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Concius, Andreas

Andreas Concius

„M. Andreas Concius Soldavia Prussus Mathem. P. P.“ (Selbstbezeichnung auf dem Titelblatt, zit. 1657)
* 25.11.1628 Soldau/Ermland, † 16.5.1682 Königsberg/Preußen
Kalender seit 1656, verfaßt bis 1683
Übernommene Reihe: → Lin[n]emann, Albert

Andreas Concius (oder Cuncius) wurde am 25. November 1628 in Soldau (poln. Działdowo), einer Stadt im südlichen Ermland, geboren. (In der lexikalischen Literatur hält sich seit 1750 (Jöcher, 1750, Bd. 1, Sp. 2044) beharrlich der Irrtum, daß Narzym der Geburtsort sei. Jöcher übernahm diese Information aus Arnoldt, 1746, Teil 2, S. 377.) Der Vater Jacob Cuncius [sic] war dort Rektor der Schule und wurde später Prediger in Narzym, ca. 10 km südlich von Soldau. Die Mutter Elisabeth Kirstan war die Tochter des Hospital-Vorstehers in Soldau. Zunächst besuchte Concius die Stadtschule in Soldau, ging aber 1641 nach Königsberg in die Altstädtische Schule und wurde Famulus im Haus des Prorektors Johann Baptista Faber (Buck, 1764, S. 85). Am 1. Juni 1646 schrieb er sich in die Matrikel der Universität Königsberg ein (Erler, 1910, Bd. 1, S. 476 „Andreas Concius, Soldavia-Borussus 2 mk. 5 gr.“) und hörte die Mathematikvorlesungen bei Magister Huldreich Schönberger und Professor Albert Linemann. Linemann war auch Praeses bei Concius’ Disputation am 22. Januar 1649 (anderer Druck, Titel 1). Königsberg verließ er am 1. Mai 1649 und zog nach Wittenberg, wo er am 22. April 1650 Magister der Philosophie wurde (Weissenborn, 1934, S. 472 „Andreas Concius Soldavia Prussus Mag. phil. 22.4.1650“). An der Universität in Wittenberg las Concius „unterschiedene philosophische und mathematische Collegia“ (Buck, 1764, S. 86). Von 1650 bis 1652 besuchte er die Universität Helmstedt (Hillebrand, 1981, S. 74 „134 Concius, M(agister) Andreas; Soldavia Prussus Jul. 10 [1650]“), las dort als Magister verschiedene Collegia und stand „als Präses im Jahr 1652. eine[r] Disputation de principiis matheseos“ vor (Buck, 1764, S. 86). Von Helmstedt ausgehend bereiste er verschiedene Städte in Deutschland und Holland und sah sich die Universitäten und Festungen an. Friedrich Wilhelm, Kurfürst von Brandenburg, behielt Concius einige Monate am Hofe in Berlin als Lehrer der Prinzen (Buck, 1764, S. 87). Nachdem ihm aber am 19. Dezember 1652 von Professor Stephan Gorlovius eine Anstellung in der philosophischen Fakultät der Universität Königsberg verschafft worden war, ging er dauerhaft nach Königsberg. Dort erhielt er „im Jahr 1654. die Profeßionem Matheseos ordinariam, im Jahr 1658. die Ober=Inspection über das Collegium und Commune Convictorium, und im Jahr 1661. die Aufsicht über die churfürstliche Bibliotheck“ (Buck, 1764, S. 87). Von seinen Vorlesungen hatte sich ein Manuskript in der Stadtbiliothek Königsberg überliefert (Titel: „M. Concii Introductio ad Mathemata universa & quidem 1. Arithmetria, 2. Geometria, 3. Musica, 4. Optica, 5. Astronomia, 6. Geographia, 7. Chronologia, 8. Statica und 9. Fortificatoria“; nach Buck, 1764, S. 87f.). Die Handschrift “Kurze Anweisung der Festungsbau-Bau-Kunst” befindet sich heute in der Russischen Staatsbibliothek Moskau (Fonds 943, Nr. 33 (olim StB Königsberg, S 88.2°), siehe Barow-V., 2016, S. 70).
1664 übernahm Concius das erste Rektorat der Universität, wechselte aber noch im gleichen Jahr (am 30. September) als Nachfolger des verstorbenen Stephan Müller in das Rektorat der Altstädtischen Schule, nachdem er vom Königsberger Magistrat am 7. Mai 1664 einen entsprechenden Ruf erhalten hatte (Buck, 1764, S. 89). Der Hintergrund für diesen Schritt war, daß die Gehälter der Universitätsprofessoren nur sporadisch ausgezahlt wurden, weil aus dem Amt Fischhausen, das für die Finanzierung der Universität zuständig war, nicht genügend Geld einkam (Möller, 1849, S. 7). An der Altstädtischen Pfarrschule war die finanzielle Absicherung besser. Unter dem Rektorat von Concius hatte die Schule großen Zulauf und es befanden sich „beständig gegen 500 Schüler“ darin (Buck, 1764, S. 90). Nach über 17 Jahren als Rektor starb Concius am 16. Mai 1682 „an einem Fieber, welches er durch verschiedene mit einigen unbändigen Schülern gehabte Verdrüßlichkeiten sich zugezogen“ (Buck, 1764, S. 90; Buck verwendete als Quellen „Act. schol. nov. Tom. II. p. 364. wo sein Leben umständlicher beschrieben, und Kongehls Cypressen=Hayn S. 96. 97. […] Leben und Schrifften Andreae Concii, eines berühmten Preußischen Mathematici und Schul=Lehrers. Leipzig 1750“).
Andreas Concius war seit dem 2. September 1658 mit Katharina Meyenreß verheiratet (Dach, 1658) und hatte mit ihr 15 Kinder. Eine Tochter heiratete Georg Andreas Helwing, der später Propst in Angerburg (poln. Węgorzewo) wurde (Altpreußische Biographie, 1941, Bd. 1, S. 110). Aus wissenschaftshistorischer Sicht wurde Concius vor allem wegen der 1656 herausgegebenen „Mathematico-historica Geographia“ gewürdigt, denn hier war er „der erste in Preussen“, der so ein Werk verfaßte (Pisanski, 1853, S. 291). Concius war für zahlreiche akademische Schriften verantwortlich, neben den unten aufgeührten auch „andere Dispüten de ventorum natura, vanitate ex astris de rebus arbitrariis & fortuitis divinandi, auch einige philosophische und historische Disputationen“ (Buck, 1764, S. 88). Auch sein Bemühen, den im 17. Jahrhundert „noch bei vielen herrschenden Wahn von den astrologischen Vorherverkündigungen zu bekämpfen“, fand bereits Erwähnung in der Literatur (Pisanski, 1853, S. 290). „Zur Veröffentlichung seiner Ansichten benutzte er namentlich die preussischen Calender, deren Anfertigung ihm schon 1656 übertragen wurde und welche er auch später als Rector der Altstadt [sic] herauszugeben fortfuhr. Jeder Jahrgang dieser Calender enthielt am Anfange eine gelehrte Abhandlung über irgend einen Gegenstand aus der Mathematik und Physik“ (Möller, 1849, S. 7).
Nachdem Albert Linemann gestorben war, wurde Concius nicht nur dessen Nachfolger auf dem Mathematiklehrstuhl, sondern er übernahm auch dessen Kalenderreihe und verfaßte „alle preußische[n] Calender von 1656. bis 1683.“ (Buck, 1764, S. 88). Den für 1657 überlieferten Kalender richtete er auf Königsberg „und umbligender Oerter Horizont/ nach Ordnung Sel. Hrn. M. Alberti Linemanni“ (Kalender für 1657, Titelblatt, überliefert in BPAN Gdańsk, Ta 6927.8°). Er widmete den Kalender den Bürgermeistern von Soldau, seiner Geburtsstadt. Im Widmungsschreiben erwähnte er seinen vor 28 Jahren verstorbenen „Vater Jacobus Cuncius (Schultheiß)“, von dessen Schreibweise des Namens er bewußt abwich (Kalender für 1657, zweiter Teil, S. E2b).
Bereits in diesem Jahrgang 1657 legte Concius seine Meinung über die von den meisten Kalendermachern praktizierte astrologische Prognostik dar (vgl. Quellenzitat). Ähnlich wie → Christian Grüneberg in Frankfurt an der Oder, → Johann Christoph Sturm in Altdorf, → Christoph Richter in Gnandstein und → Gottfried Kirch in Lobenstein übte Concius Kritik an denjenigen Kalenderschreibern, die die astrologische Prognostik zu sehr ausdehnten, weswegen er mit → Stephan Fuhrmann in einen Streit geriet, der in den Schreibkalendern öffentlich ausgetragen wurde (in Concius’ Kalendern für 1659, 1663 und 1683, die nicht überliefert sind, vgl. aber Pisanski, 1853, S. 291). Darüber hinaus lehnte Concius ebenso wie Grüneberg und Sturm die astrologischen Mutmaßungen grundsätzlich ab (Richter und Kirch waren darin nicht völlig konsequent). Er gehörte damit zu den ersten Kalendermachern, die in den 1660er Jahren frühe aufklärerische Gedanken nicht nur äußerten, sondern mit der inhaltlich neuen Ausrichtung ihrer Schreibkalender auch in die Tat umsetzten (vgl. Herbst, 2010a, zu Concius bes. S. 191–195).
Nach dem Tod von Concius konnte Gottfried Kirch für einige Jahre einen Schreibkalender für Königsberg herausbringen, bis mit → David Blaesing 1692 wieder ein Professor für Mathematik der Universität den Kalender für Königsberg verfaßte (Herbst, 2004a, S. 142).

Titel:
1656–1683: Schreib=Calender [in Nachfolge von Albert Linemann].
Druck und Verlag:
1656–1676: Druck Pascha Mense (teilweise mit dem Schwiegersohn Josua Segebade), Königsberg, Verlag Heinrich Lange, Königsberg, 1677: ?, 1678[?]–[?]: Druck und Verlag Christoph Runge, Berlin, [?]–1683: ?, Königsberg.
Nachweis:
Herbst, 2008a, S. 76. VD17. CERL.
Online:
1678 [04.05.2018].
Andere Drucke (Auswahl):
(1) Exercitatio Physico-Optica De Iride, Quam Adsistente Dei Opt: Max: gratia. Consensu Amplissimae Facultatis Philosophicae In Inclyta Borvssorum Academia Regiomontana Svb Praesidio Dn. M. Alberti Linemanni, Mathem. Prof. Publ. Fautoris & Praeceptoris sui aeternum devenerandi. Exercitii Gratia Publice ventilandam proponit Andreas Concius Soldavia Prvssvs Aut: & Resp: In Auditorio majori ad diem 22. Ianuarij. Königsberg 1649. SLUB Dresden, Meteor. 399,5. Online [04.03.2015].
(2) D. O. M. A. Peregrinationem, Sub Praesidio Viri admodum Reverendi, Excellentissimi atque Clarissimi, Dn. Michaelis Wendeleri, SS. Theol. Lic. Practicae Philosophiae PP. celeberrimi, Patroni, Praeceptoris ac Promotoris sui perpetuum colendi, Publico examini subjicit Andreas Concius, Soldavia Prussus, ad d. Martij h l q c. Wittenberg 1650. SLUB Dresden, Coll. diss. A 131,43. Online [04.03.2015].
(3) Dispvtatio Mathematica De Principiis Mathematicis, Qvam Divina Annvente Gratia Et Inclytae Facvltatis Philosophicae Concessv Praeside Dn. M. Andrea Concio Favtore Et Amico Svo Aetatem Colendo In Novi Ivlei Avditorio Maiori publico placidoque Eruditorum examini submittit Ad. D. XX Ianvarii Iohannes Martinvs Bvssenivs Altenhusio-Magdeburg. Helmstedt 1652. HAB Wolfenbüttel, H: 735 Helmst. Dr. (3). Online [04.03.2015].
(4) „Inaugural=Dissertation: de modo demonstrandi ac docendi conclusiones astronomicas, deque nonnullis hujus doctrinae primordiis im Jahr 1654. den 24. Octob.“. Zitiert nach Buck, 1764, S. 88.
(5) Quatuor circumstantiarum circa Passionem Domini occurrentium, Scil: 1. De annis inter Baptismum & Passionem interceptis. 2. De Pontifice anni illius. 3. De die mactati & manducati agni. 4. De hora crucifixionis. Ex Historicis, Chronologis & Philologis Nodus, conatibus M. Andreae Concii, Math: P. P. Explicatus. Königsberg 1655. SBPK Berlin, Bs 2200.
(6) Wolerwogener Ausschlag über den Unterscheid des Alt- und Newen Calenders wie auch über den Vorzug deroselben an den Wol Ehrenvesten Vorachtbahren Herrn Georg Wessel […]. Königsberg 1655. GWLB Hannover, F-A 33.
(7) Mathematico-Historica Geographia seu Totius Orbis Habitabilis Descriptio In Usum Studiosae Juventutis In Prussia Literaturae Operam Navantis. Königsberg 1656. ThULB Jena, 4 Geogr. I, 23 (4).
(8) Physischer Dißcurs vom Stein der Weisen Der sonsten Lapis Philosophorum genennet wird/ Nebst andern hieraus entspringenden Materien […]. Königsberg 1656. SLUB Dresden, Chem. 330. Online [04.03.2015].
(9) Dissertatio Politica De Ratione Status Quam D. O. M. A. Indultu Amplissimae Facultatis Phil: Sub Praesidio Viri Clarissimi Dn. M. Andreae Concii Mathem. P. P. celeberrimi Praeceptoris & Fautoris sui plurimum venerandi Publicè ventilandam proponit ad d. Maji. Achatius Von Dam/ Brunsvic. Autor & Respondens. Königsberg 1656. BSB München, 4 Diss. 508#Beibd. 11. Online [04.03.2015].
(10) [Disputatio] „theses quinquaginta res mathematicas concernentes 1656. den 15. März“. Zitiert nach Buck, 1764, S. 88.
(11) Supremi Numinis Auspicio, exercitationem physicam de succino [Praeses Andreas Concius, Respondent Friedrich Grünenberg, 3. Juli 1660]. BN Warszawa, Mikrofilm in BSB München, BN.XVII.3.18470.
(12) Eylfertiges Bedencken über den neulich ausserhalb der gewöhnlichen Naturs=Zeit geschehenen Blitz und Donnerknal/ dem WolEdlen/ Vesten und Hochbenambten Hr. Johann Schimmelpfennig/ Pfands=Innhabern der Churfl. Aempter Georgenburg und Salaw. Rathsverwandten der löblichen Stadt Kneipffhoff/ Königsbergk/ Erbsassen auff Selnickien/ Wieckbold etc. zugeschrieben von M. Andrea Concio Sold. Prusso Matth. PP. [Königsberg] 1662. UB Erfurt, LA 4° 297 (7). Überliefert als Anhang einer Schrift von „C. B. L. M. V. R. A.“ von 1665.
(13) De Palaestina. Theses disputabiles depromptae ex dissertatione prima quae est de limitibus et nominibus Palaestinae sub Praeside M. Andreae Conciii. Disquisitioni sistit Mauritius Ernestis Rappe [den 23. März 1662]. Zitiert nach KVK (Ex. Russische Staatsbibliothek Moskau, MK, IV-lat. 4°), vgl. Buck, 1764, S. 88.
(14) Dissertatio selenographica quantum fieri potuit ad mentem Keppleri, Galilaei & Hevelii mathematicorum nostro tempore celeberrimorum exercitii gratia contextam [Praeses Andreas Concius, Respondent Joachim Goldbach, 18. August 1662]. Königsberg 1662. UB Greifswald, 536/Disp. phil. 114,22.
(15) [Disputatio] Theses CXX. inter philosophos controversae [Praeses Andreas Concius, Respondent Jacob Beilfuß, 13. September 1662]. UB Greifswald, 536/Disp. phil. 114,23.
Literatur (Auswahl):
[N. N. ?]: Leben und Schrifften Andreae Concii, eines berühmten Preußischen Mathematici und Schul=Lehrers. Leipzig 1750. Zitiert nach Buck, 1764, S. 91 (von dieser Schrift konnte kein Exemplar ermittelt werden).
Friedrich Johann Buck: Lebens=Beschreibungen derer verstorbenen Preußischen Mathematiker überhaupt und des vor mehr denn hundert Jahren verstorbenen großen Preußischen Mathematikers P. Christian Otters insbesondere in zwey Abtheilungen glaubwürdig zum Druck befördert. Königsberg, Leipzig 1764, S. 85–91.
Quellenzitat:
„Was nun die Bedeutung (oder die Wirckung) solcher Mondfinsternißen anlangt/ so sind ihrer viel die da vermeinen/ die Mondfinsternissen haben keine/ oder doch nur eine wenige Wirckung; und daß darumb/ weil der Mond alzuschnell in seinem Lauff ist. Ich bekenne es auch mit/ so fern es unsern Freyen Willen und dieselbe Begebenheiten betrifft/ die uns ohngefehr widerfahren. Aber solches hat er auch mit den Sonnenfinsternissen gemein/ ja mit allen Himmels Wirckungen/ als von welchen ich mir nimmer einbilden kan/ daß sie hierin einige Krafft haben. Daß ich aber in meinen Arabischen prognosticationen dennoch viel schreibe/ thu ich solches meistentheils zu dem Ende/ daß ich beweisen wolle/ daß/ wo ich entweder mündlich oder Schrifftlich solchen Vorwitz tadele/ man spüren könne/ daß ich nicht also davon vrtheile/ als ein blinder von der Farb:/ auch damit man mir nicht möge vorwerffen: Ars non habet osorem nec rosorem, nisi ignoranrem. Denn das bekenne ich frey/ daß ich wenig demselben gläube/ der eine Kunst tadelt/ die er wenig verstehet; Im Gegentheil pfleget gemeiniglich etwas wahr dran zu seyn/ was ein Wissender davon sagt/ laut jenem: Artifici in sua arte credendum est.“ (Andreas Concius: Schreib=Calender für 1657, zweiter Teil, S. H1b–2a).

Erstellt: 10.03.2015
Letzte Aktualisierung: 04.05.2018

concius_andreas.txt · Zuletzt geändert: 2018/05/04 16:01 von klaus-dieter herbst