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Grüneberg, Christian

„M. Christianus Grünebergn“ (Selbstbezeichnung auf dem Titelblatt, zit. 1668)
* (getauft) 21.4.1639 Stettin, † zwischen 25.3. und 4.4.1701 Frankfurt an der Oder
Kalender seit 1667, verfaßt bis 1684 [?]

Über Christian Grüneberg werden hier erstmals biographische Details zusammengetragen. Aus dem am 17. Juni 1657 vorgenommenen Eintrag in die Matrikel der Universität Greifswald gehen der Geburtsort Stettin (poln. Szczecin) und das ungefähre Geburtsjahr 1639 hervor (Friedländer, 1893, Bd. 2, S. 71 „17. Jun. [1657] Christianus Grünenberg, Stetinensis P., iuravi“), was durch die Sichtung der Stettiner Kirchenbücher bestätigt werden konnte. Demnach wurde er am 21. April 1639 in der Kirche St. Jakobi in Stettin als Sohn von Daniel Grüneberg und dessen Frau Ursula, geb. Küntzen, getauft (Kirchenbuch St. Jakobi in Stettin, S. 364 „Daniel Grünenberg vnd Ursula Küntzens ihren Sohn Christian t. l. c. f. Johans Ritow, Marten Ratzke vnd die Andres Schmiedesche“, eingesehen am 18.12.2015 im Evangelischen Zentralarchiv Berlin, Fiche 4001/7).
In Greifswald entstand 1659 Grünebergs erste akademische Schrift (anderer Druck, Titel 1). Bereits 1649 gab es die Immatrikulation Grünebergs an der Universität Frankfurt an der Oder (Friedländer, 1887, Bd. 2, S. 3 „Christianus Grönenbergius Stetinensis Pomeranus“), doch wurde er damals nicht vereidigt, weil er noch ein Kind war. An der Frankfurter Universität erfolgte die Vereidigung erst 1671 (ebd., S. 3 „iur. 28. Febr. rect. Isaaco Schoockio 1671“). Davor war Grüneberg seit dem 26. Januar 1663 an der Universität Wittenberg (Juntke, 1952, S. 144 „Grüneberg, M. Christian, rector scholae Regiomontanae Neomarch. 26.1.1663“), wo er 1663 erst selbst disputierte (anderer Druck, Titel 2) und danach bis 1665 mehrfach Praeses von Disputationen war (andere Drucke, Titel 3 bis 5). Dieser Mathematiker Christian Grüneberg aus Stettin ist zu unterscheiden von dem Theologen Christian Grüneberg aus Holstein, der bereits 1649 „Defendent an der Univ. Wittenberg“ war (CERL, dort werden beide vermischt).
In einem Schreibkalender für 1693 wird im Rahmen einer Abhandlung zur brandenburgischen Geschichte eine Liste mit Professoren veröffentlicht, in der es an 15. Stelle heißt: „Herr M. Christian Grünberg/ Stetin. Pomer. Mathes. Prof. Publ. Ordin. vormals Extra-Ordinarius, und vor diesem Rector der Schulen zu Königsberg in der Neumarck/ und hernach alhie zu Franckfurt“ (→ Gottlieb Wegner: Brandenburgisch Geographisch=Historischer Kalender für 1693, zweiter Teil, S. E4a). Demnach ging Grüneberg nach dem Studium als Lehrer nach Königsberg in der Neumark (poln. Chojna). Als er sich 1663 in die Matrikel der Universität Wittenberg einschrieb, war er bereits Rektor der Königsberger Schulen. Gemäß dem Eintrag in das Stammbuch von Sebastian Kirchmaier war Grüneberg am 15. Januar 1666 noch in Wittenberg (Kirchmaier, 1660, Bl. 85,2). Etwa 1670 wurde er Rektor des Gymnasiums in Frankfurt (vgl. Noack/Splett, 1997, Bd. 3, S. 193). Als Rektor schrieb er am 19./29. November 1676 in seinem Brief an → Gottfried Kirch von seinen „tägliche[n] Schul= und Amt=Verrichtungen“, die ihm kaum Zeit für andere Dinge lassen (Herbst, 2006, Bd. 1, S. 20; vgl. Quellenzitat 1).
Im Frühjahr 1683 wurde Grüneberg schließlich außerordentlicher Mathematikprofessor an der Frankfurter Universität. Zuvor hatte er den Kurfürsten gebeten, dieser möge ihm „die Professionem Mathematicam Ordinariam vor andern Gnädigst gönnen und conferiren“ (GSAPK Berlin, HA I, Rep. 51, Nr. 92, Brief Grünebergs an den Kurfürsten Friedrich Wilhelm, ohne Datum, nicht foliiert). Der Kurfürst entschied, daß die Universität Grüneberg „in ermanglung einer vacanten ordinaren stelle zum Professore Matheseos extraordinario hiemit und krafft dieses annehmen und bestellen“ solle (GSAPK Berlin, HA I, Rep. 51, Nr. 92, Brief des Kurfürsten Friedrich Wilhelm an die Universität Frankfurt, 21. Mai 1683, nicht foliiert). Vermutlich beendete er mit der Übernahme des Lehrstuhls an der Universität seine Tätigkeit als Kalendermacher, denn der letzte bekannte Kalender aus seiner Feder ist einer für 1684. Danach tauchen → Adolph Friedrich als Continuator Grünebergs und „J. N. G. Christiani Grünebergs“ auf den Titelblättern auf. Fünf Jahre nach Erhalt der außerordentlichen Professur wurde Grüneberg durch Befehl des neuen Kurfürsten Friedrich III. „zum Professore Matheseos Ordinario“ bestellt (GSAPK Berlin, HA I, Rep. 51, Nr. 92, Brief des Kurfürsten Friedrich III. an die Universität Frankfurt, 28. Mai 1688, nicht foliiert). Diese neue Stellung, die ihm eine jährliche Besoldung von 200 Talern eintrug, vermerkte Grüneberg sofort in den Titeleien seiner Drucke (vgl. anderer Druck, Titel 20, Titelei). Auch den Eintrag in das Stammbuch von Daniel Ringmacher unterzeichnete er in Berlin am 19. September 1688 mit „Mathes. Prof. Publ. Ordin. in Alma Viadrina“ (Ringmacher, 1688, Bl. 119).
Über die familiären Verhältnisse ist bekannt, daß Grüneberg mit Sara Elisabeth Vorstius verheiratet war. Sie starb am 8. Januar 1689 (vgl. den Titel der Leichenpredigt in Noack/Splett, 1997, Bd. 3, S. 11). Grüneberg starb zwischen dem 25. März und 4. April 1701 (GSAPK Berlin, HA I, Rep. 51, Nr. 92, Brief Grünebergs an von Fuchs bezüglich der Nachfolge auf seinem Lehrstuhl, 25.3.1701; Brief des Kurfürsten an die Universität Frankfurt bezüglich der Neubesetzung der Mathematikprofessur, nachdem Grüneberg verstorben war, 4.4.1701).
1673 legte sich Grüneberg in Frankfurt eine eigene Officin zu. Als Drucker stellte er Ludwig Röder an (Reske, 2007, S. 274).
Grüneberg verfaßte seinen ersten Schreibkalender für 1667 (vgl. Quellenzitat 4). In diesem überlieferten Jahrgang übte er in der Textspalte des Kalendariums Kritik an den Kalendern von → Stephan Fuhrmann und → Caspar Melchior Haaß, deren astrologische Inhalte zu verwerfen seien. Wie Grüneberg seine Kalender gestalten würde, formulierte er folgendermaßen: „weil ich aber die Apotheckerey nicht gefasset/ und das Planeten lesen vor Fantasey und verspötterey der maledeiten Zauberkunst halte: hat sich der geehrte Leser dergleichen zu mir nicht zu versehen. Ich habe aber vor gut angesehen etliche Calendarische fragen abzuhandeln/ und darauff künfftig (so es Gott zulässet) zuweisen/ wie die Calender gemacht? und die Finsternissen gerechnet werden?“ (Schreib=Kalender für 1667, Kalendarium, S. A3a). Im zweiten Teil des Kalenders, dem „Prognosticon Astronomicum“, setzte sich Grüneberg auf zehn Seiten mit den astrologischen Grillen verschiedener Kalendermacher auseinander, vor allem mit denen von Fuhrmann (ebd., zweiter Teil, S. E2a–F2b). Im folgenden Jahrgang 1668 wurde die Auseinandersetzung mit den Kalendermachern, die den Aberglauben und die Astrologie in ihren Kalendern fördern, forciert. Dabei übte er zum Beispiel grundsätzliche Kritik an der astrologischen Deutung der Finsternisse (Quellenzitat 2). Schließlich äußerte Grüneberg nach einer allgemeinen Warnung an die Betrüger unter den Kalendermachern ein ganz persönliches Detail: „Wer dieses nicht achten wil/ der lasse es/ und dencke nur zum wenigsten dieses dabey/ daß ihn einer gewarnet/ der selbst Kalender geschrieben/ und das Nativität stellen und prognosticiren so gut gelernet hat/ als ein ander/ wer der auch sey. Ich schade mir ja selbst damit; denn wenn ich meine Kalender auch fein fett mit Prognosticis spickte/ würde ich etliche tausend mehr loß/ als sonst: aber durch solche unehrliche Handtierung begehre ich mich nicht zu bereichern/ und ein Brandmahl in mein Gewissen zu machen. Wolte GOtt! daß ich nur diesen Zweck erreichen könte/ daß die Leute hinführo alles prognosticiren vor Lügen und Betrug hielten/ ich wolte Gott von Hertzen dafür mein Lebenlang dancken“ (Schreib=Kalender für 1668, zweiter Teil, S. F4b). Sodann geriet Grüneberg erst richtig ins Schimpfen über alle Arten von seit der Antike bekannten Wahrsagern „und dergleichen Teufelsgeschmeiß“, wobei er zahlreiche antike Autoren und Kirchenlehrer als Zeugen anführte. Auch die medizinische Astrologie bekam ausdrücklich ihre Kritik ab, denn es haben „ferner alle erfahrne Medici die Astrologiam verlachet; nahmentlich Henricus ab Heers, Petrus Laurenbergius, Johannes Langius, Leonhardus Fuchsius, Jonstonius, Brucaeus, Libavius, Zachias und viel andere; der Philosophorum zu geschweigen“ (ebd., zweiter Teil, S. G1a). Mit dieser Stellungnahme gegen die astrologische Deutung von Finsternissen im speziellen, aber auch gegen die Astrologie insgesamt, füllte Grüneberg fast fünf Seiten in relativ kleinem Drucksatz. Die traditionellen Inhalte einer Jahresprognostik gerieten – bis auf die astronomischen Angaben zu den Finsternissen – auch im nächsten Kapitel ins Hintertreffen, denn darin beschäftigte sich Grüneberg noch einmal mit „etlichen restirenden groben Irrthümen M. Fuhrmans“. In scharfem, teils polemischem Ton nahm Grüneberg die verwerflichen Formulierungen in Fuhrmanns Kalendern auseinander und überführte diesen zahlreicher philologischer, chronologischer, astrologischer, computistischer und astronomischer Fehler (ebd., zweiter Teil, S. G1b–4b). Am Schluß des zweiten Teils folgte eine „Zugabe an dem geehrten Leser“, in der er Stephan Fuhrmann zu einem öffentlichen Streitgespräch an einer Universität, die Fuhrmann bestimmen könne, einlud (Quellenzitat 3; vgl. anderer Druck, Titel 6). Damit endete der sechzehnseitige zweite Teil des Kalenders für 1668 ohne eine einzige astrologische Mutmaßung.
Die von Grüneberg zuerst in seinem Kalender für 1667 veröffentlichte Kritik an den Kalendern von Stephan Fuhrmann blieb nicht ohne Widerhall. Fuhrmann reagierte zweifach, zum einen fügte er seinem Kalender für 1668 ein „Tractätlein/ darinnen M. Christian Grünebergn auff seine grobe Lügen= und Läster=Charte/ so er im Jahr 1667. unter dem Titul eines Calenders außspeyen wollen/ nach Verdienst begegnet wird“, hinzu (Stephan Fuhrmann: Kalender für 1668, Titelblatt), zum andern reichte er am 12. April 1667 eine Klage gegen Grüneberg bei dem Reichsfeldherrn der Königlich-Schwedisch-Vorpommerischen Regierung in Stade ein (Acta Fuhrmann contra Grüneberg, 1670, S. A2a–b). Der Reichsfeldherr in Stade (C. G. Wrangel) wiederum reichte diese Klage am 6. Juni 1667 an den Vize-Gouverneur der Königlich-Schwedisch-Vorpommerischen Regierung in Wolgast weiter (ebd., S. A3a) und dieser wiederum forderte am 17. Juni 1667 in einem Schreiben Grüneberg zur Stellungnahme auf (ebd., S. A3a–b). In der am 29. Juni 1667 in Stettin verfaßten Stellungnahme widerlegte Grüneberg sämtliche von Fuhrmann gegen ihn erhobenen Vorwürfe (ebd., S. A4a–B4b, vgl. Quellenzitat 4). Interessant ist, daß Grüneberg Kenntnis hatte von dem vorherigen Streit Fuhrmanns mit → Andreas Concius in Königsberg. Dessen Kritik an Fuhrmann hatte – so Grüneberg – „weniger alß nichts [bewirkt]: sondern er [Concius] goß nur Oel zum Feur/ machte Fuhrman sicherer und frecher“ (ebd., S. B3a). Schließlich stellte Grüneberg seine Position im Kalender für 1668 noch einmal vor (vgl. oben). Fuhrmann verteidigte wiederum seine Position in den Kalendern für 1668, 1670 und 1671, nicht aber in einem von Grüneberg vorgeschlagenen öffentlichen Streitgespräch auf einer Universität. (Auf Grünebergs Kalender für 1667 reagierten auch der Kalendermacher → Antonius Schuppius und der Prediger Friedrich Bergmann (Bergmann, 1667).)
Ähnlich wie → Johann Christoph Sturm in Altdorf, → Christoph Richter in Gnandstein und die bereits erwähnten Andreas Concius in Königsberg und Gottfried Kirch in Lobenstein übte Grüneberg Kritik an denjenigen Kalenderschreibern, die die astrologische Prognostik zu sehr ausdehnten. Darüber hinaus lehnte Grüneberg ebenso wie Concius und Sturm die astrologischen Mutmaßungen grundsätzlich ab (Richter und Kirch waren darin nicht völlig konsequent). Er gehörte damit zu den ersten Kalendermachern, die in den 1660er Jahren frühe aufklärerische Gedanken nicht nur äußerten, sondern mit der inhaltlich neuen Ausrichtung ihrer Schreibkalender auch in die Tat umsetzten (vgl. Herbst, 2010a, zu Grüneberg bes. S. 186–191).
Gottfried Kirch verfolgte seit der Mitte der 1670er Jahre den Plan, eine „Astronomische Societät in Teutschland“ zu errichten, um die Astronomie und das Kalenderwesen zu verbessern (Herbst, 2002b; Herbst, 2010a, S. 242–249; vgl. die Kalender von → Hipparchus). Aus diesem Grund schrieb er an verschiedene Kalendermacher die Bitte, ihn dabei zu unterstützen. Einer dieser angeschriebenen war Grüneberg, der am 19. November 1976 zurückschrieb, daß er das Anliegen vollkommen unterstütze, aber aufgrund seiner weitreichenden Amtsverrichtungen (er war Schulrektor) keine weiteren Zusagen machen könne (Quellenzitat 1). Die wenigen überlieferten Schreibkalender von Grüneberg dokumentieren aber, daß er Kirchs Ziel, von Aberglauben gereinigte Kalender auf einer wissenschaftlich-astronomischen Grundlage zu veröffentlichen, beispielhaft verwirklichte.
Über die Höhe der Auflage der gedruckten Jahreskalender gibt es eine Aussage von Grüneberg selbst. Im Zusammenhang mit seiner Verteidigung gegen die Klage von Stephan Fuhrmann (vgl. oben) äußerte Grüneberg, daß ihn sein Buchdrucker ermahnt habe, von dem Kalender für 1668 „8. tausend Exemplaria zu verlegen: Wogegen ich mich an 6. tausend begnügen lassen“ (Acta Fuhrmann contra Grüneberg, 1670, S. B1b).

Titel:
(1) 1667–[1681?]: Schreib=Kalender.
(2) 1682[?]–1684[?]: Chronik= Wunder= Kunst= Kräuter Schreib=Kalender.
Druck und Verlag:
(1) 1667: Michael Höpfner, Stettin, 1668–1671[?]: Daniel Starck, Stettin, [1672?]–[1681?]: Ludwig Röder, Frankfurt an der Oder („In des Autoris Officin“, Titelblatt für 1674).
(2) 1682[?]–1684[?]: [Christoph Zeitler], Frankfurt an der Oder.
Nachweis: Herbst, 2008a, S. 96. VD17. CERL.
Online:
(1) 1668 [27.02.2015].
Andere Drucke:
(1) C. D Paginae logicae, omne artificium instrumentalis philosophiae brevi et accurata methodo exhibentes, ut 24 horarum momentis sine magno negotio & omni discentis taedio addisci possit. Stettin 1659. UB Greifswald, 520/Hc 195 adn7.
(2) Decas Positionum Logicarum In Illustrissimâ, quae VVittebergae est, Electorali Academia, Praeside Viro Praeclarissimo atque Excellentissimo Dn. Christiano Trentschio, Logicae & Metaphysicae Professore Publ. longè Celeberrimo, Dn. Praeceptore, Patrono ac studiorum Promotore aetatem colendo Publica ritè recteque philosophantium disquisitiani expositarum â M. Christiano Grünebergen/ Stetinensi Pomerano. In Auditorio Majori Ad 22. Julii Anno MDCLXIII. horis matutinis. Wittenberg 1663. ULB Halle, Ung VI 73 (38).
(3) De Enunciationibus Modalibus, Disputatio Logica, Quam Divinâ annuente Gratia, Praeses Christianus Grünenberg/ Stetinensis Pomeranus Ritè redtèque philosophantium disquisitioni subjicit, Respondente Joachimo Költzen/ Brandenb. March. In Acroaterio Minori Add. V. Augusti horis antemeridianis. Wittenberg 1663. BEP Wittenberg, Diss 138/93.
(4) Disputationum Metaphysicarum Prima De Natura & Constitutione Metaphysicae; Quam, Divinâ annuente Gratiâ, Praeses M. Christianus Grünenberg/ Palaeo-Stetinensis, Ritè rectèque philosophantium disquisitioni submittit Respondente Johanne Freund/ Kamizensi, Ad d. 5. Decembr. In Acroatetio Minori Horis pomeridianis. Wittenberg 1663. BEP Wittenberg, Diss 116/27.
(5) De Systemate Mundi Copernicaeo, Disputatio Astronomica, Qvam In Illustrissimo Ad Albim Athenaeo, Praeside Prae-Clarissimo, Prae-Eximio ac Humanissimo Dn. M. Christiano Grünebergen/ Palaeo=Stetinensi, Fautore suo plurimum colendo Publico Eruditorum examini subjicit Georgius Ludovicus Agricola. Megaphorâ-Thuringus, Autor In Auditorio Minori, d. 7. Octobr. Anno Erae Christiane M. DC. LXV. Wittenberg 1665. BEP Wittenberg, Diss 62/66.
(6) Astrologos Anaischyntotatos [griech. Typo.] Das ist/ Gründliche/ deutliche und außführliche Beantwortung Des neuesten Schmäh=Calenders Und angefügten also übel=titulirten Tribunalis Veritatis, so theils unter M. Steffen Fuhrmans/ theils unter dem falschen Namen Tobiae Müntzers gegen das 1668. Jahr heraußgegeben worden. Auß welcher Mehr als Sonnen=klahr zuvernehmen: daß M. Fuhrman selbst der Tobias Müntzer sey/ und daß zwar an Calumnien/ Injurien etc. ein reicher überflüssiger Vorraht/ aber auch an Refutation der aufgerückten groben kindischen Fehler ein grosser Mangel und Saguntinische Dörfftigkeit/ so wol im Calender als Tribunali selbst/ verhanden. Stettin [1668]. HAB Wolfenbüttel, M: Nx 82 (1).
(7) Geometrische Auffgaben/ Vermittelst welcher man die goldene Wissenschafft des Feldmessens volkömlich aus dem Fundament/ durch Regeln/ Exempel und Figuren lernen kan. Alten Stettin 1668. SUB Göttingen, 8 ASTR I, 1511 (5). Online [27.02.2015].
(8) Poetica Nova Reformata Non solum Omnium ac singularum syllabarum quantitatem solis Regulis cognosendi rationem perspicuè tradens, Tum versuum, tum Carminum, quotquot extant genera praceptis complectens paucis, sed quam accuratissimus, Cum Indice vocum & syllabarum locupletissimo. Autore M. Christiano Grunebergio, Scholae Francof. Rectore. Franfurt/Oder 1673. ULB Halle, Cb 3866.
(9) Tyrocinium Geographicum, Globi terrestris atqve Mapparum Geographicarum tum genesin tum usum explicans. Frankfurt/Oder 1674. ULB Halle, Oa 979.
(10) Tyrocinium Arithmeticae Vulgaris Decimalis & Sexagenariae Cum aeneis figuris baculorum Nepperianorum. Frankfurt/Oder 1674. ULB Halle, Pe 100.
(11) Justini Historiarum Ex Trogo Pompejo Libri XLIV. Notis ac Phrasibus Christiani Grüneberges/ Scholae Francof. Rectoris Illustrati. Frankfurt/Oder 1675. SLUB Dresden, Lit. Rom. B. 3074. Online [27.02.2015].
(12) Alios Discordis Belli Laudes Suscitare Juvet/ Alii Almae Poeseos Dotibus ebuccinandis operam ludant! Meliora dabit Atque Laetiferam Nati Jesu Christi, […] Dn. M. Christiano Grunebergio, Lycaei Francofurtani Rectore & Moderatore sane Fidelissiomo, Applaudente Publica Oratione Prosequetur Johannes Georgius Meisnerus, VVitteberga Saxo. In acroaterio perigaeo majori D. XV. Jan. An. M. DC. LXXVI. Hora X. matut. Frankfurt/Oder 1676. SLUB Dresden, 1.B.8338, angeb. 137. Online [27.02.2015].
(13) Verbesserter Donatus, Mit Einer außführlichen Vorrede von der alten Grammatiken Mängel/ und dieses Büchleins Nutzen. Frankfurt/Oder 1677. SBPK Berlin, W 1670. Online [27.02.2015].
(14) Pandora Mathematicarum Tabularum, Universis pariter ac singulis Disciplinis scientiisque Mathematicis inservientium, qvarum Catalogus Praefationem seqvitur; Et Quidem partim è Neppero, Longomontano, Keplero, Regiomontano, Ricciolo aliisqve praestantissimis Artificibus collectarum, partim propria Minerva elaboratarum atqve Opera, Studio, Typis, Sumptibus Christiani Grüneberges/ Mathesis In Electorali Viadrina Profess. Publ. Extraord. Editarum. Frankfurt/Oder 1684. FB Gotha, Math 8° 00192/01. Weitere Ausgaben, z. B. Berlin, Frankfurt/Oder 1700. Online [02.03.2015].
(15) Disputatio De Umbra, Qvam Supremo Propitiante Numine Et Amplissima Facultate Philosophica Annuente, Praesie Dn. Christiano Grünebergen/ Mathesis Professore Publico Extraordinario, Publico Erudiorum Examini exponet Autor idemqve Respondens Gregorius Möller, Meso-Marchicus, In Acroaterio Philosophorum Majori Anni M DC LXXXIV. Die Aprilis Horis antemeridianis. Frankfurt/Oder 1684. ULB Halle, 01 A 6522 (3).
(16) Disputatio De Pomerania, Qvam Divina Adspirante Gratia & Amplissima Facvltate Philosophica annuente, Praeside Dn. Christiano Grünebergen/ Pomer. Mathesis Profess. Publico Extraord. Publicae Eruditorum Syzetesei [griech. Typo.] In Acroaterio Philosophorum Majore Ann. [griech. Typo.] 1684. Die Junii horis antemerid. exponit A. & R. Georgius Fridericus Sassius, Pomeranus. Frankfurt/Oder 1684. UB Jena, 4 Diss. philos. 66 (74).
(17) Prooemia Geographiae Globi terrestris atque Mapparum Geographicarum tum genesin tum usum explicantia. Berlin 1686. FB Gotha, Math 8° 00454/05.
(18) Disputatio Mathematica De Lineis Rectis, Quam Praeside Dn. Christiano Grünebergio, Mathematum Professore Publico Extraordinario, Respondens Christianus Borck/ Stetinensis Pomeranus Publicae Eruditorum amphisbetesei [griech. Typo.] exponet Die IV. Junii A. 1687. Horis antemeridianis. Frankfurt/Oder 1687. SBPK Berlin 58 in: Schoepp. 413. Online [02.03.2015].
(19) Polymnemon Sacer Biblicus, Continens Novi Testamenti Graeci Vocabula Primitiva, Phraseologias, Dictaque Cardinalia Cuncta, Eo sane ordine disposita, ut tota Graeca lingva Sacra Graeceque fandi copia unius anni spatio citra omnem fere molestiam plane addisci & comparari qveat, servata saltim methodo ea, qvam Graecae Grammaticae Praefatio tradit. Frankfurt/Oder 1688. FB Gotha, Phil 8° 01604/03.
(20) Sceleton Arithmeticae Vulgaris, Logisticae Utriusque & Algebraicae, In Alma Electorali Viadrina Publicis Acroamatibus propositum Privatisqve Studiis repetitum â Christiano Grünebergio, Mathesis Prof. Publ. Ordin. Frankfurt/Oder 1688. SUB Göttingen, 8 MATH I, 4530 (2). Online [02.03.2015].
(21) Tabulae Mathematicae Bipartitae Universae Mathesis, nempe Sinuum, Tangentium & Logarithmorum, nec non Sphaericae & Theoricae Rudolphinae, Danicaeqve Astronomiae Inservientes Opera Christiani Grünebergii […]. Berlin, Frankfurt/Oder 1690. HAB Wolfenbüttel, Xb 257. Deutsche Ausgaben Berlin 1701, ThULB Jena, 8 MS 7208, und 1703, SLUB Dresden, Math. 1055.dn. Online (1703) [02.03.2015].
(22) Corn. Nepotis Excellentium imperatorum Graecorum et Romanorum Vitae […]. Frankfurt/Oder 1709. UB Greifswald, 520/DI 100.
(23) Encyclopaedia Mathematica, […]. Frankfurt/Oder o. J. SUB Göttingen, 8 MATH I 4530 (1). Online [27.02.2015].
Quellenzitate:
(1) „Edler und Hochgelahrter, Hochgeehrter HĮ, werther Gönner p Deßelben jüngstes ist mir sonderlich angenehm gewesen und bedancke mich sowol vor die geschehene Communication seiner sehr nutzbahren Arbeit, alß auch vor die offerirte Ehre zu einer Sternen=Societät. Ehe ich mich aber deßfals heraußlaße und mich categorisch erklähre, werde ich noch vorhero wol bej mir überlegen müßen, ob meine tägliche Schul= und Amt=Verrichtungen mir so viel Zeit gönnen werden, alß ich wol mercke, daß hiezu extraordinarie würde erfodert werden: Damit ich nicht gezwungen würde, da ich vielerlej Dinge anfienge, eines mit der Zeit gar einzustellen, oder bejde nur so überhin zu tractiren; davon ich schlechten Ruhm zuhoffen hätte. Deliberandum diu, quod statuendum semel. Was aber in specie die CalenderHudeler betrifft, dazu wil ich gerne das meinige contribuiren, daß ihnen möge gewehret werden, so viel deroselben ihre Calender mit der Zigeunerej besudeln: denen andern aber, so sich des Prophezeyens enthalten und nur sonst gute einfältige Leute sind, seh ich nicht ob, wie man mit gutem Gewißen könne einigen Nachtheil verursachen. Ich erinere mich, daß ein vornehmer Professor Mathematum damit ümbgegangen, daß er mit denen andern Professoribus Mathematum auf andern Universitäten zusammen setzen und von denen sämtlichen Ständen des H. Röm. Reichs ein Privilegium außwircken möchte, Krafft weßen niemand im gantzen Röm. Reich befugt seyn solte, Calender zuediren, alß alleine die Professores mathematum. Er ist aber darüber gestorben. Und dieses hielte ich selbst vor das beste Mittel, der Calender Hudelej zusteuren. Aber künfftig hievon mit mehre: anitzo Gott befohlen
Meines Hochgeehrten HĮ || Dw. || M C Gruneberg. || Franckf. || den 19 Nov. || 1676.“ (Christian Grüneberg an Gottfried Kirch in Leipzig, zitiert nach Herbst, 2006, Bd. 1, S. 20).
(2) „Was würden wol der Alphonsinische und Prutenische calculus vor Händel anrichten? O daß die Fantastische Prognosticanten dieses doch bedencken möchten! Nun zweifele ich nicht/ den geehrten Leser werde verlangen zu vernehmen/ was vorberührte Finsternissen importiren und bedeuten? sonderlich die grosse Sonnenfinsterniß am 25. Octobris. Denn so etwa ein Land mit Krieg/ Theurung/ Pest oder andern Unglück von Gott heimgesuchet wird/ vermeinet der gemeine Mann/ daß solches ein Comet/ Zusammenkunft der obersten Planeten/ oder eine Finsterniß veruhrsachet habe; welches ihnen von den Kalenderschreibern also fest eingebläuet und eingebildet/ daß kein besser Unterricht hernach das wenigste verfangen kan. Nun würde es gar geringe Mühe/ und noch viel geringere Kunst erfodern/ wenn ich auch ein Speculum Astrologicum verfertigen wolte/ aus welchem ich folgends mit den andern in die wette Lügen und prognosticiren könte; Und so wollens Bürger und Bauren haben/ damit es ihnen im Neuen Testament ja nicht an Propheten mangle. Weil ich aber in meinen Gewissen versichert und überzeuget bin/ daß es lauter Betrug ist mit allem/ was die Kalenderschreiber hiervon prognosticiren/ so wolle mich der Barmhertzige Gott gnädiglich dafür behüten/ daß ich mich durch gleichmäßige Lügen ja nicht zu bereichern noch mir ein Ansehen zu machen begehre. Ich wil aber von der Sachen also schreiben/ wie es mit der Wahrheit übereinkommet. Derhalben sage ich: Daß keine Finsterniß böses bedeute/ vielweniger würcke; sondern gleich wie dieselben von dem ordentlichem anerschaffenem Lauff der Sterne herrühren/ und man sie auf viel tausend Jahr vorher durch die Astronomische Rechnung gantz genaw erforschen kan: also gehören sie mit zum Zierath der Welt/ und müsten Himmel und Erden in Unordnung gerahten/ wenn keine Finsternissen wären. Werden doch die andern Planeten auch verfinstert/ und gehet ohne allen Schaden ab/ wir kehren uns kaum daran: warümb wollen wir denn Sonn und Mond zu Unholden und schädliche Sternen machen? als wären sie keine nützliche Creaturen Gottes/ sondern Höllische Furien/ welche/ so oft sie verfinstert werden/ Krieg/ Pest/ Theurung und lauter Unglück stifteten? Sagt nicht die Göttliche Majestät selber beym Propheten Jeremia am 10. Capittel: Ihr solt euch nicht fürchten für den Zeichen des Himmels/ wie die Heyden thun. Sol man sich nun dafür nicht fürchten/ so müssen sie ja nichts böses außrichten noch wircken; und wer sich für ihnen fürchtet/ der verachtet die Vermahnung Gottes/ achtet sich des Göttlichen Trostes selbst unwerth/ und thut wie die Heyden thun/ das ist/ er verleugnet seinen Christenthumb und wird zum Mammelucken. Weh aber denen/ welche anders lehren/ und die einfältigen Leute ärgern. Wäre es dem jenigen besser/ der nur ein Kind ärgert/ daß ihm ein Mühlstein an den Halß gehenckt und ersäuft würde im Meer/ da es am tieffsten ist: so müste man den Prognosticanten etliche Babylonische Thürme anhängen/ welche so viel tausend Menschen mit ihren ertichteten Prognosticis ärgern und verführen. Meine arme Seele behüte Gott für der Prognostikanten Himmel/ und laß mich ja nicht an den Ort kommen/ da sie sich versamlen! Allhier möchte aber jemand einwenden/ es sey dennoch kaum gläublich/ daß die hellen Lichter am Himmel ohne Ursache verfinstert werden/ ja die Erfahrung bezeuge es vielmehr/ daß auf grosse Finsternissen noch grössere Land=Plagen erfolget/ wie aus den Historien erweißlich. Nun wolan/ dieß ist die Braut darumb getantzet wird. Es sind nunmehro seid Erschaffung der Welt mehr als 22 tausend Finsternissen am Himmel geschehen/ derer sehr viel beym Ptolemaeo, Cedreno, Codomanno, Plinio, Plutarcho, Hipparcho, Solino, Ammiano, und andern verzeichnet verhanden: Wer mir aber aus so viel tausend nur eine vorbringen und beweisen kan/ daß dieselbe das geringste Böses gewircket/ den wil ich vor einen rechtschaffenen Kerl halten. Ich bin der gläubigen Zuversicht/ wenn der allweise Gott wüste/ daß ein Stern am Himmel wäre/ der Krieg/ Pest/ Theurung und dergleichen Unglück veruhrsachen könte/ Er hätte ihn längst nebst dem Lucifer herunter geworffen. Ich weiß wol/ geehrter Leser/ daß sich die bösen Leute und Prognostikanten mit etlichen Exempeln behelffen: gleich wie aber alle ihr Thun voller Betrug ist: also handeln sie ebenmäßig mit anführung solcher Exempel gantz bübisch/ wie ich ferner darthun wil. Im 3365. Jahr nach Erschaffung der Welt/ sprechen sie/ war eine grosse Sonnenfinsterniß/ wie beym Plinio lib. 2. c. 12. zu lesen; worauf es geschehen/ das Nebussaradan vom Könige Nebucadnezar mit einer grossen Kriegesmacht ins Jüdische Land geschickt ward/ welcher die Stadt Jerusalem erobert/ und viel Jüden nach Babylon gefangen bracht/ Jer. 52. Eben desselben Jahres kam auch Balator in der Stadt Tyrus zum Regiment/ und ward ein Tyrann; wie Josephus contra Appionem meldet. Also gedencket auch Cedrenus einer grossen Sonnenfinsterniß/ welche sich am 6. Augusti des 324. Jahres nach Christi Geburt begeben: worauf noch desselben Jahres das blutige Treffen zwischen Constantinum und Licinium vorgangen/ in welchem Licinius 100 tausend Mann eingebüsset; ohne das auch von einem grossen Erdbeben 13. Städte in Campania eingefallen. Mit solchen und dergleichen Exempeln wissen sie sich meisterlich zu behelffen und des gemeinen Mannes Sinne zu bezaubern/ welcher gerne Fabeln hören mag: Wennn man aber den Handel recht beym Lichte besiehet/ scheinet der Betrug stracks hervor. Denn es sey wahr/ daß im 3365. Jahr nach Erschaffung der Welt/ auf vorergangene Finsterniß/ der Tyrann Balator zu Tyrus aufkommen: so ist dagegen der Tyrann Periander zu Corinthus auch desselben Jahres ümbkommen; wie beym Diogene Laërtio zu befinden. Hat Nebussaradan das Jüdische Land bekrieget: so ist dagegen zwischen den Sabinern und Tarqvinium ein guter Friede getroffen; massen aus dem Dionysio lib. 3. bekandt. Wie wollen denn die armseligen Qvanten und Bachanten/ die Prognostikanten beweisen/ daß obberührte Finsterniß den Jüdischen Krieg und Balatoris Tyranney effectuiret/ und nicht vielmehr den Sabinischen Friede und Corintische Freyheit befodert? weil so wol dieses Gute/ als jenes Böse bald darauf erfolget. Belangend aber die andere Finsterniß am 6. Augusti des 324. Jahres nach Christi Geburt/ kan zwar nicht geleugnet werden/ was von der Schlacht Constantini und Licinii bey Chalcedone, wie auch von dem grossen Erdbeben in Campania aus dem Cedreno vorgebracht. Wer ist aber so unbelesen/ daß er nicht wisse/ was ebenfalß in der Stadt Nicaea/ ja in India inferiori gutes passiret? In dem noch desselben Jahres/ da sich gedachte Finsterniß begeben/ das herrliche Concilium Nicaenum, der gantzen Christenheit zu gute/ gehalten/ und gantz India inferior vom Frumentio zum Christlichen Glauben gebracht worden. Und könte ich dergleichen Exempel in grosser Menge anführen/ wenn es der Müh werth wäre. Ein Verständiger hat gnug hieran: Ein Narr wird doch nicht klüger/ wenn man ihn auch mit lauter Exempeln und Historien mästete. Man siehet ja wol/ wie fälschlich und leichtfertig mit den Historien verfahren wird. Aber es ist ein Meisterstück des Höllischen Tausendkünstlers/ welcher die Leute bey vorfallenden Landstraffen von der wahren Ursache verleitet/ daß sie das Himmlische unschuldige Gestirn des jenigen beschuldigen müssen/ welches sie doch mit ihren Sünden verdienet haben. Wären wir nur fromm/ es könte uns nicht schaden/ wenn gleich Sonn und Mond noch so oft verfinstert würden; fahren wir aber in Sünden fort/ wird es uns nicht helffen/ wenn gleich keine einige Finsterniß einfiele. Wobey nur dieser einiger Zweifel übrig ist: wenn gleich die Finsternissen nichts Böses mitbringen/ obs nicht besser sey/ daß man solche Klugheit vor sich selbst behalte/ und den gemeinen Mann bey seinen fünf Augen lasse; oder zum wenigsten den Predigern ihre Einfalt gönne/ daß sie die Leute mit den Finsternissen schrecken und sie dadurch zur Busse bewegen mögen? Einfalt hin/ Einfalt her: Lügen kan mit keiner Einfalt entschuldiget werden. Syrach saget recht: Man hat gnug am Worte Gottes/ daß man die Gebot halte/ und wer recht lehren wil/ darf keiner Lügen dazu. Und was ist das vor eine Thorheit/ daß man die Kirche Gottes mit Fabeln erbauen wil? wer Mosen und die Propheten nicht hören wil/ der wird ein gutes Jahr nach den Finsternissen fragen. Es kommet mir eben also für/ als wenn ein Bäbstler vorgeben wolte/ daß Fegfeur sey zwar in heil. Schrift ungegründet/ man könne aber den gemeinen Mann damit schrecken. Als wenn einer sich vorm Fegfeur fürchten werde/ der der Höllen selbst nicht achtet. Wiewol nun zur gnüge erwiesen/ daß kein Mensch Ursache habe/ sich der Finsternissen wegen des geringsten Böses zu besorgen/ und man darauß nicht wissen könne/ was künftig geschehen möchte: so darf man desfalß die Lehre von denselben nicht für unnötig und unnützlich halten; sintemahl dieselbe vortreflich viel gutes in der Geographia, Historia, und Chronologia, ja in den Schiffarten selbst stiften.“ (Christian Grüneberg: Schreib=Kalender für 1668, zweiter Teil, S. F3a–4a).
(3) „Dieses sind die vielfältige/ grobe/ kindische/ handgreifliche Fehler/ welche nebst vielen andern in M. Fuhrmans Kalendern zu finden. Weil ich denn besorge/ der geehrte Leser möchte sich nicht allerdinges in diese Streit=Schrift finden/ noch bey sich schlüßig werden können/ ob er mir oder Fuhrman beyfallen solle? Demnach habe ich folgendes untriegliches Mittel ersonnen/ die Warheit ans offentliche Licht zu befodern. Nemlich/ ich fodere hiemit M. Fuhrman vor aller Welt offentlich zu einer Persönlichen conferentz herauß. Er benenne mir eine Academie, so beyden gleiche nah belegen; doch wil ichs nicht achten/ wenn sie ihm gleich 5. biß 10. Meilen näher wäre alß mir: Er bestimme auch eine Zeit/ die ihm belieblich/ wogegen er sich persönlich auf selbige Academie stellen wolle. So gelobe ich hiemit an/ bey Verlust meiner Ehren/ daß ich/ nechst Göttlicher Verleihung/ ebenfalß Persönlich alda erscheinen/ und durch gnugsame offentliche Disputationes mit ihm die Sache erörtern/ alles der Censur und Erkäntniß der Philosophischen Facultät daselbst anheim stellen/ und nachmahls unter Hand und Siegel eines geschwornen Notarii nebst ihm in offentlichen Druck wolle befodern helffen/ wie ein jeder seine Meynung vertheidiget.
Weil ich auch verstanden/ daß es etlichen befrembdet/ daß ich in meinem vorigen Kalender selbst Prognostica gesetzet: so habe ich zwar Anno 1666. hierüber meine Erklärung in einem absonderlichen Tractätlein drucken lassen. Wenn aber solches vielen nicht möchte zu Händen gelanget seyn/ alß erinnere ich nochmals/ daß selbige in keinem Ernst gemeinet/ sondern nur per myctyrismum gesetzet gewesen. Welche Schreib=art den Gelahrten beydes gar bekant und gemein ist: Dannenhero sich solches niemand hoffentlich wird irren lassen.“ (Christian Grüneberg: Schreib=Kalender für 1668, zweiter Teil, S. G4b).
(4) „Anno 1666. ermahnten und baten mich unterschiedliche vornehme Leute und Gönner/ daß ich mir/ über den Pommerschen Horizont Calender zu ediren wolte belieben lassen: Wie vor diesem von D. Herlicio und D. Eichstadio geschehen. Weil ich mich den hiebey des Betrugs der heutigen Calenderschreiber erinnerte/ welche sich unterstehen/ solche künfftige Dinge zu prognosticiren, wodurch sie Gott seine Ehre stehlen und sich zu Götter machen; […] demnach dauchte mirs nicht allein unverantwortlich und eine Todt=Sünde zu seyn/ wenn ich bey vorhabender Kalender=Arbeit diese erwünschte Gelegenheit versäumte/ den Stadt= Land= und Welt=Betrug der Prognosticanten zu entdecken: [… Damit wolle er den] verständigen Menschen einen Gefallen tuen. Worin mich meine Meinung so gar nicht betrogen/ daß vielmehr ein gantzes Collegium vornehmer Professorum zu Leipzig mich durch N. N. versichern lassen/ daß sie solche meine Arbeit ihnen wol gefallen liessen. Herr N. N. zu Rostock/ per amicorum suorum nonneminem, sub dato den 12. Nov. Anno 1666. hat dergleichen getahn. Wie mir den ebenfals Herr N. N. aus Greiffswald/ sub dato den 30. Nov. Anno 1666. absonderlich deßfals gratuliret. Absonderlich hat der sehr berühmte vortreffliche Mathematicus zu N. mich erinnern und bitten lassen/ daß ich meine künfftige Calender auch nach dem neuen Stylo und auff den Preussischen Horizont elaboriren wolte/ mit Vergönstigung/ daß Ihrer Buchführer jemand N. N. selbige/ gegen gebührliche recognition meiner angewandten Müh/ in Teutscher und Polnischer Sprache verlegen möge: massen auch erfolget. Vieler andern vornehmen Schreiben aus Wittenberg/ Wißmar/ und andern Orten zugeschweigen/ darin unterschiedliche vornehme Gelahrte Leute ihr Wolgefallen contestiret: Welches nicht würde geschehen seyn/ im Fall meine Calender mit Lügen= Calumnien= Paßquillen und Ehrendiebischen Worten verunzieret wären/ alß der Diffamant Fuhrman unverschämter Weise vorgeben darff.“ (Copey der Antwort M. Christiani Grünebergs auff M. Steph. Fuhrmanns Klage. In: Acta Fuhrmann contra Grüneberg, 1670, S. A4a–B4b, Zitat S. A4a–b).

Erstellt: 02.03.2015

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