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hancke_d._j._valentin

Hancke d. J., Valentin

„Valentinus Hanncke der Jüngere/ von Seyferßdorff/ im Fürstenthumb Jägerndorf gelegen/ Ludimoderator zur Zeit zu Frewdenthal“; „Pfarherr zu Engelßberg“; „zu Rockau im Zips“; „von Seyferßdorff/ Pfarrherr in der freyen Bergstadt Lybethen“ (Selbstbezeichnungen auf den Titelblättern, zit. 1616 von Reihe 1, 1619, 1626 und 1627 von Reihe 2)
* ca. 1594 Seifersdorf bei Jägerndorf, † 10.1.1627 Libethen
Kalender seit 1615, erschienen bis 1629
Übernommene Reihe: → Hancke d. Ä., Valentin; → Helwig, Martin

Valentin Hancke d. J. war ein Sohn des gleichnamigen Pfarrers Valentin Hancke d. Ä. in Seifersdorf bei Jägerndorf unweit von Ostrava. Er wurde ungefähr 1594 geboren, denn 1612 (also 18 Jahre später) wurde er an der Universität Wittenberg immatrikuliert (Weissenborn, 1934, S. 128 „1612 Mense Maio […] Valentinus Hancke Iegersdorffensis Silesius“). Dort wird er Johannes Hancke d. J. aus Leobschütz begegnet sein, der von 1615 bis 1618 ebenfalls in Wittenberg studierte (siehe bei Valentin Hancke d. Ä.). Über die weiteren Stationen in Hanckes Leben geben nur die Titelblätter seiner Kalender Auskunft. So wurde er nach dem Studium zunächst Schulmeister („Ludimoderator“) in Freudenthal (tschech. Bruntál). Danach übernahm er ab ca. 1618 das Pfarramt in Engelsberg (tschech. Andělská Hora) (vgl. Pfarrerbuch Schlesien, Bd. 5, S. 498), spätestens 1625 das „zu Rockau im Zips“, also im damals ungarischen Dorf Ròkus (heute Rakúsy) in der Nähe von Käsmark (slowak. Kežmarok, ungar. Késmárk). Vermutlich flüchtete er Ende 1622 aufgrund der Wirren des Dreißigjährigen Krieges (Pavercsik, 2018, S. 323) und wegen der Rekatholisierung der Herrschaft Freudenthal durch Erzherzog Karl (Irgang, 1971, S. 42) aus Schlesien nach Ungarn. „Nach einer Nachricht aus Breslau vom 8. XII. 1622 war zu diesem Termin in Freudenthal der Prädikant [Hancke] bereits ,ußgeschafftʻ und ein katholischer Geistlicher eingesetzt“ (ebd., S. 42, Anm. 41). In Ròkus bekam er im Frühjahr 1625 Schwierigkeiten mit den evangelischen Geistlichen. Vielleicht waren diese die Ursache, daß Hancke noch einmal den Wohnort wechselte und in die niederungarische Stadt Libethen (slowak. Ľubietová, ungar. Libétbánya) umzog (Pavercsik, 2018, S. 324). Dieser Ort liegt in der Nähe von Banská Bystrica und war eine der sieben königlich-ungarischen Bergstädte.
Im großen Schreibkalender für 1622 gedachte Valentin Hancke seinem verstorbenen Vater. In dem am 1. Januar 1621 in Engelsberg verfaßten Widmungsbrief an Georg Prunner, Fürstlich-Brandenburgischer Münzmeister zu Jägerndorf, dem er „[d]iesen seinen achten grossen Calender vnd Practicken“ widmete: „Wenn ich zu gemütte führe den geneigten Willen/ Freundschafft vnd Beförderung/ so EE. gegen meinem lieben Vater Seligen getragen/ auch gegen mir vielfaltig erzeiget/ Befinde ich mich schuldig/ EE. so viel immer möglich danckbar zu sein“ (Kalender für 1622, zweiter Teil, S. A1b).
Hancke starb am 10. Januar 1627 (Pavercsik, 2018, S. 324). Bereits 1626 wird er nicht in der Lage gewesen sein, die Kalenderarbeit zu verrichten, denn dessen Kalenderreihe des großen Schreibkalenders (4°) wurde ab dem Kalender für 1627 (der 1626 verfaßt worden war) von → David Frölich (→ D. F. C.) übernommen („Durch Valentini Hannckens/ Weyland Pfarrherrns zu Lybethen/ trewen Aemulum […] D. F. C.“, Kalender für 1632, Titelblatt), wobei anfangs (bis 1629) auf den Titelblättern der Kalender nur der Name von Hancke erschien. Diese Reihe des großen (4°) und die des kleinen (8°) Schreibkalenders wurden ab 1644 von → Christoph Neubarth übernommen (überliefert ist ein Exemplar für 1672 in der HAB Wolfenbüttel) und nach dessen Tod ab 1683 von dessen Sohn → Johann Neubarth (überliefert ist ein Exemplar für 1686 in der HAB Wolfenbüttel). Über diese Reihen hinaus listete Friedrich Teutsch unter den deutschen Kalendern Siebenbürgens auch einen „Almanach auff das Jahr […] MDCXIX“ auf, der durch „Valentinum Hamken [sic], Pfarrher zu Seyfersdorf in der Schlesie“ verfaßt und in Hermannstadt (rumän. Sibiu) gedruckt worden war (Teutsch, 1892, S. 177, vgl. Avram, 1979, S. 21). Auch diese Reihe wurde von Frölich weitergeführt. Auf dem Titelblatt eines ungarischen Kalenders für 1629 wird → David Herlicius als Nachfolger Hanckes genannt (RMNy, 1983, S. 448f.), sodaß Hancke auch diese in Leutschau gedruckte Reihe (hier Titel 6) verfaßt haben muß.
Auf den Zusammenhang zwischen den Kalendermachern Valentin Hancke und Christoph Neubarth vierwies auch der Breslauer Arzt und Astronom Gottfried Schultz. In einem Brief an → Gottfried Kirch schrieb Schultz 1681: „Von Calendern wird hir ausser h[errn] Neubarths keiner gedruckt, und sonst wenig verbraucht, weil diese einzig in so grossem credit sind, als kein Evangelien buch, […]. Sonst ist auch kein alter Autor, ausser Valentin Hancke, den Neubarth nun viel jahre continuiret hat“ (Herbst, 2006, Bd. 1, S. 84f.). Gemeint ist der „Haus= Wirthschafts= und Schreib=Calender“ in Quart von Christoph Neubarth, den erst dessen Sohn Johann Neubarth und dann Gottfried Kirch bzw. nach 1710 dessen Frau Maria Margaretha, die „Kirchin“, und Sohn → Christfried Kirch fortgeführt haben. Daß die Kirchs auch diese Kalenderreihe übernommen hatten, wurde mir erst im November 2015 klar, als ich in der UB Breslau die Exemplare für 1692, 1693, 1714 und 1717 einsehen konnte. Im Kalender für 1692 ging der „Continuator“ auf eine Uneinigkeit unter den Kalendermachern über die Anzahl der Finsternisse im Jahre 1691 ein. → Gottfried Hoffmann hatte in seinem „Briegischen Calender“ die von Kirch in einem seiner Kalender angegebene Zahl von vier Finsternissen als „unrichtig außgeschriehen“, denn es wären – nach Hoffmann – fünf. „Der ietzige Continuator Des Neubarthischen und Hanckischen Kalenders“ (gemeint sind tatsächlich zwei verschiedene Reihen) entgegnete dem: „So wil ich nun die Untersuchung nach dem zwölfften Jahre meiner Ephemeridum anstellen/ folgender massen:“ (es folgt die ausführliche astronomische Finsternisrechnung; Kalender für 1692, Kalendarium, S. A2a–b). Zwölfjährige Ephemeriden hatte damals nur Gottfried Kirch verfaßt (vgl. Kirch, 1681–1692), sodaß aus dieser Angabe der Verfasser des „Hanckischen Kalenders“ zweifelsfrei hervorgeht.
Für die Jahre 1603 bis 1629 ist ein Valentin Hancke als Verfasser von Kalendern nachgewiesen (RMNy, 1983, S. 292). In allen bisher erschienenen Bibliographien und online geführten Bibliotheksverzeichnissen wird nicht zwischen Valentin Hancke dem Älteren und Valentin Hancke dem Jüngeren unterschieden. Diese Unterscheidung wurde auch mir erst augenfällig, als ich Ende November 2015 die in der Handschriftenabteilung der Universitätsbibliothek Breslau überlieferten Schreibkalender der beiden Hanckes einsah (diese sind noch nicht verzeichnet in Herbst, 2008a, S. 102).
Kalender mit dem Namen „Valentin Hancke“ als Werbeträger erschienen bis mindestens für 1754. Überliefert sind die in Breslau in der Baumannschen Druckerei gedruckten „Hauß=Wirthschaffts= und Schreib=Calender“ von „Valentini Hanckens Continuatorem“ für 1692, 1693, 1714, 1717 (UB Breslau, 542597/IV–VII, gesehen am 22.11.2015) und 1697 (NB Prag, 55 G 67/1697, gesehen am 9.8.2016) sowie aus derselben Reihe ein in Berlin bei Christian Siegismund Bergmann gedrucktes Exemplar für 1754 von „Valentini Hanckens Continuatore“ (UB Warschau, Obce-XVIII-4°-215, gesehen am 15.12.2015). Ferner ist ein Oktav-Kalender für 1721 überliefert, der durch „Valentini Hankens Continuatorem“ eingerichtet und in der Baumannisch-Erben Druckerei in Breslau durch den Faktor Johann Theophil Straubel gedruckt wurde (ThStA Greiz, Hausarchive Ober- und Untergreiz, Nr. 1229). Dieser „SchreibKalender“ bietet für jeden Tag eine Seite Raum zum Einschreiben. Den überlieferten Kalender für 1721 nutzte Graf Heinrich XIII. Reuß Ältere Linie, Untergreiz (1672–1733), für seine Notizen.

Titel:
Deutsche Kalender:
(1) 1615–1618: Almanach vnd Schreib Kalender, Format 4°.
(2) 1619–1629: SchreibKalender/ […] Auff Ober vnd NiderSchlesien/ zum teil auch auffs Mährland/ Österreich/ vnd vmbliegende Länder gestellet, Format 4° [in Nachfolge von Valentin Hancke d. Ä.].
(3) [1625?]–1626: Schreibkalender, Format 8° [in Nachfolge von Martin Helwig].
(4) 1619–1629: Kalender, Format 12° [in Nachfolge von Valentin Hancke d. Ä.].
Ungarische Kalender:
(5) 1621[?]–1629: Kalendarium, Format 8°.
(6) [?]–1628: Kalendarivm, Format 8°.
Druck und Verlag:
(1)–(4) Georg Baumann, Breslau.
(5) Peter Rheda, Debrecen.
(6) Lorenz Brewer, Leutschau.
Nachweis:
Herbst, 2008a, S. 102. RMNy, 1983, S. 291, 442, 448f. VD17. CERL. Wendt, 1903, S. 387f.
Online:
(2) 1627 Kalendarium und zweiter Teil [03.12.2015].
Anderer Druck:
Kurtze vnd einfeltige Erinnerung/ von dem Erschrecklichen Cometen vnd Straußsterne/ der sich vorschienes 1618 Jahr/ vom 29. Novembris biß zum Ende Decembris hat sehen lassen. Gestellet Durch Valentinum Hanncken von Seyferßdorff/ Pfarrherrn in der Freyen Bergstadt Engelßbergk/ Frewdenthaler Herrschafft. Breslau 1619. OLBW Görlitz, B II 4° 27b,7.

Erstellt: 03.12.2015
Letzte Aktualisierung: 20.08.2019

hancke_d._j._valentin.txt · Zuletzt geändert: 2019/08/20 11:11 von klaus-dieter herbst