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Brelochs, Anton

„Antho. Brelochs von Kreulßhaim/ der freyen kunst vnn Ertzney Doctor“; „[…] zü Schwebischenn Hall bestellten Leybartzet“ (Selbstbezeichnungen auf den Titelblättern, zit. 1528, 1542 (jeweils Praktik))
* ca. 1488 Beuerlbach bei Crailsheim/Franken, † zw. 25.1. und 23.4.1559 Schwäbisch Hall
Prognostiken und Laßzettel seit mindestens 1528, Schreibkalender seit 1545, verfaßt bis 1559, erschienen bis 1568

Anton Brelochs wurde um 1488 in Beuerlbach bei Crailsheim in Franken geboren. Das ungefähre Geburtsjahr folgt aus der Angabe des Alters im Jahr 1551 (etwa 63jährig) in einer Reichskammergerichtsakte (Wunder/Lenckner, 1956, S. 149). Von den Eltern ist nur der Vater Michael Brelochs namentlich bekannt (Lenckner, 1964, S. 22). Im Sommersemester 1507 wurde Anton Brelochs gemeinsam mit Ambrosius Preuß von Crailsheim an der Universität Erfurt immatrikuliert (Weissenborn, 1884, S. 250 „Anthonius (de) Bewelbach de Cralßheym“). Hier wurde er 1508 auch zum Baccalaureus promoviert (Schwinges/Wriedt, 1995, S. 291). Am 29. Juni 1509 setzte Brelochs gemeinsam mit Johannes Hamol aus Crailsheim das Studium an der Universität Heidelberg fort (Toepke, 1884, Bd. 1, S. 471 „Anthonius Prellochs de Creulszheim Herpipilensis dyoc. XXIX Junij [1509]“). In der Literatur wird angenommen, daß der am 1. Juni 1514 in die Matrikel der Universität in Ingolstadt eingeschriebene „Magister Anthonius Prellöx ex Dincklspuhel insignis matematicus“ (Pölnitz, 1937, Bd. 1, S. 370) mit dem Anton Brelochs aus Crailsheim (bzw. Beuerlbach) identisch ist. Nachdem dieser 1515 in Ingolstadt zum Doktor der Medizin promoviert worden war (Liess, 1984, S. 153) und sich kurzzeitig in Regensburg aufgehalten hatte, wurde er am 22. Juli 1517 als Stadtarzt in Schwäbisch Hall bestallt, wo er in dieser Funktion bis 1559 wirkte und „im Frühjahr 1559 gestorben ist“ (Lenckner, 1964, S. 22) bzw. zwischen Pauli conversio (25. Januar) und Georgi (23. April) 1559 gemäß den Stadtrechnungen zur Besoldung des Arztes (für die am 12. Mai 2016 gegebene Präzisierung des Sterbezeitraums danke ich Daniel Stihler, StA Schwäbisch Hall). Sein Nachfolger wurde am 25. November 1559 → Nicolaus Winckler (ebd.). Zu den überlieferten Briefen Brelochs siehe „Frühneuzeitliche Ärztebriefe“, Datenbank „Brelochs, Anton“.
Brelochs ging zwei Ehen ein, zunächst mit Dorothea Döner, der Witwe von Hans Scherb (gest. 1523), und nach deren Tod mit Barbara Seckel (gest. 1564/67). Aus der ersten Ehe ging der Sohn Anton hervor, aus der zweiten die Kinder Matthias, Sebastian, Johann und Sofie (Wunder/Lenckner, 1956, S. 149). Die beiden Söhne Anton der Jüngere (am 12. Juni 1539 immatrikuliert an der Universität Heidelberg, siehe Toepke, 1884, Bd. 1, S. 572) und → Sebastian Brelochs studierten ebenfalls, der letztere setzte die Kalenderarbeit des Vaters fort. Für 1559 ist die letzte Jahresschrift (Praktik) von dem älteren Anton Brelochs nachgewiesen. Nach Matthäus, 1969 (Sp. 1345) sollen noch bis 1568 Praktiken unter Anton Brelochs Namen erschienen sein.
1528 wurde Brelochs in die Bürgerschaft von Schwäbisch Hall aufgenommen (Wunder/Lenckner, 1956, S. 149). Für jenes Jahr wurde auch die älteste überlieferte Praktik Brelochs verfaßt. Sie „wird von einem Wandkalender begleitet gewesen sein“ (Matthäus, 1969, Sp. 1070). 1529 verfaßte er eine Pestschrift (anderer Druck, Titel 1) und 1531 eine Kometenschrift (anderer Druck, Titel 2). Im August 1531 erschien ein Komet (1P/1531 P1 (Halley), vgl. Kronk, 1999, S. 298), dem 1532, 1533, 1538 und 1539 weitere folgten und die alle in der Kometenforschung besondere Beachtung fanden (Kokott, 1994). Um die Bedeutung der Kometen zu erfahren, waren die Schriften der Prognostikanten gefragt. So bat z. B. Philipp Melanchthon den Pfarrer Johannes Brenz in Schwäbisch Hall um Zusendung der Prognostiken für 1532 (mit der Deutung des Kometen) von Anton Brelochs und Johannes Virdung (Melanchthon, 1977, Bd. T5, S. 208: „ut mihi mittas prognostica tui astrologi Hallensis, item Hasfurdi de anno 1532 et de cometa“).
Um 1540 wurde erstmals ein Schreibkalender in quart gedruckt (→ Dionysius Sibenburger). Der erste Drucker war Hans Guldenmund in Nürnberg. Nach diesem sowie Ulrich Neuber und Johann vom Berg in Nürnberg, die den Schreibkalender für 1543 von → Christoph Stathmion druckten, stellte Christoph Gutknecht als weiterer Nürnberger Drucker ebenfalls einen Jahreskalender in Buchform, den für 1545 von Brelochs (überliefert im BSA Nürnberg), her. Das ist aber kein Kalender in quart, sondern in oktav. 1862 war auch das Exemplar eines Schreibkalenders für 1559 in quart von Brelochs überliefert, das zu seiner Zeit → Victorinus Schönfeldt in Marburg als Tagebuch nutzte (Bechstein, 1862, S. 276), heute aber nicht mehr auffindbar ist. Letztmals erschien Anton Brelochs Name auf einem Titelblatt bei der Praktik für 1568 (Matthäus, 1969, Sp. 1345).
Aufgrund der Bedeutung der Kalenderart „Schreibkalender“ wird das einzige überlieferte und öffentlich zugängliche Exemplar von Brelochs Buch- und Schreibkalendern hier gesondert aufgeführt, ebenso werden die überlieferten Praktiken genannt, die seit der Erfindung des Schreibkalenders von Anfang an einem jeden Schreibkalender als zweiter Teil mitgegeben wurden.
Für 1563 erschien ein „Almanach“ (16°), der durch „D. Anthonium Brelochsen beschrieben“ und in Köln gedruckt wurde. Dieser kleine Schreibkalender wurde im Oktober 2018 bei einer Auktion versteigert (für den am 24.10.2018 gegebenen Hinweis darauf danke ich Dr. Andreas Graf, Köln).

Schreibkalender:
1545: Almanach, 8°, Druck Christoph Gutknecht, Nürnberg (BSA Nürnberg, Rep. 129, Nr. 248/2, vgl. Matthäus, 1969, Sp. 1070, Anm. 612)

Praktik bzw. Prognostikum:
1528: Practica Teütsch, 4°, Druck Jobst Gutknecht, Nürnberg (GNM Nürnberg, 8° Nw 2871 [?], Titelblatt in Matthäus, 1969, Sp. 1201)
1529; Practica Teutsch, 4°, Fragment, Druck ? (UB Kiel, Cb 6872)
1530: Practica deudsch, 4°, Druck Gabriel Kantz, Zwickau (RSB Zwickau, 22.9.15 (10))
1531: Practica Teutsch, 4°, Druck ? (BSB München, Res/4 Astr. p. 511,24)
1535: Practica Teütsch, 4°, Druck Philipp Ulhart d. Ä., Augsburg (BSB München, Res/4 Astr. p. 90 h#Beidb. 18)
1538: Practica teütsch, 4°, Druck Jobst Gutknecht, Nürnberg (UB Leipzig, Hist. H. W. 160; UB Heidelberg, Cod. Pal. germ. 304, Augsburg 1538–1545, S. 40–47)
1542: Practica Teutsch, 4°, Druck Heinrich Steiner, Augsburg (BSB München, Res/4 Astr. p. 530,8)
1543: Practica teütsch, 4°, Druck Christoph Gutknecht, Nürnberg (RSB Zwickau, 22.9.15 (21))
1544: Practica teütsch, 4°, Druck Christoph Gutknecht, Nürnberg (RSB Zwickau, 22.9.15 (27))
1545: Practica, 4°, Druck Christoph Gutknecht, Nürnberg (RSB Zwickau, 22.9.15 (31B); HAB Wolfenbüttel, A: 125.34 Quod. (6))
1547: Practica Teutsch, 4°, Druck Christoph Gutknecht, Nürnberg (UB Kiel, Cb 6871)
1548: Practica Teutsch, 4°, Druck Christoph Gutknecht, Nürnberg (HAB Wolfenbüttel, A: 125.34 Quod. (7); UB Erlangen)
1558: Practica Teutsch, 4°, Druck Valentin Geißler (SLUB Dresden, Astr. 518 s)
1559: Practica Teutsch, 4°, Druck Valentin Geißler (BSB München, Res/4 Astr. p. 446#Beibd. 19; HAB Wolfenbüttel, A: 44.10 Astron. (10))

Titel:
(1) [1528?]–[1559?]: Almanach, Einblatt-Wandkalender, Format 2°.
(2) 1528–1559[?]: Practica Teutsch, Format 4°.
(3) 1545–[?]: Almanach, Format 8°.
(4) [?]–1559[?]: Schreyb Kalender, oder Almanach, Format 4°.
(5) [?]–1563[?]: Almanach, Format 16°.
Druck und Verlag:
(1) 1539: Balthasar Müller, Würzburg.
(2) Nürnberger Reihe:
1528–1542: Jobst Gutknecht, 1543–1549: Christoph Gutknecht, 1550: Julius Paulus Fabricius, 1551–1557: Friedrich Gutknecht, 1558–1559: Valentin Geißler.
Augsburger Reihe:
1535: Philipp Ulhart d. Ä., 1542: Heinrich Steiner.
Schwäbisch Haller Reihe:
1539: Peter Braubach, 1553: Thomas Biber.
(3) 1545: Christoph Gutknecht, Nürnberg.
(4) 1559: Valentin Geißler, Nürnberg.
(5) 1563: Niclas Schreiber für Sanct Lupus, Köln.
Nachweis:
Matthäus, 1969, Sp. 1345, 1369. Zinner, 1941/64, S. 172, Nr. 1429 (Practica 1531) und passim. ZKAAD, 1987–1993, Teil 4, S. 304, Nr. 3736 und passim. VD16. CERL.
Online:
(2) 1531 Prognostikum, 1535 Prognostikum, 1538 Prognostikum, dasselbe 1538 Prognostikum, 1542 Prognostikum, 1559 Prognostikum [24.03.2016].
Andere Drucke:
(1) Eyn kurtzer gegründter vnderricht/ vnnd erklerung einer geschwinden/ vnd überscharpffen seuchten/ yetzo von vielen/ der Englisch schwayß/ aber von den Alten das Pestilentzisch fieber genannt […]. Nürnberg 1529. HAB Wolfenbüttel, A: 23.1 Med. (6). SUB Göttingen, 8 MED PRACT 2328/33. SB Regensburg, 999/Med. 808(6, online [24.03.2016].
(2) Eyn sunderliche Prognostication vber den Cometen/ in Augstmonat/ des M.CCCCC. vnd xxxj. Jahr zu etzlichen malen erschinen […]. Nürnberg 1531. HAB Wolfenbüttel, M: Ne Kapsel 3 (18).
Literatur:
Georg Lenckner: „Meister Ulrich, der artzat, erhielt jährlich 12 Gulden“. Ärzte im alten Hall. Ein Blick zurück in die Zeit von 1372 bis 1631. In: Der Haalquell, Blätter für Heimatkunde des Haller Landes 16 (1964), Nr. 6, S. 21–23. Zu Anton Brelochs: S. 22.
Andreas Maisch: Die Haller Stadtärzte. In: Heike Krause, Andreas Maisch (Hrsg.): Auf Leben und Tod. Menschen und Medizin in Schwäbisch Hall vom Mittelalter bis 1950. Schwäbisch Hall 2011, S. 31–71. Zu Anton Brelochs: S. 33–35.
Klaus Matthäus: Zur Geschichte des Nürnberger Kalenderwesens. Die Entwicklung der in Nürnberg gedruckten Jahreskalender in Buchform. In: Archiv für Geschichte des Buchwesens, Frankfurt am Main 1969, Bd. IX, Sp. 967–1396. Zu Anton Brelochs: Sp. 1069–1070.

Erstellt: 30.03.2016
Letzte Aktualisierung: 30.10.2018

brelochs_anton.txt · Zuletzt geändert: 2019/07/09 15:03 von klaus-dieter herbst