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Grosse, Johann[es]

„Johann Grosse/ Raths=Verwandter in Crimitzschau/ ein Liebhaber Gottes und Betrachter des edlen Gestirns“; „Raths=Cämmerer in Crimmitzschau/ ein Liebhaber GOTTES und Betrachter des Edlen Gestirns“; „Bürgermeister in Crimmitzschau“ (Selbstbezeichnungen auf den Titelblättern, zit. 1678, 1684, 1706 von Titel 1)
* 24.03.1634 Wahlen bei Crimmitschau, † 11.12.1721 Crimmitschau
Kalender seit 1675, erschienen bis 1752
Übernommene Reihe: → Gütner, Gottfried

Bei Johann Grosse liegt der seltene Fall vor, daß von diesem ein „meistentheils eigenhändig selbst aufgesetze[r]“ Lebenslauf vorlag, aus dem dessen „Ur-Ur-Ur-Ur-Enkel Georg Große“ 1899 bei der Abfassung einer Lebensbeschreibung des früheren Crimmitschauer Bürgermeisters schöpfte (Crimmitschauer Chronik, 1899, S. 43–47). Daraus werden die wesentlichen Einzelheiten hier wiedergegeben:
Die Eltern waren Georg Grosse, Einwohner in Wahlen, und Sybylla Vogel, Tochter von Adam Vogel in Leitelshain. Mitten im Dreißigjährigen Krieg geboren, konnte Johann erst 1641 und nur für einige Monate eine öffentliche Schule in Crimmitschau besuchen. Seit seinem achten Lebensjahr mußte er vier Jahre lang als Diener bei anderen Herrschaften arbeiten. Danach begann er 1648 eine Schneiderlehre bei dem Meister Johann Opitz. Der Lehre folgte 1652 die obligatorische Wanderschaft. Nach der Rückkehr erhielt er am 4. Juni 1656 in Crimmitschau das Bürger- und Meisterrecht.
Große war viermal verheiratet: (1) Seit 1656 mit Christiane Hofmann († 1665), des damals bereits verstorben gewesenen Bergaer Diakons, Martin Hofmanns Tochter in Gera, wo sie bei Verwandten lebte. Aus dieser Ehe stammte der Sohn Johann Gottlieb Grosse (1663–1732), der 1682 am Gymnasium in Coburg lernte (Hoefner, 1958, S. 126) und seit 1684 an der Universität Leipzig studierte (Erler, 1909, Bd. 2, S. 146). Von 1691 an bis zu seinem Tod war Johann Gottlieb Pfarrer in Mosel bei Zwickau (Grünberg, 1939/40, Bd. 2, S. 268). (2) Seit 1666 mit Eva Wilde († 1694), Tochter von Melchior Wilde, Jäger und Wildschütz zu Schweinsburg und Mosel. Von den acht Kindern aus dieser Ehe lebten 1723 noch fünf in Altenburg. (3) Seit 1695 mit Rahel Müller († 1708), Tochter des Ratsbeamten Christoph Müller. (4) Seit 1709 mit Rosine Brauer, des Wagners Georg Brauer nachgelassene Witwe in Selcka.
Neben seinem Beruf als Schneidermeister übte Grosse verschiedene Ämter aus. 1665 wurde er für fünf Jahre Kirchenvorsteher. Am 25. November 1674 wurde er in den Rat von Crimmitschau gewählt (Vulpius, 1704, S. B3b). Der Autor mehrerer Städtebeschreibungen und Kalendermacher → Johannes Vulpius schrieb in der 1704 erschienenen Beschreibung Crimmitschaus, daß Grosse erst als „Raths=Verwandter/ hernach als Kämmerer/ jetzo Bürgermeister“ tätig war und 1674 „den Anfang seines Calender=Schreibens“ machte (Vulpius, 1704, S. D1b; vgl. Kästner, 1853, S. 133: Bürgermeister auch in den Jahren 1691, 1692, 1695). Insgesamt hatte „er in die 38 Jahre mit sonderbarem Fleiß und Ruhm Kalender geschrieben, wozu sich viele vornehme Verleger zu Altenburg, Jena, Coburg, Saalfeld, Chemnitz, Freiberg, Zwickau und anderen Orten mehr gefunden“ (Crimmitschauer Chronik, 1899, S. 47). Demnach war ein Kalender für 1712 der letzte, der von Johann Grosse selbst verfaßt worden ist. Nach einer siebenjährigen Krankheit verstarb Grosse Ende 1721 im Alter von 87 Jahren.
Von den im letzten Zitat genannten Verlagsorten der Schreibkalender von Johann Grosse konnten bisher nur Altenburg (Reihen 1 und 5), Coburg (Reihe 2), Saalfeld (Reihe 3), Jena (Reihe 4) und Zwickau (Reihen 6 und 7) mit einzelnen Exemplaren nachgewiesen werden. Noch unbekannte Kalender muß Grosse aber in Chemnitz und Freiberg herausgebracht haben. Auch einen Erfurter Kalender soll Grosse verfaßt haben, worüber Vulpius an → Gottfried Kirch in einem Brief Anfang 1692 berichtete: „ich habe an Herr Bürgermeister Grossen auff Crimmitzschau geschrieben, und zur Antwort erhalten, daß er die Salfeldischen mache und hiebevor auch die Jenischen und etliche Erfurdter gemacht habe, aber von den Weymarischen meldet er nicht ein Wort“ (Herbst, 2006, Bd. 2, S. 128).
Wann die verschiedenen Kalenderreihen starteten, konnte nur bei den ersten zwei Reihen ermittelt werden. Mit dem Altenburger „Hauß=Calender“ für 1675 begann Grosse die Kalenderschreiberei, denn im Kalender für 1678 notierte er, daß „ich diese meine Calender=Arbeit/ zum vierten mahl in die Welt schicke“ (zweiter Teil, S. E2a). Die Coburger Reihe (Titel 2), die laut Titelblatt „nach den Coburgischen Horizont gerechnet und eingerichtet“ wurde, muß bereits mehrere Jahre vor 1692 erstmals erschienen sein, denn die „Fernere Continuatio, Der Sächßischen Helden-Historien“ in der Textspalte des Kalendariums für 1692 liefert bereits die Helden Nr. 34 und 35. Im anderen Teil dieses Kalenders für 1692 heißt es in der Vorrede, daß jetzt das „14. Jahr/ dieser Saalfeldische Calender“ erscheint (zweiter Teil, S. E1b). Demnach sollte der erste Jahrgang für 1679 erschienen sein, und zwar sowohl beim Coburgischen als auch beim Saalfeldischen Kalender. Daß dieser (laut Titelblatt) Coburgische Kalender (der Kupfertitel bringt eine Stadtansicht von Coburg) in der Vorrede als „Saalfeldischer“ bezeichnet wird, ist offensichtlich dem Umstand geschuldet, daß einzelne Teile des Saalfeldischen Kalenders auch im Coburgischen Kalender verwendet wurden, ohne daß diese Feinheiten korrigiert wurden. Der Drucker war vermutlich in beiden Fällen Johann Ritter in Saalfeld, der im Oktober 1678 sechs Kalenderexemplare für 1679, also den vermeintlich ersten Jahrgang, dem Rat von Saalfeld übergab (Bärnighausen, 1997, S. 46 und Anm. 33 auf S. 52). Als Verleger in Saalfeld erschien zunächst der Buchhändler Michael Ellinger, der 1680 „vom Herzog das Privileg, den Schreibkalender von Johann Große aus Crimmitschau nachdrucken zu dürfen“ erhalten hatte, danach der Buchbinder Tobias Weber (Bärnighausen, 1997, S. 46). Ein Exemplar für 1684 des Saalfeldischen Kalenders, „der überschrifft nach auff den Saalfeldischen und Thüringischen horizont gerichtet“, schickte Grosse Ende 1683 an den Gymnasialprofessor Johann Wölffing in Coburg, wo Grosses Sohn Johann Gottlieb auf das Gymnasium ging (Herbst, 2006, Bd. 1, S. 260).
Ende des 17. Jahrhunderts tauchten noch andere Kalendermacher mit dem Namen „Grosse“ auf den Titelblättern von in Saalfeld und Weimar gedruckten Kalendern auf (→ Johann Georg Grosse, → Johann Gottfried Grosse). Johann Gottfried Grosse war mit Johann Grosse verwandt.
Neben dem Kalendermacher Johann Grosse gab es noch einen anderen Johann Grosse, der ein „Vetter“ von „Johann Grosen zu Krumtzschen“ (d. i. Crimmitschau) und „Schuldiener zu Cundorff“ war. Dieser fragte Ende 1691 in einem Schreiben nach, „wo der Junge Vetter seine Pfarr gekriegt“ (gemeint ist Johann Gottlieb, der 1691 Pfarrer in Mosel wurde). Schließlich ließ er sowohl „den Herrn Vetter zu Krumtzschen“ als auch den „Vetter Hanß Gottfrieden und Vetter Ehrharden“ grüßen (Herbst, 2006, Bd. 2, S. 121f.). Diese Stellen sind ein Beleg dafür, daß der Kalendermacher Johann Gottfried Grosse und der Kalendermacher Johann Grosse miteinander verwandt waren.
Johann Grosse hatte sich als Autodidakt ähnlich wie zuvor → Nicolaus Schmidt die Grundlagen des Kalenderschreibens selbst beigebracht. Kriterium für die Qualität eines Kalenders im 17. Jahrhundert war die Genauigkeit bei den astronomischen Angaben zu den Finsternissen. In seinem Altenburger Kalender für 1678 bemerkte er dazu folgendes: „Die Calender=Schreiber aber werden zu diesenmahl nicht alle einer Meynung in Beschreibung der Finsternisse seyn/ denn/ etliche werden von 6. und auch zum theil nur von 5. schreiben/ wie dann leicht von denen geschehen kann/ die sich nur auff die Ephemerides verlassen und nicht selbst nachrechnen/ die werden zu diesen mahl mehr nicht als 5. Finsternisse beschreiben/ weil aber in denselben vergangenes Jahr mich/ (und auch zum Theil andere) ein Druck=Fehler zu einen Irrthum gebracht/ daß am 29. Novembr. eine Finsterniß ist angesetzet worden/ die sich nicht also ereignen wird. Diese Versehung aber hat mich dahin gebracht/ daß ich hierinnen zum fleißigen Nachforschen bin bewogen worden/ finde aber zu diesen mahl eine Finsterniß am 10. May/ die wol schwerlich von iedweden wird angezeiget werden“ (zweiter Teil, S. F2a–b). Mit diesem kritischen Herangehen an das Kalenderschreiben gehörte er zweifellos zu den besseren Kalendermachern. Ob er aber tatsächlich die schweren astronomischen Rechnungen selbst ausführen konnte (vgl. Quellenzitat 1), muß nach dem Zeugnis eines Zeitgenossen bezweifelt werden. Denn Vulpius meinte in dem bereits oben erwähnten Brief an Kirch weiter: „Ich halte auch Herr Grossen viel zu ehrlich und bescheiden gegen solche Verdrießlichkeit, die ich deßwegen habe erdulden müssen. Daß aber notificatus Grossius nach Rudolphinischen Tafeln rechnen solte, ist mißlich, er ist der Lateinischen Sprache wenig kundig, hat zwar aber Cunitiae Tab. kan aber mit Seiner eignen Hand bezeuget werden, daß er weder [Sonnen] noch [Mond] Lauff daraus zu rechnen mächtig, was solte Er mit den T. Rud. anfangen“ (Herbst, 2006, Bd. 2, S. 128). Bereits zehn Jahre vorher hatte auch Gottfried Kirch abwertend über Grosse geurteilt, als er neben anderen diesen „in Crimmitzschau ein Schneider, Johann Großse“ in die Kategorie „Kalender=Stümpler“ einsortierte (Herbst, 2006, Bd. 1, S. 118). Ungeachtet dieser Kritik zeugen die Kalender von Grosses Belesenheit, denn bei den eingestreuten Historien gab er häufig die Literaturquelle an.
Johann Grosses Kalender haben guten Absatz gefunden. Eine Folge davon war, daß sie unrechtmäßig nachgedruckt wurden, was zu einem finanziellen Schaden des rechtmäßigen Verlegers und zu einer Verletzung der Ehre des rechtmäßigen Autors bei fehlerhaftem Nachdruck führte. Dagegen setzte sich Grosse auch öffentlich zur Wehr und warnte in einem Kalender für 1692 davor, diesen Mißbrauch seines Namens bei dem „Saalfeldischen Calender“ fortzusetzen (Quellenzitat 2).
Der Altenburger „Calender“ für 1706, der letzte überlieferte, von Grosses Hand verfaßte, enthält noch eine Widmung (an Carl Friedrich Bose, der hochfürstlichen Durchlaucht zu Sachsen-Eisenberg Hausmarschall und Amtshauptmann zu Camburg), was um diese Zeit schon nicht mehr typisch für das Kalenderwesen war.

Titel:
(1) 1675–[1700?]: Hauß=Calender. [1701?]–1706: Calender/ Zu Bestellung des Feld= und Garten= Baues/ Viehzucht und andern Haußhaltungs=dienenden Sachen.
(2) 1679–1692[?]: Jahr=Schatz/ Oder: Wohl=eingerichteter Coburgischer Helden=Calender.
(3) 1679–1689–[?]: Saalfeldischer/ Historischer Wie auch nützlicher Hauß= Artzney und Schreib Calender.
(4) [?]–1688–[?]: Gesprächs=Calender [kein Exemplar ermittelt].
(5) [?]–1693–[?]: Alter= und Jugend Laster= und Tugend=Kalender.
(6) 1696[?]–1699[?]: Königlich= Hertzoglich= Fürst= und Chur=Fürstlicher Stamm= Baums= und Sinn= Bilds= Calender.
(7) 1698[?]–1699[?]: Zwickauischer Artzney= und Schwanen=Kalender [in Nachfolge von Gottfried Gütner].
(8) [?]–[?]: Schreibkalender für Freiberg [kein Exemplar ermittelt].
(9) [?]–[?]: Schreibkalender für Chemnitz [kein Exemplar ermittelt].
(10) [?]–[?]: Schreibkalender für Erfurt [kein Exemplar ermittelt].
Nach dem Tod von Johann Grosse erschienen unter dessen Namen folgende Kalenderreihen:
(11) 1721[?]–1732[?]: Biblischer Geschichts=Calender.
(12) [1726?]–1728[?]: Schreib= und Historien=Calender.
(13) 1733–1736[?]: Schreib=Calender […] Worinnen eine ausführliche Beschreibung und Nachricht Der Saltzburgischen Emigranten […].
(14) [1735?]–1752[?]: Kurtzweiliger Bauer= Historien= und Schreibe=Calender.
Druck und Verlag:
(1) 1675–1696: Gottfried Richter, Altenburg, 1697–1706: Johann Ludwig Richter, Altenburg.
(2) 1692: Druck [Johann Ritter ?, Saalfeld, vgl. (3)], Verlag Tobias Weber, Saalfeld.
(3) 1679–[?]: Druck Johann Ritter, Saalfeld, Verlag Michael Ellinger, Saalfeld, [?]–1689–[?]: Druck Johann Ritter, Saalfeld, Verlag Tobias Weber, Saalfeld.
(4) 1688: [Johann Gollner ?], Jena.
(5) 1693: Gottfried Richter, Altenburg.
(6), (7) Christian Bittorff, Zwickau.
(8) Verlag ?, Freiberg.
(9) Verlag ?, Chemnitz.
(10) Verlag ?, Erfurt.
(11) 1721–1730: Johann David Friderici, Zwickau, 1731: Johann David Friderici sel. Witwe, Zwickau, 1732: Johann David Friderici sel. Erben, Zwickau.
(12), (13) Christian Weinmann, Erfurt und Joseph Wolschendorff, Frankfurt am Main.
(14) 1735–1745: Daniel Gottlieb Wunderlich, Zwickau, 1746–1752: Daniel Gottlieb Wunderlichs Witwe, Zwickau.
Nachweis:
Herbst, 2008a, S. 95. Herbst, 2011a, S. 25f. Herbst, 2014a, S. 132. Ergänzung: AKS Merseburg (Ex. für 1721 der Reihe 11). VD17. CERL.
Online:
(1), (2) [11.07.2014].
Quellenzitat:
(1) „Finsterniße auß zu rechnen gehöret in der Astronomi mit unter die vornehmsten Haupt und Kunst=Stücke eins/ welches doch nicht einem iedweden gegeben ist/ in dem hierzu nicht alleine grosse Wissenschafften/ sondern auch ein vortrefflicher Fleiß und Zeit solche von Grunde auszurechnen erfodert wird/ massen dann hierüber ein vornehmer Professor Matheseos, nemlich Herr Nothnagel seel. zu Wittenberg gegen einen in dieser Kunst wohlerfahrnen außtrücklich gesagt/ er müste allemahl 5. Tage zu Außrechnung einer Sonnen=Finsterniß haben/ indem zu einer eintzigen in die hundert Ansätze erfordert werden. Weil es dann hierinnen so Mühsam mit den jenigen daher gehet/ so doch ihre Wissenschafften auff hohen Schulen und Universitäten Studiret haben/ ist leicht zu erachten/ daß es bey den jenigen nicht mit geringerer bemühung geschehe/ so da ihre Wissenschafften hierinnen/ nicht haben in der Jugend (wegen damahliger schwerer Zeit) und auff Schulen/ sondern erst in Mannbaren Jahren (Jedoch mit GOtt und eines rechten Himmels=Gemüths aus Vornehm= und gelehrter Leute Schrifften) zu erlernen sich begeben/ aber doch allezeit mit Fleiß dahin zielend/ daß was hierinnen zu wissen von nöthen/ nichts möchte verabsäumet/ und solcher wohl untersuchter Fleiß/ von andern unfleiß möchte unterschieden und nicht jenen gleich geachtet werden. Zwar was anlangt der Unfleiß oder unwissenheit/ so von theilen hierinnen begangen wird/ ist klar auß dero Schrifften selbst zuersehen/ in dem sie ihre Wissenschafften nur wollen uf schon gebähnte Strasse (alwo nicht eben alles so genau zu finden) und nicht auch wie billich mit uf den Mühsamen Wegen zusammen tragen/ als dann kömpts hernach auch so heraus/ wie bißhero etliche Jahr geschehen/ und zumahl Anno 1682. Da von theilen unfleißigen Rechnern dreye/ und Anno 1683. eine sehr große und fast greiffliche Sonnen=Finsterniß benebenst vielen andern Haupt=Aspecten aussen gelassen. Jch will nur Muthmassen/ aber fast lieber vor gewiß sagen/ wann auff dieses 1684. Jahr die Kalender werden heraus kommen/ ob nicht die am 26 December grosse Sonn=Finsterniß/ wie auch andere Haupt=Aspecten (als am 4 Jan. die [Opposition Saturn Mars] wie auch am 25 [Opposition Jupiter Mars] und am 22 Juli [Sextil Jupiter Mars] so auch am 6 Nov. [Sextil Saturn Sonne] und im Dec. dreye nach einander als am 7 [Sextil Mars Sonne] 8 [Quadratur Saturn Sonne] 9 [Sextil Jupiter Sonne] andere zugeschweigen) werden von den unfleissigen Kalender=Schreibern nicht gerechnet/ sondern gar aussen gelassen/ und dargegen uf solche Tage so wohl im Gewitter als in Artzneyen/ Aderlaß und andere mehr/ recht wiedriche Judicia und Verrichtungen angesetzet seyn. Da hingegen von denen fleissig und wohl geübten Kalender=Schreibern/ durch fleißiges Rechnen nicht allein gedachte und viel daran gelegene Aspecten/ sondern auch fünff Finsterniße als 3 an der Sonn/ und 2 am Mond/ (nach den Julianischen Kalender) befunden und einhellig/ wie folget beschrieben werden.“ (Hauß=Calender für 1684, zweiter Teil, S. B1a–b).
(2) „Als kann vor dieses mahl (anstatt oben gemelder siebender Zahl=Geschichten) daß hier bey einschleichende unrechtmäßige Beginnen/ nicht unerinnert bleiben/ welches so wohl dem gnädigsten Privilegio, als auch Author und Verleger/ zu entgegen begangen; Inmassen dann einige vor etzlichen Jahren/ zwar wohl dieses Calenders Verlag sich was anmassen wollen/ aber gegen dem Author so verhalten/ daß wo solches deutlich sollte gemeldet werden/ dem Jenigen ein schlechter Ruhm am Tag kommen würde; Alleine da sie sehen/ wie dieser Saalfeldische Calender in guten Ruff/ Abgang und Aufnehmen kommen/ sie sich unterstehen ihre falsche/ und zur Ungebühr nachgedruckte Calender/ unter des ersten Erfinders und Authors oder Verlegers, Namen an Tag zu geben/ da doch der kühne und falsche Author oder Verleger/ nicht wissen noch verstehen mag wie man ein oder andern belangen kan/ so nur eines andern Namen/ ohne Befehl nach oder unterschreibet/ geschweige dann sich solcher unverantwortligkeit zu unterstehen/ ein und andere falsche Schrifften/ unter eines ehrlichen Mannes=Namen heraus zugeben/ denn wäre was bessers als Betrug an solchen Leuten und Schrifften/ würden sie sich wohl selbsten nennen/ und nicht ihr Wölfisches Beginnen in Schaffskleidern verkleiden. Wieder welche falsche Ware oder solche nach gedruckte Calender/ dann so wohl der Author, als Verleger/ jedermänniglich wohl meinet/ will gewarnet und solcher maß erinnert haben/ die jenigen groben und unverantwortlichen Fehler/ nicht denn rechtmäßigen Author, und befugten Verleger bey zumessen/ sondern gleich wie zuvor/ also auch noch ferner/ dieses rechtmäßigen und mit fleiß ausgefertigten Calenders sich mit sondern Nutz u. selbst erwünschten Wohlergehen bedienen wie auch diese Erinnerungs=Schrifft wohlmeinent auffnehmen.
Obgedachte entgegen lebende aber wollen sich ihres bishero unrechtmäßigen Beginnens/ hinfüro enthalten/ ihre falsche und betrügliche Waren unter eines ehrlichen Mannesnamen/ die Welt zu betrügen/ heraus zu geben wiedrigen Falls man denselben mit deutlicher Schrifften begegnen/ und an gebührenden Orten/ allwo es ohne des schon anhängig gemacht/ ümb Hülffe zu bitten/ sich bemühen müssen.
Der Author und Verleger.“ (Jahr=Schatz für 1692, zweiter Teil, S. A1b–2a).

Erstellt: 14.07.2014
Letzte Aktualisierung: 23.08.2019

grosse_johann.txt · Zuletzt geändert: 2019/08/23 09:07 von klaus-dieter herbst