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werve_hermann_de

Werve, Hermann de

„P. Ecclesiasten vnd Philo-Mathemat“; „Astronomus vnd Medicus zu Norden in Ostfrießland“; „Hermannus de Werve Esenus Frisius, p[lenissimo]. t[itulo]. Chur Mäintzischer Astronomus“; „weiland Churmäintzischer gewesen. jetzt Ostfrisischer Astronomus“ (Selbstbezeichnungen auf den Titelblättern, zit. 1619, 1633, 1644, 1653)
* 16.08.1584 Esens/Ostfriesland, † 13.01.1656 Wien
Porträt
Kalender seit 1619, erschienen bis 1670

Geburtsdatum und -ort erschließen sich aus autobiographischen Angaben in den Kalendern. So schrieb Hermann de Werve im zweiten Kalenderteil, dem Prognostikum, für 1646 beim Datum 16./26. August: „auff welchen Tag ich An. 1584. geboren“ wurde (S. B2a). Und im Prognostikum für 1642 teilte er mit, daß er „ein geborner Harlinger/ zu Esens von ehrlichen Eltern/ […] geboren“ sei (S. C2b). Über die Eltern de Werves sowie seine Kindheit und Jugend in Ostfriesland ist nichts bekannt.
Hermann de Werve war zweimal verheiratet: (1) mit Catharina Edzards (?–1648). Sie war eine Tochter des ev.-luth. Pastors in Tettens/Jeverland Edzardus Ludolphus. De Werve schrieb darüber im Prognostikum für 1619: „myner Frawen Vader Weiland Edzardum Ludophi bey 29. Jahren tho Tettens vor Denern Gottlykes Wordes“ (S. A3b; vgl. Ramsauer, 1909, S. 223; Abb. des Grabsteins in der Kirche zu Westerende in Arends, 2009, S. 33). Vermutlich ging aus dieser Ehe mit Catharina nur ein Sohn, über den keine Einzelheiten bekannt sind, hervor. Er ist, wie seine Mutter, in der Kirche zu Westerende begraben (Janssen, 1963, S. 74). (2) nach 1648 mit Emerentiana geb. Crafft, gestorben 1653 in Norden/Ostfriesland, dort begraben am 26. April 1653 (ev.-luth. Pfarramt der St.-Ludgeri-Kirche in Norden, Sterberegister von 1653). Aus dieser zweiten Ehe gingen die Kinder Joann Henricus Eustachius de Werve und Anna de Werve hervor. Beide lebten um 1655 bei einer Schwester ihres Vaters in Ostfriesland (Oberhofmarschallamt, Wien, Testamente 1/1656, Testament Hermann de Werves vom 30. Dezember 1655 (publiziert im Januar 1656); das am 19. Januar 1656 erstellte Nachlaßinventar de Werves (ebd., Bd. 180) ist nicht mehr erhalten).
Um 1684 nennt Balthasar Arend in seinem Zeit-, Jahr- und Tagweiser von Harlingerland den 11. Januar 1656 als Sterbedatum: An diesem Tage „starb zu Wien Herr Hermann de Werve, von Esens gebürtig, ein berühmter Mathematicus“ (Reimers, 1923, S. 28). Dieses Datum fand Eingang in die neuere Literatur und galt als sicher, bis Thomas Winkelbauer im Jahre 1999 einen Gewährsmann zu Wort kommen ließ, der wie kein anderer befugt war, über den Todestag de Werves Auskunft zu geben: Am 21. Januar 1656 schrieb Johann Ernst von Rautenstein, der Testamentsvollstrecker de Werves, an Gundaker von Liechtenstein, Hermann de Werve sei am 13. Januar 1656 gestorben und tags darauf bei St. Stephan begraben worden (Winkelbauer, 1999, S. 465, Anm. 115). Dieses Datum bestätigt eine Eintragung im Totenbeschauprotokoll der Stadt Wien, nach der Hermann de Werve am 14. Januar 1656 (neuen Stils) in einem Benefiziatenhaus am grünen Anger (Grünangergasse) in Wien im Alter von 72 Jahren an der Wassersucht beschaut worden ist (Wiener Stadt- und Landesarchiv, Totenbeschauprotokoll). Noch am selben Tage wurde er auf dem Friedhof bei St. Stephan begraben (Dom- und Metropolitan-Pfarramt St. Stephan, Wien, Totenbuch, Jänner 1656, Sterbeeintragung des „Herman De Merne“ [sic]).
Über die Ausbildung Hermann de Werves ist nur wenig bekannt. Er könnte die Lateinschule in Esens besucht haben, doch gibt es dafür keinen Beleg. Nachgewiesen ist hingegen der zweijährige Besuch der Lateinschule „Martineum“ in Braunschweig. Für ein Universitätsstudium konnten zwar keine Matrikeleinträge gefunden werden, doch ist ein solches als wahrscheinlich anzunehmen, denn seit 1607 war de Werve Pastor der lutherischen Gemeinde in Westerende bei Aurich (Reershemius, 1796, S. 150).
Zu den ostfriesischen Grafen in ihrer Residenz Aurich unterhielt de Werve gute Kontakte. Als Nachfolger seines ermordeten Mentors → David Fabricius gab Hermann de Werve einen Kalender heraus, dessen erster Jahrgang für 1619 er dem Grafen Anton Günther von Oldenburg widmete (überliefert ist nur der zweite Teil, das „Prognosticon Astrologicum“, Bibliothek …………………………………………). In derselben Zeit erschien der „Fausthammer Gottes“ mit einem Kometenbericht, wahrscheinlich die älteste Publikation de Werves (Prognostikum für 1619, S. A3b; Reershemius, 1796, S. 151; Zinner, 1941/64, S. 475, Nr. 4798a).
Im Jahre 1624 wurde Pastor Hermann de Werve aus seinem Amt in Westerende „removieret“ (Reershemius, 1796, S. 150). Er habe sich als Astrologe und „Herausgeber von Kalendern verdächtig gemacht und wurde deshalb seines Amtes entsetzt“ (Kochs, 1929, S. 174). Dieses Unglück verdanke er angeblich seiner Hantierung mit „‘allotriis‘; – was braucht ein schlichter Landpfarrer auch Astronom und Gelehrter zu sein“ (Houtrouw, 1891, S. 71). Vielleicht sei seine Amtsentsetzung durch „unordentlichen Wandel“ verursacht worden (Vries, 1878, S. 501).
Daß der entlassene Seelsorger weiterhin gute Beziehungen zu lutherischen Geistlichen in Ostfriesland pflegte, beweisen mehrere lateinische Gedichte, die Pastor Hermann Mesander in Norden (Prognostikum für 1635, S. A1b; Werve, 1636, S. A1b) und Pastor Leonard Justi in Nesse (Prognostikum für 1633, S. A1v; Prognostikum für 1634, S. A1b) zum Lobe de Werves verfaßt haben. Auch der Leibarzt des Grafen Anton Günther von Oldenburg, Anton Günther Billich, schrieb lateinische Gedichte zum Lobe de Werves (Prognostikum für 1639, S. A1b; Prognostikum für 1640, S. D4a; Prognostikum für 1642, S. D3b). Seiner alten Gemeinde war Hermann de Werve nicht gram, im Gegenteil: 1652 stifteten der inzwischen berühmte Astrologe und seine Frau der Kirche zu Westerende einen kostbaren Altar (Reershemius, 1796, S. 151f.).
Nach seiner Entlassung zog Hermann de Werve von Westerende nach Emden, wo er als „Medicus und Astronomus“ seinen Lebensunterhalt verdiente – anscheinend mit großem Erfolg! Noch erfolgreicher wirkte er als Kalenderschreiber. Seine Schriften waren so begehrt, daß fast keine anderen mehr verkauft werden konnten. Dieser Umstand und die Tatsache, daß de Werve seine Kalender zwar in Emden verkaufte, sie aber anderswo drucken ließ, führte bald zu Konflikten mit den einheimischen Buchdruckern und -händlern (Vries, 1878, S. 501f.). Auch die zunächst guten Beziehungen zum Magistrat der Stadt kühlten merklich ab. Schließlich wird de Werve vom Emder Fiskus als „ein Teufelsbanner, der mit unmenschlichen Teufelskünsten umgehe und ein wollüstiges Leben führe“, verklagt (Reershemius, 1796, S. 151; Vries 1878, S. 502; vgl. Matthäus, 1969, Sp. 1147). In Folge dessen wurde er der Stadt verwiesen (Kochs, 1929, S. 174). Darauf lebte er eine Zeitlang in Norden und Esens als Arzt und Astrologe. Sein Prognostikum für das Jahr 1633 ließ er in Hamburg bei Jacob Rebenlein drucken. Auf dem Titelblatt stellte sich der Autor vor als „Astronomum vnd Medicum zu Norden in Ostfrießland“. Von Norden zog de Werve nach Esens (Reershemius, 1796, S. 151). Um 1636 soll er hier neben seiner astrologisch-literarischen Tätigkeit auch die ärztliche Praxis ausgeübt haben (vgl. Reimers, 1923, S. 30).
Die Flugschriften und Kalender von de Werve waren in weiten Teilen Europas verbreitet. Er selbst schrieb 1653 dazu: „Gott lob vnd danck ohne Ruhm zu melden/ (meine Scripta [sind] nicht allein im Römischen Reich vnd Teutschland/ sondern in allen vmbligenden Königreichen vnd Landen/ in Jtalia/ in Franckreich/ Hispanien/ Engelland/ Schweden/ Dennemarck/ Polen/ Böhmen/ Vngarn bekand vnd angenehm“ (Werve, 1653, S. B4a–b, Ex. NSUB Göttingen). Als Beleg dafür können auch die in schwedischer Sprache verfaßten Almanache gelten, die für die Jahre 1646 bis 1657 in Strengnäß, Stockholm und Göteborg gedruckt wurden und heute in der Königlichen Bibliothek Stockholm aufbewahrt werden (vgl. Klemming/Eneström, 1878, S. vii und 7–10).
In dem Kurfürsten von Mainz, Anselm Casimir Wambold von Umstadt, der den Esenser Astrologen um 1636 in seinen Dienst nahm, fand de Werve einen mächtigen Beschützer. Er sei des Kurfürsten von Mainz untertäniger Diener geworden und habe von diesem die „gnädigste Zulassung“ erhalten, den Titel „Churmainzischen Astronomum“ öffentlich auf den Titelblättern seiner Schriften zu verwenden (Prognostikum für 1650, S. A4b). Anselm Casimir nahm seinen Astrologen 1636 mit nach Regensburg, wo die deutschen Kurfürsten zur Königswahl Ferdinands III. zusammenkamen. Hier konnte der rührige de Werve Beziehungen zu einflußreichen Persönlichkeiten anknüpfen. Die offene Parteinahme für den Kaiser und das Reich wird Hermann de Werve in Regensburg von Ferdinand III. mit einem Schutzprivileg für seine jährlichen „Observationes astrologicae“ auf Lebenszeit honoriert (Privileg Regensburg 29.10.1636, erneuert Wien 17.06.1638, siehe Koppitz, 2008, S. 594; vgl. Matthäus, 1969, Sp. 1148, Anm. 1121).
Von Regensburg reiste de Werve an den Kaiserhof nach Wien, wo er in den folgenden Jahren eine rege Tätigkeit als Astrologe, Arzt und Kalenderschreiber entfaltete. Der älteste Beleg für die Anwesenheit de Werves in Wien ist die Datierung der Widmung an Erzherzog Leopold Wilhelm in seinem Prognostikum für 1639: „Geben in der Röm. Käyserl. Hauptstadt Wien in Oesterreich/ den 26. Decemb. Anno 1637. Alten/ vnd 5. Januarij Newen Calenders/ Anno 1638.“ (S. )( )( 4b). Am 3. Mai 1638 erhielt de Werve vom kaiserlichen Hofzahlamt in Wien eine „Verehrung“ in Höhe von 150 Talern (Österreichisches Staatsarchiv, Finanz- und Hofkammerarchiv, Wien, Hofamtsbücher, Jahrgänge 1637–1656, hier 1638, fol. 412). Auch Seine Königliche Hoheit, Erzherzog Leopold Wilhelm, der Bruder des Kaisers, ließ Hermann de Werve 1647 eine Verehrung zukommen (Matthäus, 1969, Sp. 1148). Besonders stolz war de Werve aber auf seine goldenen Ketten, drei Ehrengaben von hohem ideellen und materiellen Wert, von denen die eine ihm „von dem Allerdurchleuchtigsten/ Großmächtigsten vnd Vnüberwindlichsten Röm. Käiser Ferdinando III. glorwürdiges Andenckens/ wie auch von Ferdinando III. jetzt regirenden Röm. Käis. Mäjest. auch eine güldene Ketten mit Ihren Bildnissen allergnädigste gegeben [worden seien]. Deßgleichen [habe ihm] auch Ihre Churfürstliche Gnaden zu Maintz/ auch neben seinem Bildnisse gnädigst eine [goldene Kette] verehret“ (Werve, 1653, S. B2a, Ex. NSUB Göttingen). De Werve übertrieb also nicht, wenn er um 1650 rückblickend dankbar bekannte: „Es ist mir aber in den 14. Jahren/ die ich an Käis. Maj. Hof in Wien oder sonsten gewesen/ von den höhesten Potentaten/ Fürsten/ Graven/ Generalspersonen/ Kriegsofficirern vnd vornemen Herren/ Geistlichen vnd Weltichen/ grosse Gnade/ Wolthat vnd Beförderung geschehen“ (Prognostikum für 1650, S. A4b).
De Werves Position bei Hofe war allerdings nie unangefochten. Heftige Attacken mißgünstiger Kalenderschreiber-Kollegen, missionierender Katholiken und überzeugte Astrologie-Gegner bedrohten ihn zunehmend in seiner Existenz. Schon 1644 bemerkte de Werve, es sei augenscheinlich, „daß man mir meine Rede vnd Schreiben zum ärgsten außlegt/ vnd nicht mehr damit außgerichtet/ als daß mir dadurch Freunde zu Feinde geworden/ vnd mit meiner sauren Arbeit/ an Statt einer gebührlichen Belohnung/ nur Feindschafft verdienet habe“ (Prognostikum für 1646, S. E3b). Bei Hofe musste sich der Protestant als Ketzer beschimpfen lassen (Prognostikum für 1642, S. C2b). Zudem wurde ihm der Aufenthalt in Wien durch die Zensurschikanen der Universität verleidet (vgl. den Antrag de Werves an den kaiserlichen Hof „auf Schutz vor Schädigung durch die Wiener Univ.“, nach Koppitz, 2008, S. 594). Vielleicht war das ein Grund mehr für ihn, nach Ostfriesland zurückzukehren.
De Werves Dienstherr, der Kurfürst Anselm Casimir von Mainz, starb am 9. Oktober 1647. Die Widmung in seinem Schreibkalender auf das Jahr 1652 unterschrieb de Werve: „Hermanno de Werve, Esena-Frisio or. weiland J Churf. Gn. zu Mäintz (glorwürdigsten Angedenckens) gewesenen/ jetzt Grävlichen Ostfrisischen Astronomo“ (Kalendarium für 1652, S. A1b). Eine Bestallung als ostfriesischer Astronom läßt sich allerdings hier nicht nachweisen (vgl. Matthäus, 1969, Sp. 1149, Anm. 1135).
Mitte der 1650er Jahre beteiligte sich Hermann de Werve an einer in Schreibkalendern und Flugschriften geführten öffentlichen Debatte, in der es um die theologischen und astrologischen Deutungsmöglichkeiten der großen Sonnenfinsternis vom 2./12. August 1654 ging (dazu ausführlich Herbst, 2010a, S. 35–144). Ausgangspunkt war ein Flugblatt, das 1652 in mehreren Versionen gedruckt und verbreitet worden war. Eine dieser Versionen hatte de Werve erneut in einer seiner Veröffentlichungen wiedergegeben (Werve, 1653). In dieser wie in seinen Schreibkalendern für 1655 und 1656 hing de Werve zwar noch dem alten Glauben an, nach dem die Finsternisse „Vorboten Gottes/ die Gottes Straff verkündigen“, seien, doch hätten die in dem Flugblatt von 1652 verkündeten Prophezeiungen vom unmittelbar bevorstehenden Jüngsten Tag und daß das „Römische Reich […] den Türcken in die Hände“ fallen würde, „kein Fundament“ (Prognostikum für 1656, S. D3b, vgl. Herbst, 2010a, S. 108). De Werve bezog hier Stellung gegen eine überzogene Ausdeutung der Sonnenfinsternis vom August 1654 und namentlich gegen → Israel Hiebner, den vermeintlichen Urheber des Angst und Schrecken verbreitenden Flugblattes.
1654 reiste de Werve noch einmal nach Regensburg und später über Prag (in seinem „Garten zu Prag“ hatte er die Sonnenfinsternis vom 2./12. August 1654 beobachtet, siehe die Notiz in de Werves Schreibkalender für 1656, zweiter Teil, S. D4a) weiter nach Wien. Auf dem Reichstag in Regensburg (1653/54) erhielt de Werve von Ferdinand III. 150 Gulden und von Ferdinand IV. 100 Gulden „pro dedicatione Calendarij“ (Oberhofmarschallamt, Wien, Testamente 1/1656). In Regensburg begegnete er auch Fürst Johannes Weickhard von Auersperg, der von Kaiser Ferdinand III. zum Erzieher seines Sohnes und Nachfolgers Ferdinand (IV.) berufen worden war. Am 24. Juli 1654 schrieb Raimondo Montecucoli an Octavio Piccolomini, „Auersperg habe in Regensburg bei dem Astrologen de Werwe ein Horoskop über seinen Schützling bestellt; dieser habe ihm gesagt, Ferdinand IV. werde König, Leopold Kaiser“ (Hengerer, 2004, S. 433, Anm. 1535). Tatsächlich wurde der junge Ferdinand in Regensburg planmäßig zum römisch-deutschen König gekrönt. Er starb jedoch, noch keine 22 Jahre alt, am 9. Juli 1654 in Wien, ohne Kaiser geworden zu sein, so dass sein jüngerer Bruder Leopold an seine Stelle trat. Nach dem Tode Ferdinands III. am 2. April 1657 wurde Leopold am 31. Juli 1658 als Leopold I. zum römisch-deutschen Kaiser gekrönt.
Am Ende seines Lebens war die große Zeit der Astrologie vorüber. De Werve erkrankte schwer, man hatte ihn bereits 1652 (vorzeitig) totgesagt. Kurz vor seinem Tod 1656 trat der Lutheraner de Werve zum katholischen Glauben über. Dazu schrieb Pater Jodok Kedd SJ an Gundaker von Liechtenstein am 5. Januar 1656 aus Prag: „Der [Hermann de] Wervee der berüembte calendermacher ist zu Wienn auf den todtkranckh, hatt sich gleich woll vor seinen endt zu resolviren gewist, und ist noch vorhero catholisch worden“ (Keller/Catalano, 2010, Bd. 6, S. 120f.; vgl. Winkelbauer, 1999, S. 464, Anm. 111). In Wien starb am 13. Januar 1656 der Astrologe, Arzt und Kalendermacher Hermann de Werve im Alter von 71 Jahren bzw. in seinem 72. Lebensjahr.
Neben den gedruckten Schriften sind auch Briefe überliefert, so von de Werve an Gundaker von Liechtenstein aus den Jahren 1653 und 1654 (Hausarchiv der regierenden Fürsten von Liechtenstein/Vaduz, Handschriften Nr. 279, 603, 605; vgl. Winkelbauer, 1999, S. 464f., 503f.) und an die Bürgermeister und den Rat von Emden aus den Jahren von 1621 bis ca. 1630 (Stadtarchiv Emden, Best. I, Nr. 457). Das ev.-luth. Pfarramt Westerende besitzt ein von de Werve 1610 angelegtes Kirchenbuch mit Eintragungen von dessen Hand.

Titel:
Deutsche Kalender:
(1) 1619–[?]: [Almanach ?] und Prognosticon Astrologicum, effte grothe Practica vp dat Jahr, Format 4°.
(2) 1621–1655[?]: Almanach und Practica, Format 4°.
(3) 1638–1670: Schreib=Calender, Format 4°.
(4) 1638–1670: Schreib=Calender, Format 8°.
Niederdeutsche Kalender:
(5) 1635[?]–[?]: Almanach vp dat Jahr, Format 12°.
Schwedischer Kalender:
(6) 1646–1657: Almanach eller Practica på thet åhret, Format 16°.
Druck und Verlag:
(1) 1619: Marx von der Heyde, Straßburg.
(2) 1621–[?]: Helwig Kallenbach d. Ä., Emden, [?]–1655: Endter, Nürnberg.
(3), (4) 1638–1670: Endter, Nürnberg.
(5) 1635: Jacob Rebenlein, Hamburg.
(6) 1646–1653: Zacharias Brockenius, Strengnäs, 1649[sic]–1655: Henrich Keyser, Stockholm, 1651[sic]–1657: Amund Grefwe, Göteborg.
Nachweis:
Herbst, 2008a, S. 165. Ergänzung für Reihe 4: NB Prag (Ex. für 1662), NB Warschau (Ex. für 1644), GLA Karlsruhe (Ex. für 1643, 1645, 1649), NLA Osnabrück (Ex. für 1648), StA Goslar (Ex. für 1654). Klemming/Eneström, 1878, S. 7–10. Matthäus, 1969, Sp. 1366. NLA Oldenburg (Reihe 1). UB Rostock (Ex. für 1621 der Reihe 2). Borchling/Clausen, 1976, Nr. 3248 (Reihe 5). VD17. KVK.
Online:
Kalendarium 1643 und zweiter Teil 1643 von (4), ab 1644 von (4), Prognosis Astromantica für 1634 [16.09.2014].
Andere Drucke (Auswahl):
Weil nicht sicher ist, ob die frühen Prognostiken tatsächlich immer jeweils als der zweite Teil eines Schreibkalenders (Almanachs) anzusehen sind oder nur als eigenständige Drucke erschienen, werden sie hier mit angeführt. Die mit „Prognosis Astromantica“ betitelten Drucke (gedruckt in Hamburg, Köln, Straubing, Nürnberg) hingegen sind sicher als zweite Teile von Schreibkalendern einzuordnen (vgl. z. B. den Kalender für 1638, SLUB Dresden, Chronol. 738, misc. 1 und 2) und werden hier nicht angeführt, sie sind für die Jahre ab 1632 über VD17 recherchierbar.
(1) Fausthammer Gottes. Das ist kurtzer bericht von dem lauff und bewegung des newen Cometens, welcher im Novembri und Decembri des 1618. jahres überal ist gesehen worden. [o.O. 1618.] Kein Exemplar überliefert, zitiert nach Zinner, 1941/64, S. 475, Nr. 4798a.
(2) Prodomus Aquilae Romanae Triumphantis. Oder Deß Triumphierenden Römischen Adlers Vorläuffer vnd in vollem Sporenstreich reitender Post=Bott: Das ist/ Kurtzer Vorläuffer/ vnd GeneralBeschreibung deß grossen vngewönlichen schnell= oder schleuniglaufenden Wundersterns/ so H. drey König Tag/ welcher ist 6. (16.) Januarius Alten Calend. Anno 1635. von 5. biß halber 10. deß Abends erschienen/ vnd von vielen zu Embden vnd Inwohnern in OstFrießland gesehen worden. […] Köln 1636 (Portr.). ULB Halle, Pon IIh 1062, QK. Online.
(3) Emunctorium. Liechtputzer. Das ist: Historischer Beschreibung was zu jeder zeit auff erscheinung der Cometen und Strobelstern/ Sonnen und Monden/ grosse Finsternussen/ und der Obern Planeten/ Aspecten gefolget: Neben vormeldung deß Wunderzeichens/ so in der Lufft den 22/12 Novemb. oben Cöllen am Rhein/ und deß Cometen so zu Rom den 28. Octobris gesehen worden […]. Straubing 1636. BSB München, Res 4 Astr. p. 492.
(4) Allervnterthänigste Gratulation vnd Glückwünschung/ Auff deß Heiligen Reichs […] Königliche Krönung/ welche geschehen ist den 30. Decembr: Glock 10. Vormittag nach dem newen Calender/ deß bald zu endlauffenden 1636. Jahres […] Reim vnd Gesangsweise gestellet […]. Im Thon: Wie schön leuchtet der Morgenstern/ etc. O. O. 1636. SBPK Berlin, Ye 6861. Online.
(5) Schlüssel Der Buchstaben vnd verblümbten Wort so Herr Hermann de Werve in seinem Calender unnd Practica über das Jahr 1643 führet und gesetztet […]. [Schmalkalden] 1643. SBPK Berlin, Na 8339.
(6) Prodromus Oder Vorlauffer. Redassiones Oder Verantwortung und Ehrnrettung Hermanni de Werve Astronomi, Auff Israel Hiebners von Schneeberg. 1. Ehrnrührige Schmähworte/ welcher er in seinem Phantastischen mit frembden Federn geschmückten Prognostico, auff Anno 1654. öffentlich drucken lassen/ etc. Bericht 2. Auff das Phantastischen Hiebners geträumte Weissagung von der grossen Finsterniß der Sonnen/ so sich Anno 1654. den 2. 12. Augusti begeben wird; Ob auch vor diesem solche grosse Finsterniß gewesen/ und ins künfftige noch geschehen werden? Vnd ob hierauff Anno 1654. Oder zum längsten Anno 1656. Jahr gewißlich der Jüngste Tag kommen wird/ wie dieser Phantast Hiebner phantasiert und ihm einbildet. 3. Von den vermeinten newen/ an etlichen Orten erschienenen Stern. 4. Auß hochtringender Noht und begehren/ hoher und vornemer Herrn/ der Warheit zu stewr/ öffentlich in Druck gegeben. O. O. 1653. FB Gotha, 4 Math 00176/04 (09); NSUB Göttingen, 4 BIBL UFF 278 (17).
(7) Erklärung der holländischen Schafscherey, d.i. Inthi Jansen vision von dreien Persohnen, o.O. u.J. Ex. in …………………………………..
Prognostiken (außer „Prognosis Astromantica“):
(8) Practica astrologica. o. O. 1627. Zitiert nach Reershemius, 1796, S. 151.
(9) Propheceyung Ehrn Hermanni De Werve P. Ostfriesischen Astronomi und Medici zu Norden/ Auß dem grossen Prognostico oder Prognosi Astromantica gezogen […]. O. O. 1628. HAB Wolfenbüttel, 202.79 Quod. (19).
(10) Propheceyung […] Wieder die falsche vnd vnwahrhafftige Propheceyungen/ so hin vnd wieder vnter meinem Nahmen außgesprenget/ vnd derhalben gezwungen/ dieses in offentlichen Druck außzugeben. O. O. 1637. SLUB Dresden, Magica. 147,111, misc. 1. Online.
(11) Mercurius, Oder Post=Botte/ Welcher des Himmels Astra/ vnd das gantze Römische Reich durchwandert/ vnd so wol des Gewitters alß anderer zufälligen dinge halber relation thut. […] vff das Jahr 1643. […] O. O. [1642]. HAB Wolfenbüttel, N 134c.4° Helmst. (3). Online.
Literatur (Auswahl):
Fritz Strahlmann: Hermann von Werve, noch ein Astronom aus Esens. In: Heimatklänge, Beilage zu Anzeiger für Harlingerland, 1934, Nr. 5.
Klaus Matthäus: Zur Geschichte des Nürnberger Kalenderwesens. Die Entwicklung der in Nürnberg gedruckten Jahreskalender in Buchform. In: Archiv für Geschichte des Buchwesens, Frankfurt am Main 1969, Bd. IX, Sp. 967–1396, hier Sp. 1147–1149.
Gerd Rokahr: Hermann de Werve, ein Astrologe aus Esens. Aus dem bewegten Leben des Kalendermachers Hermann de Werve (1584–1656?). In: Ostfriesland, Zeitschrift für Kultur, Wirtschaft und Verkehr, 1980, H. 4, S. 6–9, 32.
Ders.: Ein Esenser am Kaiserhof in Wien. Aus dem Leben des Astrologen Hermann de Werve. In: Friesische Heimat, Beilage zu Anzeiger für Harlingerland,1982, Nr. 3.
Ders.: Art. „Hermann de Werve“. In: Biographisches Lexikon für Ostfrieland. Bd. 2. Aurich 1997, S. 400–402.

Der Text beruht überwiegend auf der am 15. August 2014 geschickten materialreichen Zuarbeit von Gerd Rokahr (Esens), dem ich dafür herzlich danke. Diese Zuarbeit ist eine erweiterte, präzisierte und korrigierte Fassung des Artikels über Hermann de Werve im Biographischen Lexikon für Ostfriesland (BLO, 1993, Bd. 2, S. 400–402).

Erstellt: 17.09.2014
Letzte Aktualisierung: 08.01.2020

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