1684. HAB Wolfenbüttel, M: Nx 28 (4). Online [22.08.2016]. Vgl. den anderen Druck: [Ohne Ort] 1683. ThULB Jena, 4 Phys. III, 42 (5).
(32) Johann Henrich Voigts Erneuerte 20zig=jährige Kriegs= und Verenderungs=Prognostica. Vom Anfange seines Calender schreibens/ biß ins Jahr 1686 und noch ferner hin/ Auß allen seinen Calendern und Tractätlein der Cometen und Conjunctionen extrahirt, Auch von der Juden Bekehrung etwas hinzu gethan/ Und hier beysammen vorgestellet. Ohne Ort 1685. ThULB Jena, 4 Bud. Var. 185. Und in anderer Bibliothek.
(33) Dreyfache Schwedische Zeit-Fackel: In einem (Stamm- Jahr-Buchs- Königs-) Register/ Angezündet und fürgestellet. [Stade] 1687. HAB Wolfenbüttel, Xb 2850 (1). Und in anderen Bibliotheken.
(34) Stader Hand- und Reise-Büchlein: Darinnen I. Kern und Stern aller Gebet/ zu allen Zeiten [..] Stade 1689. HAB Wolfenbüttel, Xb 3471. Und in anderer Bibliothek.

Bei Moller, 1744, Bd. 2, S. 930 fehlen die Titel 1–3, 14, 19, 21, 24, 25, 32. Zusätzlich werden dort genannt:
(35) Kurtze Betrachtung des Instrumenti horarij, oder der 22fältigen Sonnen=Uhr, samt einer Monden=Uhr; die Stunden des Tages beym Sonnen=Scheine, und des Nachts beym Monden=Scheine, zu erlernen. Hamburg 1662.
(36) Kleine Kinder=Bibel, vor die Schul=Kinder. Hamburg 1670.
Literatur:
Franciscus Wolpman: (Leichenpredigt mit Lebenslauf) Der Wol=Ehrbaren/ Viel=Ehr und Tugendreichen Frauen Cathrinen/ Sehl. (Tit.) Hn. Johann Henrich Voigten/ Königl. Schwed. Mathematic. hinterlassenen hochbetrübten Frau Wittwen/ und der Gesampten werthen Voigtischen Familie Ubergiebet diese […] gehaltene Leichen=Predigt F. Wolpman. Stade 1691. ULB Halle, Pon IIn 9457. Online [22.08.2016]. Darin auf S. 33–44: Lebenslauff (Tit.) Hn. Johann=Henrich Voigts/ Königl. Schwed. Wolbestalt=gewesenen Mathematici zu Stade. Mehrentheils aus seiner zurück=gelassenen eigenhändigen Nachricht gezogen.
Johannes Moller: Cimbria Literata, Sive Scriptorum Ducatus Utriusqve Slesvicensis Et Holsatici, Qvibus Et Alii Vicini Qvidam Accensentur, Historia Literaria Tripartita. […] Kopenhagen 1744. ThULB Jena, 2 Hist. lit. III, 6a–c. Zu Johann Henrich Voigt: Bd. 2, S. 928f. die Biographie (lateinisch) und 930f. die Liste der Schriften.
Ludwig Friedrich Hesse: Verzeichniß geborner Schwarzburger, die sich als Gelehrte oder als Künstler durch Schriften bekannt machten. Einladungsschrift zu der […] öffentlichen Schulprüfung, 18. Stück. Rudolstadt 1827. Zu Johann Heinrich Voigt: S. 16–17.
Nils-Werner Fritzel: Johann Henrich Voigt – Naturwissenschaftler und Astrologe. In: Stader Jahrbuch. Stade 1970, S. 73–76.
Hans-Helmut Lawatsch: Der Mathematiker und Astronom Johann Henrich Voigt aus Rudolstadt. In: Rudolstädter Heimathefte. Beiträge aus dem Landkreis Saalfeld-Rudolstadt und seiner Umgebung 44 (1998) 11/12, S. 258–260.
Quellenzitate:
(1) „Salutem et officia!
Ich schicke dem Herrn hiermit Mons: Edenbergs Schreiben, nebest ein wexel auff Hamburg an Herrn Benedix Koop, laut auff dreÿzig Reixdlr. in specie, welcher wexel ich durch ein guten freunt habe müssen ubermachen, weil Mons: Edenberg nicht hier in der Statt. Bitte hierbeÿ freuntlich daß der Herr wolle mit erster post mier order senden an wenn ich die Calender mit der dedication übergeben soll. Ihrer Maÿst:ttem seind verreist nach Åland, auff Elend Jacht, und werden vor Michaelis nicht wieder zu Hauß kommen. Was sich des Herrn grosse Calender, anbelanget, so wolte ich woll ein par hundert davon nehmen, aber weil sie werden beÿ mier nicht groß nachgefragt, w[ei]l ich keine neue Bude habe, muß ich diese jahr lassen beruhen, ich halte itzund darumb an, wenn daß gelingen will, will ich nicht alleine von des Herrn Calend: sondern auch von andren Werckes, die der Herr außgeben läst, haben. Inmittelst Gott befohlen und verbleibe des Herrn allezeit schuldigster diener
Nicolaus Wankius SS Tÿpogr:
Stockholm d. 9. 7bris. 1671.
P.S. als ich im schreiben war kriegte ich des Herrn Briefl. mit der Calend: Titul: also schicke ich den Hern ein wieder zu rucke von mier sie seint alle fur 8 Tage vertig geweßen. Der H: Secretarius ist noch hier, und mein er werde noch ein weile hier verbleiben. Valeat.“ (Brief von Nicolaus Wankius, königlicher Buchdrucker, an Johann Heinrich Voigt, Stockholm 9.9.1671, zitiert nach Herbst, 2008a, S. 210).
(2) „Nötiger Vor=Bericht. G. Leser!
ERstlich. Im Calender 1681. war mein Anerbieten/ die zu Ende gelauffene Ephemerides Herrn Heckeri zu continuiren. (hac conditione) (1) Daferne nicht ein anderer Scribent mir zuvor gekommen/ der die Arbeit schon meist gethan hätte: Und (2) wenn sich ein Verleger darzu/ bey mir anmelden würde.
Bald hernach aber/ sagte ein wolbekanter vornehmer Buchhändler (mir zur Warnung) es hätte ein Ephemeridist in Engelland/ Nahmens Clüverus, solche Ephemerides schon elaboriret, und ihme Exemplaria angetragen/ die er bald bekommen würde.
Diese Nachricht kam eben auff mein Forschen und Condition, und konte (zumalen auch kein Verleger sich angab) mir Ursache genug seyn/ (um Beyderseits Schaden zu vermeyden) die Angefangene Arbeit an die Seite zu legen/ und ein anders zur Hand zu nehmen/ wie ich auch gethan.
Weil nun offt gefraget wird/ wo doch meine vertröstete Ephemerides bleiben/ auch wol von solchen/ die nichts davon verstehen/ etwa nur aus Antrieb sonderbarer L[a]unen/ so kan hievoriger Bericht zur Antwort seyn/ warumb sie nicht gefolget sind.
Wo aber die Englisch-Clüverische Ephemerides, die mein Vorhaben zurücke gesetzet/ so lange bleiben/ davon gebe ich Nachricht/ so gut ichs empfangen.“ (Stadischer Mathemat- und Physicalischer Sonderbahrer Raritäten=Calender für 1684, S. A2b).
(3) „Ja/ ich halte gäntzlich dafür/ daß niemand unter denen/ die meine/ aus den Himmels=Gestalten der grossen Conjunctionen/ und auß den Läufften der erschienenen Cometen/ genommene Fundamenta/ gelesen und verstanden haben; Oder die selbst nachdenckend den Zustand der Welt zu betrachten wissen; Werde die Herannahung solcher Mutationen leugnen können: Solte es aber jedoch von einigen geschehen/ so wird es seyn von denen GOTT und sein Wort verlassnen Atheisten/ die weder GOTT noch Teuffel/ weder Seeligkeit noch Verdamniß gläuben; Denen die Zeugnisse der heiligen Schrifft/ und der natürlichen Gründe nur stickend und erlogen seyn müssen.“ (Johann Henrich Voigts Erneuerte 20zig=jährige Kriegs= und Verenderungs=Prognostica (anderer Druck, Titel 32), S. L2b).

Erstellt: 24.08.2016
Letzte Aktualisierung: 09.12.2019

voigt_johann_he_i_nrich.txt · Zuletzt geändert: 2019/12/09 15:47 von klaus-dieter herbst