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Dauthendey, Caspar

„Casparus Dauthendey/ Med. & Mathema. Studiosus“; „Fürstl. Braunschw. bestalter Geometra, vnd anderer Mathematischen Künsten Cultor“ (Selbstbezeichnungen auf den Titelblättern, zit. 1620, 1622)
* ca. 1588 Friedrichroda/Thür., † 1640 Braunschweig [?]
Porträt
Kalender seit mindestens 1619, verfaßt bis 1625

Caspar Dauthendey wurde ca. 1588 im thüringischen Friedrichroda geboren. Über die Eltern und Kindheit konnten keine Einzelheiten ermittelt werden. Zwischen Michaelis 1606 und Michaelis 1607 schrieb er sich in die Matrikel der Universität Erfurt ein (Weissenborn, 1884, S. 504 »Casparus Dudendty [sic] iuravit«). Aus dieser Zeitangabe wurde auf das ungefähre Geburtsjahr geschlossen. Ein Nachweis im Taufregister der Friedrichrodaer Kirche war nicht möglich, weil das Kirchenbuch erst ab 1602 kontinuierlich geführt wurde; davor enthält es nur eine Eintragung aus dem Jahr 1592 und einige wenige aus dem Jahr 1600. Der Familienname Dauthendey taucht im Kirchenbuch auch ab 1602 nicht auf. Offenbar gab es diese Familie anfang des 17. Jahrhunderts nicht mehr in Friedrichroda, denn in dem am 1. Juli 1632 aufgestellten „Seelen-Register aller Pfarrkinder zu Fridrichroda“ (Ev.-Luth. Kirchgemeinde Friedrichroda, Kirchenbuch 1592–1760, Bl. 51v) kennt diesen Namen nicht. (Bei dieser Inspektion wurde festgestellt, daß von den 1142 aufgelisteten Personen „423. [waren] So da lesen können“ (ebd., Bl. 54v). In welcher familiären Beziehung Caspar Dauthendey mit dem ebenfalls in Friedrichroda geborenen, aber seit 1593 in Jena studierenden David Dauthendey stand, konnte nicht ermittelt werden (vgl. Mentz/Jauernig, 1944, S. 83 „Dudendey [sic], Dav., Friderichroden., gr. 1593a, 156“).
Den Angaben auf den Titelblättern zufolge studierte er Medizin und Mathematik. Da er sich auf dem Titelblatt des Kalenders für 1620 noch als Student der genannten Fächer bezeichnete und auf dem nächsten überlieferten Kalender für 1622 bereits als Fürstlich-Braunschweigischer Geometer, muß er in diese Stellung Anfang der 1620er Jahre gelangt sein. Später wurde er Braunschweigisch-Wolfenbüttelischer Bauverwalter und verfaßte das Buch „Fundamentum geographicum“ und entwarf eine „Karte von dem Herzogthum Braunschweig-Lüneburg, in Blaus Atlas“ (Jöcher/Adelung, 1784, Bd. 2, Sp. 634; vgl. Hellwig, 1987).
Am 3. Februar 1624 heiratete Dauthendey auf der Festung Wolfenbüttel Hedwig Laue, hinterlassene Tochter des fürstlichen Mundkochs Clauß Laue (Pöpping, 1624). Ob aus dieser Ehe Kinder hervorgingen, konnte nicht ermittelt werden. Dauthendey starb 1640 (CERL), vermutlich in Braunschweig.
Vermutlich hatte Dauthendey bereits vor 1619 mit dem Kalenderschreiben begonnen, denn in seiner Kometenschrift von 1619 verwies er an mehreren Stellen auf sein Prognostikum, d. h. auf den zweiten Teil des Kalenders für 1619, was in der Regel im Jahr davor verfaßt wurde, also 1618 (z. B. Dautendey, 1619 (anderer Druck, Titel 2), S. B3b „wie in meinem grossen Prognostico dieses 1619. Jahres bey den Finsternissen klärlich erwiesen worden“). In dieser Schrift vertrat er über die Kometen die moderne Ansicht, daß die „gewisseste vnd gründlichste“ Meinung zu sein scheint, „daß die Cometen in dem Himmel selbsten entstehen/ vnd gesehen/ auch auß Himlischer Matery generiret werden“ (Dautendey, 1619 (anderer Druck, Titel 2), S. B1b), womit er sich zweifelsfrei gegen die Aristotelische Kometentheorie stellte.
In den Jahren um 1620 erschienen in Erfurter Druckereien auch die Kalender von → Johannes Reinstein (seit 1573), → Johannes Krabbe (1591), → Berner Hartman (1594), → Martin Klug (1601), → Albrecht Moller (1613), → Wolfgang Hildebrand (1618), → Heinrich Widdingen (1619), → Eusebius Dorneck (1620), → Johannes Thurnman (1621), → Matthaeus Graman (1621), → Augustin Rademan (1623), → Simeon Partlicius (1623).

Titel:
(1) [1619?]–1625: SchreibCalender.
Druck und Verlag:
Martin Spangenberg, Erfurt.
Nachweis:
Herbst, 2008a, S. 78. VD17. CERL.
Online:
(1) [04.09.2017].
Andere Drucke:
(1) Consignatio Vieler mercklichen vnd gedenckwürdigen Historien. Welche je vn[d] je auff die Parelia Oder NebenSonnen/ derer fünff den 23. Martij dieses 1618. Jahres mit mancherley Zirckeln neben schrecklichen Fewrzeichen/ Halonibus Solaribus & Lunaribus vnd andern Meteoris mehr im Land zu Braunschweig gesehen worden/ erfolget. […] Durch Casparum Dauthendey von Friedrichroda in Thüringen/ M. &. M. S. Erfurt 1618. HAB Wolfenbüttel, 231 Hist. (27). Online [27.11.2014].
(2) Idea Cometarum Nova, Vnd Gründliche Beschreibung deß newerschienenen Cometens/ Im Jahr Christi 1618. Darinnen sein gantzer Lauff/ Bewegung/ Vrsac h vnd Bedeutung auß den newen principiis deduciret, Auch etwas von dem Fewr/ welches an vielen Orten die Leute sehen den 11. Januarij 1619. zu Nacht vom Himmel gefallen/ gemeldet wird. Durch Casparum Dauthendey Med. & Mathem. Stud. Erfurt 1619. ThULB Jena, 4 Hist. un. VIII, 13 (12).
(3) Fundamentum Geographicum, Wie nemlich die Erdkugel an ihr selbsten einzutheilen/ In unterschiedene flache Figuren zu verändern/ vnd selbige zu Behueff derer heutigen Tages sehr gebräuchlichen General= vnd SpecialLandCharten nach einer jeglichen gebührlichen Manier auff Zureisen/ vnd die begehrte Länder/ Insulen/ Offenes Meer/ See/ Ströhme vnd Bäche/ Wie auch Städte vnd andere denckwürdige Dinge darin zu tragen seyn […]. Braunschweig 1639. HAB Wolfenbüttel, 355.9 Quod. (4). Online [28.11.2014].
(4) Confutation Oder Wiederleg: vnd Vmbstossung Vieler bey jetzigen Zeiten vermeindten Landmessere falschen Nachmeß: Außspruch vnd Rechnungen: Vnd wie hingegen bey bißer in vielen Landen vieler gäntzlich abgestorbenen so wol Geist: als Weltlichen/ Adelichen/ Bürgerlichen vnd Bawren Geschlechten: vnd daher andern angefallenen Erbfällen vnd theilungen die höchste richtigkeit wiederumb erbawet vnd jeden Parth das seinige ohne einigen Irrthumb vnd Bevortheilung außgewiesen vnd abgemalet werden können. [Braunschweig] 1639. HAB Wolfenbüttel, 39.3 Geom. (5).
(5) Dvcatus Brvnsvicensis fereque Lvnaebvrgensis […]. Braunschweig ca. 1627. SUB Göttingen, MAPP 7729. Zahlreiche Nachdrucke, u. a. Amsterdam ca. 1638. ULB Halle, Altkt D II 10(7)/3. Online [28.11.2014].
Literatur:
Fritz Hellwig: Caspar Dauthendeys Karte des Herzogtums Braunschweig: mit einer Faksimilebeilage in Originalgröße. Bad Neustadt a. d. Saale 1987.

Erstellt: 28.11.2014
Letzte Aktualisierung: 05.08.2019

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