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Friedmann, Theodor

„Theodor Friedmann“ (Selbstbezeichnung auf dem Titelblatt, zit. 1673)
* ?, † ?
Kalender seit 1673, verfaßt bis 1679
Übernommene Reihe: → Hebestreit, Christoph

Über Theodor Friedmann konnten keine biographischen Einzelheiten ermittelt werden. Der Buchdrucker Georg Conrad Rüger verfaßte am 9. September 1672 für den Kalender für 1673 einen „Bericht an den Leser“, in dem er mitteilte, daß dem bisherigen Verfasser dieser Kalenderreihe, Christoph Hebestreit, „wegen unterhanden kommender Geschäffte und Verrichtungen die Zeit nicht zulässet/ seine studia mathematica zu continuiren/ noch die Kalender=Arbeit fortzusetzen“. Deshalb mußte er einen neuen Kalendermacher suchen, den er in Theodor Friedmann fand (Kalender für 1673, Kalendarium, S. A1b). Friedmann selbst hob in einer langen Vorrede hervor, daß er „vor etlichen Wochen“ vom Buchdrucker zur Fortführung der Kalenderarbeit von Hebestreit überredet worden sei, obwohl er eigentlich keine Kalender verfassen wollte (Kalender für 1673, zweiter Teil, S. A2b). Gegenüber den Kalendern von Hebestreit werde er jetzt aber einige Neuerungen vornehmen, z. B. Historien bringen, weil „fast jederman gerne Historien lieset“ (ebd., S. A3a).
Die Kalenderreihe von Theodor Friedmann zeichnet sich durch vielfache Reaktionen auf aktuelle Entwicklungen im Kalenderwesen und in der Astronomie aus. Hier ragt eine mehrseitige Stellungnahme heraus, die Friedmann im Kalender für 1677 unterbrachte. Es ging ihm um die seit 1675 von → Gottfried Kirch vorgeschlagene und in Briefen und Kalendern propagierte Gründung einer Astronomischen Societät (Herbst, 2002b; Herbst, 2010a, S. 242–249). Friedmann begann dazu wie folgt: „[…] weil vorm Jahre ein Kalenderschreiber vor gut gehalten/ daß ins künfftige die Sterngelehrten unter sich selbst eine Gesellschaft auffrichten möchten/ von dero die Stümpler außgeschlossen und abgesondert wären/ welches sich auch ein anderer vornehmer Astronomus hat gefallen lassen/ so habe ich dadurch Anlaß bekommen/ so wohl von den Stümplern/ als auch Stern=Gesellschafft/ meine zwar einfältige/ doch aufrichtige Meynung zu entdecken“ (Kalender für 1677, zweiter Teil, S. A1b). Die Ausführungen folgen auf fünf Seiten und enden mit einem konkreten Vorschlag, wie der Informationsaustausch zwischen den Mitgliedern einer „Sternkunst=Gesellschafft“ vonstatten gehen könnte. Zentraler Ausgangspunkt sollte nach Friedmann „ein Astronomus (oder ein anderer Mann) zu Leipzig“ sein (ebd., S. A3b; vgl. Quellenzitat). Die diesem zugesandten Zuschriften sollte in der gleichen Weise weitergeschickt werden, „wie man die Ordinar=Zeitungen herumb zu schicken pflegt“ (ebd.). In dem Vorschlag kommt das Bedürfnis nach einer Möglichkeit des regelmäßigen Austausches unter Gelehrten zum Ausdruck. Mit dem seit 1682 in Leipzig herausgegebenen Gelehrtenjournal „Acta Eruditorum“ wurde dem nicht nur für Astronomen, sondern für alle Gelehrten Rechnung getragen. Zu einer Gründung der Astronomischen Societät kam es allerdings noch nicht. Neben Friedmann äußerten sich auf den Vorschlag von Kirch auch noch die Kalendermacher → Christoph Richter, → Jacob Honold d. Ä., → Johann Christoph Sturm, → Christian Grüneberg und → Georg Krüger.

Titel:
(1) 1673–[1676?]: Altenburgischer Zeit= Wetter= und Hauß=Kalender [in Nachfolge von Christoph Hebestreit]. 1677[?]–1679: Altenburgischer/ Gothischer und Coburgischer Zeit= Wetter= und Hauß=Kalender.
Druck und Verlag:
Georg Conrad Rüger, Altenburg.
Nachweis:
Herbst, 2008a, S. 87. VD17. CERL.
Online:
(1) [08.06.2016].
Quellenzitat:
„[…] Ist derowegen eine solche Sternkunst=Gesellschafft zu wündschen.
Aber mit blossen Wündschen ist nichts außgerichtet/ es müssen Mittel vorgeschlagen werden/ wie solche anzufangen und fortzusetzen. Daß einer dem andern hin und wieder schreibet/ das thuts nicht; Denn also weiß der dritte und vierte nichts davon. Daß sie aber auff eine bestimmete Zeit zusammen kommen wolten/ von den Sachen zu handeln/ wird auch nicht seyn können/ denn bald würde es diesem/ bald jenem ungelegen seyn/ zumal sie auch sehr weit von einander wohnen. So will sichs auch nicht thun lassen/ daß ein ieder das jenige/ was er der Gesellschafft zu schreiben hätte/ durch öffentlichen Druck außgehen liesse/ denn es kostet zu viel. Aber auff folgende Weise könte es meinem Bedüncken nach am füglichsten geschehen.
Wenn ein Astronomus (oder ein anderer Mann) zu Leipzig die Mühe auff sich nehmen wolte/ und mit wenig Zeilen (welche er dem Catalogo Librorum einverleiben könte) allen Astronomis in gemein entbieten liesse/ daß eine Sternkunst=Gesellschafft solte auffgerichtet werden/ und welche sich darein begeben wolten/ solten sich innerhalb etlichen Wochen bey ihm durch ein Briefflein angeben. Welche nun solcher massen sich einfinden würden/ die könte er in eine gewisse Ordnung bringen/ nicht aber nach ihren Stand und Würden/ sondern nach dem sie einander am nähesten wohneten/ welcher nemlich unter ihnen der Erste/ Andere/ Dritte/ etc. seyn solte. Ferner schicke ein ieder das jenige/ was er an die Gesellschafft schreiben wolte/ dem gedachten Astronomo zu Leipzig welcher solche scripta etwan ein Viertel Jahr lang colligirte/ und nachmals/ nebenst einem Verzeichniß der Ordnung in der Gesellschafft/ solche ingesampt dem Ersten aus der Gesellschafft zuschickte/ wenn sie nun der Erste fleissig durchgelesen/ auch daraus/ was ihm beliebete/ abgeschrieben hätte/ schickte er dieselben/ sampt dem Verzeichniß der Ordnung/ dem Andern zu/ der Andere dem Dritten/ und so fort an/ nach der Weise/ wie man die Ordinar=Zeitungen herumb zu schicken pflegt/ biß auff den Letzten/ bey diesem blieben sie liegen/ iedoch müste er einem ieden seine manuscripta, wenn sie begehret würden/ wieder zukommen lassen. Was nun mittler Zeit ein ieder wiederumb hierauff zu antworten/ oder von neuen vorzubringen hätte/ das müste er abermal nach Leipzig (denn diese Stadt wäre hierzu sonderlich beqvem/ weil man von allen Städten gar leichtlich Post dahin haben kan) einschicken/ da dann wiederumb solche einlauffende Schreiben gesamlet/ und auff gewisse Zeit/ wie zuvor geschehen/ außgeschicket würden. Solcher Gestalt würde es nicht viel Unkosten erfordern/ und gleichwol könte dadurch die Sternkunst erhoben/ und viel gutes durch sie außgerichtet werden. Doch wolte ich lieber/ daß ein anderer ein besser Mittel hierzu an die Hand habe.“ (Theodor Friedmann: Kalender für 1677, zweiter Teil, S. A3b).

Erstellt: 09.06.2016
Letzte Aktualisierung: 08.08.2019

friedmann_theodor.txt · Zuletzt geändert: 2019/08/08 16:24 von klaus-dieter herbst