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Thurneysser, Leonhardt

Leonhardt Thurneysser

„Leonh. Thurneisser zum Thurn“; „Leonhardt Thurneysser zum Thurn/ Churfürstlicher Brandenburgischer bestalter Leibs Medicus“; „zu Rom Astronomus“ (Selbstbezeichnungen auf den Titelblättern, zit. 1572 (Reihe 1), 1580 (Reihe 3), 1591 (Reihe 4))
* 22.7.1531 Basel, † 9.7.1596 Köln
Kalender seit 1572, verfaßt bis 1597

Leonhardt Thurneysser war der Sohn des Goldschmieds Jacob Thurneysser in Basel. Er wurde am 22. Juli 1531 geboren und am 6. August getauft (Spitzer, 1996, S. 120, Anm. 22). Nach der Lehre bei seinem Vater war er als Gehilfe bei dem Arzt Johann Huber in Basel tätig. 1547 ging Thurneysser auf Wanderschaft und bereiste England und Frankreich. 1555 nach Basel zurückgekehrt, heiratete er Margaretha Müller (ebd., S. 16). Aus dieser Ehe ging der Sohn Hans Jacob, 1559 geboren, hervor (ebd., S. 16). 1558 oder 1559 mußte er Basel fluchtartig verlassen, nachdem er den Juden zu Weil mit einer „Stange vergoldeten Bleis“ betrogen hatte (ebd., S. 17). Er ging nach Konstanz und heiratete dort Anna Huettlin (gest. 1575), nachdem er 1563 von seiner ersten Frau in Basel geschieden worden war (ebd., S. 17). Seit 1559 war er im Bergbau und Hüttenwesen in Tarrenz (Tirol) tätig. Weitere Reisen im Auftrag von Erzherzog Ferdinand II. von Österreich durch Europa und Asien folgten von 1560 bis 1565. 1571 wurde Thurneysser Leibarzt von Johann Georg, Kurfürst von Brandenburg, was ihm ein Jahresgehalt von 1352 Talern einbrachte (ebd., S. 23). In Berlin bezog er eine Wohnung im Grauen Kloster und richtete dort eine eigene Druckerei ein (ebd., S. 24, 31; Spitzer, 1987, Bd. 1, S. 36–39, ein Verzeichnis aller Drucke in Bd. 2, S. 56–170; vgl. Reske, 2007, S. 100–102). Er wirkte als Verleger, Arzt, Alchemist, Apotheker, Astrologe, Kalendermacher und Geldverleiher, legte ein Naturalienkabinett, einen botanischen und einen zoologischen Garten an und schuf ein chemisches Laboratorium (Müller-Jahncke, 1998, S. 361; vgl. Spitzer, 1987, Bd. 1, S. 25). 1579 erlaubte der Kurfürst Thurneysser eine Reise nach Basel, wo er im Dezember 1579 das Bürgerrecht erhielt und am 7. November 1580 ein drittes Mal heiratete, die 27jährige Marina Herbrott (Spitzer, 1996, S. 109). Im Januar 1581 ging Thurneysser erneut nach Berlin, wohin ihm seine Frau im Februar 1582 folgte. Nur vier Wochen später verstieß er jedoch seine Frau und schickte sie zurück nach Basel (der anschließende Streit vor Gericht ruinierte sein Vermögen von geschätzten 100.000 Gulden; Spitzer, 1996, S. 110). 1584 verließ er Berlin endgültig. Ab Sommer 1584 wirkte Thurneysser in Rom und ab 1590 in Konstanz als Arzt des Konstanzer Bischofs und Kardinals Marcus Sitticus II. von Hohenems. Hier lernte er auch → Leonhard Straub kennen, der für ihn Kalender druckte. Anfang Juli 1596 kam er in Köln an und starb dort am 9. Juli 1596 morgens um 4 Uhr im Haus eines Goldschmiedes (Eikermann, 2012, S. 125).
Wissenschaftshistorisch gilt Thurneysser, der von den Werken Paracelsus’ beeinflußt war, einerseits als ein in der magischen Tradition stehender Gelehrter, andererseits als ein Forscher mit beachtlichem Wissen „in der Medizin, der Metallurgie und dem Bergwesen“ (Müller-Jahncke, 1998, S. 361). Er publizierte zahlreiche alchemistische, astrologische und medizinische Bücher und hinterließ zahlreiche Manuskripte und Briefe (überliefert in Archiven z. B. in Berlin – allein hier 20 Briefbände mit ca. 4500 Blatt (Spitzer, 1987, Bd. 2, S. 48–55; Spitzer, 1996, S. 27, vgl. S. 139–143), Uppsala, Wrocław, Basel; vgl. „Frühneuzeitliche Ärztebriefe“, Datenbank „Thurneysser“). Thurneysser ist „als innovative Persönlichkeit zu würdigen, die für die Wissenschafts- und Kulturgeschichte in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts von herausragender Bedeutung war“ (Spitzer, 1996, S. 12). Mit seinen Büchern und den darin enthaltenen überhöhten Selbstdarstellungen geriet Thurneysser aber auch in das Spannungsfeld zwischen Scharlatanerie und Expertise (siehe Bulang, 2011; Bulang, 2012; Bulang, 2013a; Bulang, 2013b).
Die einzigen vordergründig astronomischen Schriften verfaßte Thurneysser über die Supernova von 1572 und den Kometen von 1577 (andere Drucke, Titel 5 und 10). Das in der Marienbibliothek Halle überlieferte Exemplar der Kometenschrift (R 3.85 (20)) trägt auf dem Titelblatt eine handschriftliche Widmung von Thurneysser, der dieses Exemplar dem Brandenburgischen Kanzler Lampert Distelmeier schenkte („donat Leo. Thur. zu[m] thurn“).
Den ersten Schreibkalender verfaßte Thurneysser 1571 für das Jahr 1572. Gedruckt wurde dieser Kalender von Johann Eichhorn d. Ä. in Frankfurt an der Oder (Fricke, 1966, S. 46; Spitzer, 1996, S. 100). Die jährliche Auflage erreichte eine Höhe von „1200 Stück“ (Juntke, 1978, Sp. 1362, Juntke bezog sich auf Moehsen, S. 129, wo diese Zahl aber nicht steht, bei Moehsen heißt es auf S. 119 [sic] lediglich, daß „jedes Jahr eine sehr große Auflage“ erschien) bzw. „bis 1200“ (Spitzer, 1987, Bd. 1, S. 76, hier ohne Angabe einer Quelle; vgl. Spitzer, 1996, S. 106, wo die Zahl 1200 übernommen und an anderer Stelle (S. 24) auf „2000 Stück und mehr“ erhöht wird). Mit dem in Leipzig gedruckten Kalender für 1575 begann auch in dieser Stadt die Herstellung der großen Schreibkalender (Herbst, 2014b, S. 361). Aus der von 1574 bis 1577 betriebenen eigenen Offizin sind Quartkalender für 1576 und 1578 sowie eine „Kurtze Practick“ in Oktav überliefert. Nachdem Thurneysser 1577 einen Schlaganfall erlitten hatte, verkaufte er die Druckerei an seinen Setzer Michael Hentzke, der dann weitere Kalender von Thurneysser herausbrachte. Diese Berliner Reihe wurde nach Hentzkes Tod von Nicolaus Voltz, der Hentzkes Witwe heiratete (Spitzer, 1987, Bd. 1, S. 42, 54), gedruckt. Daß Thurneysser auch für die Jahre 1585 bis 1590, in denen er in Italien weilte, große Schreibkalender herausbrachte, kann nur vermutet werden. Den kleinen Kalender für 1591, den Johann Francke in Magdeburg verlegte, verfaßte er laut Titelblatt offenbar „zu Rom“ (Karl Sudhoff sah dieses Exemplar in der „Fürstlichen Bibliothek zu Wernigerode“, siehe Sudhoff, 1909, S. 131). Dort war ebenfalls ein kleiner „Calender“ für 1596 überliefert, den Johann Beck in Erfurt druckte. Den letzten Kalender schrieb Thurneysser im Jahr 1596 in Köln für 1597. Er richtete diesen auf seine Geburtsstadt Basel, ließ ihn von Johann Beck in Erfurt drucken und von Georg Straub in St. Gallen verlegen (vgl. Juntke, 1980, Sp. 707f.).
Als Thurneyssers „Discipel“ (Schüler) bezeichneten sich die Kalendermacher → Heinrich Matthaeus und → Berner Hartman, die beide ihre Kalender in Erfurt drucken ließen, Matthaeus bei Martin Wittel (in Verlegung Paul Brachfelds, Frankfurt am Main) und Hartman bei Jacob Singe, sowie → Bernhard Messing und → Heinrich Winand. In dem in St. Gallen gedruckten Kalender für 1592 bekannte Thurneysser allerdings, daß er keine „Discipel“ habe (Quellenzitat 1). Schon in seiner „Admonition Oder Warnung“ von 1591 (anderer Druck, Titel 22), schrieb er mit spitzer Feder gegen drei vermeintliche Schüler an, die jeweils einen Kalender für 1590 ohne ihre Namen zu nennen und an einem „vnbekandt ort deß truckens/ nemblich zue Notto Pyrgen“ herausgebracht hatten (Quellenzitat 2). Solche Kalender von „Leonhart Thurneissers zum Thurn Discipel/ etc.“ sind für mehrere Jahre überliefert: 1590 (MB Halle, R 3.67 (43)), 1591 (SBPK Berlin, Oz 23; ULB Darmstadt, Hs 3460 (12)), 1592 mit separatem Prognosticon (MB Halle, R 3.68 (31), (34)), 1593 von „Dis. Hadr. Bart.“ (MB Halle, R 3.69 /4)), 1594 (ULB Darmstadt, Hs 3460 (15)), 1596 eine „Practica“ (MB Halle, R. 3.70 (22)). Da hier stets „Gedruckt zu Notopyrgen“ angegeben wurde, sind diese „Discipel“ nicht mit Hartman und Matthaeus zu verwechseln. Darüber gibt auch eine Flugschrifft von Heinrich Matthaeus aus dem Jahr 1591 Auskunft, der damit auf Thurneyssers „Admonition“ reagierte. Matthaeus zeigte anhand eines Textvergleichs, daß die Kritik von Thurneysser nicht auf seinen Kalender für 1590 zu beziehen sei, weil „der Autor meinen Calender nicht vorgenommen“ habe (Matthaeus, 1591, S. A3b). Auch hatte Matthaeus den Verleger Paul Brachfeld in Frankfurt am Main genannt und seinen Namen mit den Initialen „H. M. S.“ angedeutet, was „heist Heinrich Matthi Stetinensis“ (ebd., S. A3a). Daß sich Matthaeus (Matthi ist die verkürzte Form von Matthaei) als Schüler von Thurneysser bezeichnet hatte, begründete er damit, daß er Thurneyssers „hinderlassene Bücher vleissig durch[ge]lesen“ und „auch mitt jhm conuersiret/ [sic] vnd zwar von Astrologischen sachen“ (ebd., S. A3a). Somit waren sich Matthaeus und Thurneysser einmal begegnet.
Weitere Drucker bedienten sich des Namens „Thurneysser“ auf dem Titelblatt eines Schreibkalenders oder Prognostikums, um Käufer anzulocken. Bekannt sind neben Wittel und Singe die ebenfalls Erfurter Drucker Johann Beck (für 1604, Zinner, 1941/64, S. 332, Nr. 4021a) und Martin Spangenberg (für 1608, ebd., S. 342, Nr. 4209) sowie Paul Donat (für 1594, ZKAAD, 1987–1993, Teil 4, S. 342, Nr. 4198) und Johann Francke (für 1595 und 1601, ebd., S. 343, Nr. 4220 und S. 352, Nr. 4320) in Magdeburg (vgl. Juntke, 1980, Sp. 711–716), Johann Ludwig Brem in Lindau (für 1595, ZKAAD, 1987–1993, Teil 4, S. 344, Nr. 4221, und für 1596, BSB München Res/4 Astr. p. 516,36, online), Valentin Fuhrmann in Nürnberg (für 1601 und 1606, Zinner, 1941/64, S. 325, Nr. 3922 und S. 338, Nr. 4122, vgl. Matthäus, 1969, Sp. 1126). Offenbar wurde Thurneyssers Name sogar für skandinavische Kalender verwendet, denn ein solcher ist mit einem „Prognosticon Eller Practica, Paa det Aar, effter vor Herris Jesu Christi Naaderige Fødsel M.D.XCI.“ (Format Sedez, Druck Lorenz Benedich, Kopenhagen) in Bibliotheken in Aarhus, Kopenhagen und Uppsala überliefert (für diesen Hinweis danke ich Herrn Dr. Jürgen Hamel).
Bis in die Mitte der 1580er Jahre sind Thurneyssers Kalender teilweise mit und teilweise ohne dessen Erlaubnis an anderen Orten (z. B. Leipzig und Erfurt) nachgedruckt worden (Moehsen, 1783, S. 119f.; Spitzer, 1987, Bd. 1, S. 80, 119f.). Ein Beispiel für einen erlaubten Nachdruck ist der Kalender für 1584. Briefe belegen, daß er auch in Leipzig von Nickel Nerlich gedruckt wurde (Spitzer, 1996, S. 106), obwohl auf dem Kalender selbst nur Nicolaus Voltz in Berlin genannt wird. (Vermutlich ein ähnlicher Fall liegt bei → Caspar Bucha vor.) Der Preis für einen Nachdruck betrug bis zu 60 Taler und 200 Freiexemplare (ebd., S. 107; vgl. Spitzer, 1987, Bd. 1, S. 80, 119f. und Eikermann/Kaiser, 2012, S. 180).
Da insbesondere in den 1590er Jahren und noch zu Beginn des 17. Jahrhunderts Thurneyssers Name als Kaufanreiz auf den Titelblättern von nicht von Thurneysser verfaßten Kalendern und Praktiken (Prognostiken) erschien, seien hier die Exemplare mit Standortnachweisen aufgelistet, die zweifelsfrei aus der Feder von Thurneysser stammen:
1572: Allmanach/ sammpt der Practica, 4°, Druck Johann Eichhorn d. Ä., Frankfurt/Oder (SBPK Berlin, Oz 16-1; UB Leipzig, Hist. HW 160 o).
1575: Allmanach vnnd Schreib Kalender, 4°, Druck Johann Beyer, Leipzig (SNB Bern, PK 6719).
1576: Allmanach vnd schreib Kalender, 4°, Druck Leonhardt Thurneysser, Berlin (MB Halle, R 3.64 (1).
1577: Allmanach vnnd Schreib Kalender, 4°, Druck Johann Beyer, Leipzig, Verlag Simon Hüter, Leipzig und Sigmund Feyerabend, Frankfurt/Main (MB Halle, R 3.64 (2); ETH Zürich, Rar 1381, online; StA Wertheim, G-Rep. 107, Nr. 6).
1578: Allmanach vnnd Schreib Kalender, 4°, Druck Johann Beyer, Leipzig, Verlag Simon Hüter, Leipzig und Sigmund Feyerabend, Frankfurt/Main (SBPK Berlin, 4 Ok 1271 (1), online).
1578: Allmanach vnd schreib Kalender, 4°, Druck Leonhardt Thurneysser, Berlin (MB Halle, R 3.64 (9); BSB München, Res/Chrlg. 328 q-1578, online; UB Basel, Ki Ar A I 8: 1; BP Rom, Mikrofiche E 451).
1578: Kurtze Practick, 4°, Druck Leonhardt Thurneysser, Berlin (SBPK Berlin, Ok 5326).
1579: Allmanach vnd schreib Kalender, 4°, Druck Michael Hentzke, Berlin (MB Halle, R 3.64 (16); SN Bern, PK 6719; MM Berlin, 16. Jh. 1/1/5; StA Stralsund, E 4° 997a (1); BSA Nürnberg, Rep. 129, Nr. 249/9; StA Wertheim, G-Rep. 107, Nr. 21; BP Rom, Mikrofiche U 5).
1580: Allmanach vnd SchreibKalender, 4°, Druck Michael Hentzke, Berlin (SBPK Berlin, 4 Ok 1271 (9), online; SBPK Berlin, Ms. Boruss. 4°121; StiftsA Klosterneuburg, Kalendersammlung, ein zweites Exemplar als Fragment; BP Rom, Mikrofiche F 1844).
1580: Calendarivm Et Ephemeris, 4°, und Prognosticon Catholicon, lat., Druck Michael Hentzke, Berlin (MB Halle, R 3.64 (23); BSB München, 4 Eph.astr. 156,4, online; ULB Darmstadt, Hs 3460 (1); StA Wertheim, G-Rep. 107, Nr. 23).
1581: Calendarivm Et Ephemeris, 4°, und Prognosticon Catholicon, lat., Druck Michael Hentzke, Berlin (ULB Darmstadt, Hs 3460 (2)).
1581: Allmanach vnd SchreibKalender, 4°, Druck Michael Hentzkes Erben, Berlin (MB Halle, R 3.64 (44); ZB Solothurn, S 5.1; StA Hildesheim, VII A 82/1).
1582: Allmanach vnd SchreibKalender, 4°, Druck Michael Hentzkes Erben, Berlin, Verlag Simon Hüter, Leipzig und Sigmund Feyerabend, Frankfurt/Main (MB Halle, R 3.65 (0); BGKl Berlin, 4908/1-4; StiftsA Klosterneuburg, Kalendersammlung; StA Hildesheim, VII A 82/1).
1583: Allmanach vnd SchreibKalender, 4°, Druck Nicolaus Voltz, Berlin, Verlag Simon Hüter, Leipzig und Sigmund Feyerabend, Frankfurt/Main (MB Halle, R 3.65 (8); SN Bern, PK 6719; SBPK Berlin, Oz 16-2; GNM Nürnberg; BL London; StA Hildesheim, VII A 82/1; ULB Darmstadt, Hs 3460 (4); StA Wertheim, G-Rep. 107, Nr. 9).
1583: Almanach vnnd Schreibkalender, 4° Druck Johann Beck, Erfurt, Verlag Simon Hüter, Leipzig und Sigmund Feyerabend, Frankfurt/Main (BP Rom, Mikrofiche E 458).
1584: Allmanach vnd SchreibKalender, 4°, Druck Nicolaus Voltz, Berlin (MB Halle, R 3.65 (12); SBPK Berlin, Oz 16-3; MM Berlin, 16. Jh. 1/1/5; BL London; StA Hildesheim, VII A 82/1; NB Prag, 14 G 165.adl. 2, Fragment ab Bogensignatur C1a; BP Rom, Mikrofiche E 1065).
1591: Allmanach vnnd Schreibkalender, 8°, Verlag Johann Francke, Magdeburg (ehemals Fürstliche Bibliothek Wernigerode, nach Sudhoff, 1909, S. 131).
1591: Kalender und Praktik, 4°, enthalten in: Admonition […] (anderer Druck, Titel 22), Druck Leonhard Straub, Rorschach (Stift St. Gallen, DD M V 4 (Kalender); ZB Zürich, 18.464 (Praktik), online).
1592: Calender / Oder Allmanach Vnd Schreibtaffel, 4°, Druck Leonhard Straub, St. Gallen (MB Halle, R 3.68 (32)).
1594: Allmanach oder Schreibtaffel, 4°, Druck ?, Verlag Georg Straub, St. Gallen (StA Wertheim, G-Rep. 107, Nr. 17).
1595: Allmanach vnd Schreibcalender, 4°, Druck Leonhard Straub, Konstanz (ULB Darmstadt, Hs 3460 (16)).
1595: Schreibkalender und Allmanach, 4°, Druck ?, Verlag Georg Straub, St. Gallen (StA Wertheim, G-Rep. 107, Nr. 24).
1595: Kurtze Practic, 4°, Druck Leonhard Straub, Konstanz, MB Halle, R 3.70 (12); StB Trier, D 1114: 3 in, online).
1596: Allmanach vnnd Schreibkalender, 4°, Druck Johann Beck, Erfurt, Verlag Georg Straub, St. Gallen (StA Wertheim, G-Rep. 107, Nr. 25).
1596: Calender, 8°, und Prognosticon, 8°, Druck Johann Beck, Erfurt (ehemals Fürstliche Bibliothek Wernigerode, nach Sudhoff, 1909, S. 134).
1597: Allmanach vnnd Schreibkalender, 4°, Druck Johann Beck, Erfurt, Verlag Georg Straub, St. Gallen (MB Halle, R 3.71 (1)).
Eine systematische Analyse aller Vorreden bzw. Widmungsbriefe in diesen Schreibkalendern, die alle über mehrere Seiten gehen und in denen Thurneysser sich gegen die Angriffe der Neider und Feinde (z. B. Dr. Hofmann in Frankfurt an der Oder, Thomas Erastus in Heidelberg, Georg Rollenhagen in Magdeburg, Franz Joel in Rostock, nach Spitzer, 1987, Bd. 1, S. 122f.) wehrte sowie seine Ansichten über die Astrologie vorstellte, steht noch aus (eine erste Analyse der in der Marienbibliothek Halle überlieferten Kalender bis 1684 findet man in Juntke, 1978; vgl. zum Kalender für 1575 Herbst, 2014b, S. 361–363).
Thurneyssers Bekanntheitsgrad war so groß, daß er auch noch im 19. Jahrhundert als literarische Figur bei E. T. A. Hoffmann in dessen „Gespenster in der Friedrichstadt. Berlinische Geschichte“ (Ausgabe Märkischer Dichtergarten, Bd. 6, 1986) auftauchte (Spitzer, 1987, Bd. 1, S. 6).

Titel:
Deutsche Kalender:
(1) 1572–[?]: Almanach sampt Practica, Format 4°.
(2) 1575–1578: Allmanach vnnd Schreib Kalender, Format 4°.
(3) 1576–1584[?]: Allmanach vnd Schreib Kalender, Format 4°.
(4) [1591?]–[?]: Almanach vnnd Schreibkalender. [?]–[1597?]: Calender, Format 8°.
(5) 1592–1595[?]: Calender/ Oder Allmanach Vnd Schreibtaffel, Format 4°.
(6) 1595–1597: Allmanach vnnd Schreibkalender, Format 4°.
Lateinischer Kalender:
(7) 1580–1581: Calendarivm Et Ephemeris Sive Diarivm cvm Prognostico Meteorologico & Astrologico interferto, Format 4°. Der zweite Teil dieses Schreibkalenders ist ein „Prognosticon Catholicon“.
Druck und Verlag:
(1) 1572: Johann Eichhorn d. Ä., Frankfurt an der Oder.
(2) 1575–1576: Johann Beyer, Leipzig, 1677–1678: Druck Johann Beyer, Leipzig, Verlag Simon Hüter, Leipzig und Sigmund Feyerabend, Frankfurt am Main.
(3) 1576–1578: Leonhardt Thurneysser, Berlin, 1579–1580: Michael Hentzke, Berlin, 1581–1582: Michael Hentzkes Erben, Berlin, Verlag Simon Hüter, Leipzig und Sigmund Feyerabend, Frankfurt am Main, 1583: Druck Nicolaus Voltz, Berlin [und Johann Beck, Erfurt], Verlag Simon Hüter, Leipzig und Sigmund Feyerabend, Frankfurt am Main; 1584: Druck Nicolaus Voltz, Berlin [und Nickel Nerlich, Leipzig], Verlag ?.
(4) [1591?]–[?]: Druck ?, Verlag Johann Francke, Magdeburg, [?]–[1597?]: Druck Johann Beck, Erfurt, Verlag ?.
(5) 1592–[?]: Georg Straub, St. Gallen, [?]–1595[?]: Leonhard Straub, Konstanz.
(6) 1595: Leonhard Straub, Konstanz, [1596?]: Druck Johann Beck, Erfurt, Verlag ?, 1597: Druck Johann Beck, Erfurt, Verlag Georg Straub, [St. Gallen].
(7) 1580: Michael Hentzke, Berlin.
Nachweis:
Herbst, 2008a, S. 155. Herbst, 2014b, S. 361, 389. Wernicke, 2012a, S. 40. Zinner, 1941/64, S. 247, Nr. 2509 (Vorhersage, lat., Münster 1569) und passim. ZKAAD, 1987–1993, Teil 4, S. 315, Nr. 3877 (Kalender für 1572) und passim. Juntke, 1978, Sp. 1395–1400. Juntke, 1980, Sp. 685, 701. Sudhoff, 1909 (Kalender in 8°). VD16. CERL.
Online:
(1) 1572 [27.02.2017],
(2) 1577, 1578,
(3) 1578, 1580, 1583, 1584, Prognostikum 1594,
(7) 1580 [23.02.2015].
Andere Drucke:
Vgl. Spitzer, 1987, Bd. 2, S. 2–47; Eikermann/Kaiser, 2012.
(1) Archidoxa Dorin der recht war Motus, Lauff vnd Gang/ auch heymlikait/ wirkung vnd krafft/ der Planeten/ Gstirns/ vnd gantzen Firmaments/ Mutierung/ vnd ausziechung aller Suptiliteten, vnd das Finfte wesen/ auss den Metallen […] in suma, alle verborgne Misteria/ der Medicina/ Alchemeya/ vnnd anderer Freyen Könsten. Münster 1569. SBPK Berlin, Mu 1991. Berlin 1575. BSB München, 2 P.o.germ. 43. Online [17.02.2015].
(2) Quinta Essentia, Das ist/ Die höchste subtilitet/ krafft vnd wirckung/ beyder der fürtrefflichsten/ vnd menschlichem geschlecht am nützlichsten Künsten/ der Medicin vnd Alchemy/ Auch wie nahe diese beyde mit sipschafft gefreund vnd verwandt sin/ Vnd das eine ohn beystandt der andern nicht nütz sey/ oder in den menschlichen cörpern zuwircken kein krafft habe. […]. Münster 1570, zitiert nach der Ausgabe Leipzig 1574. BSB München, Res/2 M. med. 108. Online [17.02.2015].
(3) Prokatalepsis [griech. Typo.] Oder Praeoccupatio, Durch zwölff verscheidentlicher Tractaten/ gemachter Harm [sic] Proben. Frankfurt an der Oder 1571. BSB München, Rar. 2310, Beibd. 1. Online [17.02.2015].
(4) Pison. Das erst Theil. Von Kalten/ Warmen Minerischen vnd Metallischen Wassern/ sampt der vergleichunge der Plantarum vnd Erdgewechsen 10. Buecher. Frankfurt an der Oder 1572. BSB München, Rar. 2310. Online [17.02.2015].
(5) [Einblattdruck] Tereseis Meteorologikai [griech. Typo.] Stellae prodigiosae, Anno 1572. den 8. tag Nouembris in Dodecatamorio Tauri/ am vndersten teil des halses des himlischen Bildes der Cassiopeae genandt […]. [Frankfurt an der Oder 1573]. SBPK Berlin, Libri impr. rari, fol. 602.
(6) [Einblattdruck] Warhafftige Abconterfeyung oder gestalt/ des angesichts Leupolt Jüden/ sampt fürbildung der Execution/ […] den 28. Jenners/ 1573, zu Berlyn/ […]. 1573. BSB München, Einbl. II, 14.
(7) Bebaiosis agoniomu [griech. Typo.] Das ist Confirmatio Concertationis/ oder ein Bestettigung deß Jenigen so Streittig/ Häderig/ oder Zenckisch ist/ wie dann auß vnuerstandt die Neuwe vnd vor vnerhörte erfindung der aller Nützlichesten vnd Menschlichem geschlecht der Notturftigesten kunst des Harnprobirens ein zeitlang gewest ist. […]. Berlin 1576. BSB München, Res/2 Anat. 74 w. Online [23.02.2015].
(8) [Einblattdruck] Regiment. Kurtzer vnd einfeltiger Bericht, wie sich in eingefallner Göttlicher straff, welche von wegen vnser sünde […] durch die ietzwirckende gifftige Ruten seines zorns, der Pestilentz […] zuhalten sey […]. Berlin 1676. UB Basel, Mscr. Frey-Gryn. 113, fol. 30, zitiert nach Eikermann/Kaiser, 2012, S. 182, Nr. 14.
(9) Deß Menschen Circel Lauff […]. Berlin 1577. BSB München, Res/2 Astr. p-8h. [Das sind 8 Tafeln zur Darstellung der Planetenbewegung, 1575–1583, ursprünglich für „Archidoxa“ (Titel 1) gedruckt].
(10) Ein Kurtzer vnn Einfeltiger bericht/ […] vber den 136. vnnd inn disem lauffenden 77. Jar am 19 tag Octobris erstlich erschinenen Cometen […]. Berlin 1577. BSB München, Res/4 Astr. p-438. Online [17.02.2015].
(11) Historia Vnnd Beschreibung Influentischer/ Elementischer vnd Natürlicher Wirckungen/ Aller fremden vnnd Heimischen Erdgewechssen/ auch jrer Subtiliteten/ sampt warhafftiger vnd Künstlicher Conterfeitung derselbigen/ auch aller teiler/ Innerlicher vnd Eusserlicher glider am Menschlichen Cörper/ nebend fürbildung aller zu der Extraction dienstlichen Instrumenten/ auch deren gebrauch/ vnd allen zu erhaltung der gesundheit notwendigen Processen gemeinen nutz zu guet. Berlin 1578. BSB München, 2 M. med. 104. Online. Neudruck Köln 1581. Köln 1587. SLUB Dresden, Chem. 25.b.misc.2. Online [17.02.2015]. Reprint der Ausgabe 1587, München 1922.
(12) Historia sive Descriptio Plantarvm Omnivm, Tam Domesticarvm Qvam Exoticarvm […]. Berlin 1578. BSB München, Res/2 Phyt. 289. Online [17.02.2015].
(13) Ein warhafftige vnd Erschröckliche Geschicht/ so sich begeben hat den andern tag Junij/ auff Sant Marcellin tag/ zu Franckfurt an der Ader [sic]/ wie man 24 Juden verbrendt hat […]. Frankfurt an der Oder 1579. BSB München, Res/4 P.o.germ. 227,24. Online [11.03.2015].
(14) Kurtze Verantwortung/ Vnn notwendige Erenrettung des Edlen/ Hoch vnd Weitberühmpten Herren Leonhart Thurneissers zum Thurn/ Churfürstlichs Brandenburgischs bestalten Leibs Medici vnnd Burgers zu Basel/ Auff Die vnbesunnenen/ vbelgegründten/ mit Neid vnd falscher Anklag/ wie eine Sackpfeiff mit blast außgefülten/ aber mit Vnchistelichen gleißnerischen tücken vnd giftgellischer Bitterkeit/ wie ein Igel mit Stachlen vberzogen/ vorlognen/ Ehrendiebischen Theses, disputationes vnd Schmehschrifften Frantz Ioels deß Leugcentiaten zu Grypßwaldt in Pommern. Basel 1580. UB Basel, Wach 1713. Online [20.02.2015]. UB Wrocław, 394 601.
(15) Leonhardts Thurneissers zum Thurn, Antwort Auff die den Klägern (woher jr Maulbere(n) entsteth, oder wohin auß es reicht) selbs vnwissende Klag […]. [Berlin] 1580. Zitiert nach Eikermann/Kaiser, 2012, S. 187, Nr. 29.
(16) Mel'o [hebr. Typ.] Kai Ekplerosis [griech. Typ.] Vnd Impletio oder Erfülltung/ der verheissung Leonhart Thurneyssers zum Thurn/ Churfürstlichs Brandenburgischs bestalten Leibs Medici/ vnd Burgers zu Basel. Welche zusagunge/ von jhne zu Berlin Anno 1580. den v. tag Martij (wegen der [griech. Typo.] oder Explication seines Calenders) zu leisten beschehen. […]. [Nürnberg] 1580. BSB München, Res/4 Astr. p. 438-x. Online [17.02.2015]. Korrigierte Ausgabe Nürnberg 1581.
(17) Kai Hermeneia [griech. Typo.] Das ist ein Onomasticvm vnd Interpretatio oder außführliche Thurneyssers zum Thurn/ Churfürstlichs Brandenburgischs bestalten Leibs Medici. Vber Etliche frembde vnn (bey vielen hochgelarten/ die der Lateinischen vnd Griechischen Sprach erfahren) vnbekante Nomina, Verba, Prouerba, Dicta, Sylben/ Caracter, vnd sonst Reden. […] Das Ander theil. […]. Berlin 1583. SLUB Dresden, Chem. 26. Online [17.02.2015].
(18) Tabvla Qvarvndam Syllabarvm, […] Tafel etlicher Sylben/ durch welche zwo vnd dreissig uehrnehmer/ gemeiner/ noch dieser zeit gebreuchlicher oder bekanter/ Vnd dann acht vnd sechtzig frembder […] Sprachen/ inhalts der fuenff Vocalium/ vnd anderer Regalischen vnd Ministerischen Accenten/ Puncten vnd Virgulen […] nach art der fuergestalten Siebentzehen sonderlichen Schriefften/ geschrieben/ gelesen/ vnd außgesprochen werden moegen. Mit beysatz etlicher […] frembden Alphabeten/ welche in dem andern Theil des Onomastici nicht begriffen. Berlin 1583. [Enthalten in Titel 16]. SBPK Berlin, Bibl. Diez fol. 1084. Online [18.02.2015]. Berlin 1587. HAAB Weimar, Dd 1: 14.
(19) Megale Chymia, Vel Magna Alchymia. Das ist ein Lehr vnd vnterweisung von den offenbaren vnd verborgenlichen Naturen/ Arten vnd Eigenschafften/ allerhandt wunderlicher Erdtgewechsen/ als Ertzen/ Metallen/ Mineren, Erdsaefften/ Schwefeln/ Mercurien, Saltzen vnd Gesteinen. […] Jtem Onomasticvm vnd Interpretatio oder außfuerliche Erklerung/ […]. Berlin 1583. BSB München, Res/2 Alch. 2. HAB Wolfenbüttel, A: 8 Quod. 2° (2). Köln 1587. BSB München, Res/2 Alch. 13. HAB Wolfenbüttel, S: Alv: Nc 51 (1) 2°. Online [18.02.2015].
(20) Ein Durch Nothgedrungens Außschreiben Mein: Leonhardt Thurneyssers zum Thurn/ Der Herbrottischen Blutschandsverkeufferey/ Falschs vnd Betrugs: Auch der Mir vnd meinen Kindern/ zu Basel beschehenen Iniurien/ Gewaldthat/ Spolirung vnd Rechtßversagung halber. [Berlin] 1584. BSB München, Res/Decis. 155. Online [17.02.2015].
(21) Herrn Leonhardi Thurneyssers Bedencken, was er von Exorcisterey halte […]. Das VII. Tractätlein. In: Theatrvm De Veneficis. Das ist: Von Teuffelsgespenst Zauberern vnd Gifftbereitern […]. Frankfurt am Main 1586, S. 193–202. BSB München, Res/2 Phys.m. 21#Beibd.1. Online [11.03.2015].
(22) Admonition Oder Warnung An alle Ehr vnnd Warheit liebende Menschen. Auß deren eygentlich zu erkennen/ daß der falsche Lugen=Kalender/ so verschiener Herpstmeß Anno 1590. zu Franckfort vnd anderswo offentlich verkaufft worden. Dessen Tittel jnnhalt: Daß denselbigen Calender Thurneysser auff Magische weiß zu Rom/ auff das 1591. Jahr calculiert vnd beschrieben/ vnnd den zu trucken befohlen haben sollte. Er aber ermeldet Calender nicht sein/ sonder jhme Thurneysser/ falscher betrogner vnd vnwarhafftiger weiß/ durch etliche Faelscher vnd Verleumbder/ trefflich zugemessen worden sey. Rorschach 1591. ZB Zürich, 18.464. Online [17.02.2015]. UB Wrocław, 394 602.
(23) Warhafftiger bericht Leonhardi Thurneussers/ jetziger zeit zu Rom. Von der Magia/ Schwartzen Zeuberkunst/ vnd was dauon zu halten sey/ etc. Notopyrgen [Frankfurt am Main] 1591. MB Halle, R 3.43. Ich bezweifle die Autorschaft von Thurneysser, weil dieser die unter seinem Namen in „Notopyrgen“ gedruckten Kalender in der „Admonition“ (anderer Druck, Titel 22) als Fälschung bezeichnete.
(24) Kurtze Practic auff das Jahr nach der Geburt vnd Menschwerdung Jesu Christi vnsers Erlösers M. D. XCV. Durch Leonhardt Thurneisser zum Thurn Beschrieben. Konstanz 1595. StB Trier, D 1114: 3 in. Online [17.02.2015].
Literatur:
Verwendete Literatur, chronologisch:
[Autobiographie] Leonhardt Thurneysser: Der Alchymist und sein Weib. Gauner- und Ehescheidungsprozesse des Alchymisten Thurneysser. Berlin 1584 (anderer Druck, Titel 20). Neu herausgegeben von Will-Erich Peuckert. Stuttgart 1956.
Johann Carl Wilhelm Moehsen: Leben Leonhard Thurneissers zum Turm, Churfürstl. Brandenburgischen Leibarztes. Ein Beitrag zur Geschichte der Alchymie, wie auch der Wissenschaften und Künste in der Mark Brandenburg gegen Ende des sechszehnten Jahrhunderts. In: Beiträge zur Geschichte der Wissenschaften in der Mark Brandenburg von den ältesten Zeiten an bis zu Ende des sechszehnten Jahrhunderts. Berlin, Leipzig 1783 (Neudruck München 1976).
Karl Sudhoff: Thurneyssersche Kalender auf die Jahre 1591, 1594 und 1596. In: Archiv für Geschichte der Medizin, Bd. 2 (1909), S. 129–135.
Hermann Fricke: Denkmäler heimatlicher Volkskultur. Zur Geschichte des Berlin-Brandenburgischen Kalenderdrucks. In: Der Bär von Berlin. Jahrbuch des Vereins für die Geschichte Berlins 15 (1966), S. 44–70.
Fritz Juntke: Über Leonhard Thurneisser zum Thurn und seine deutschen Kalender 1572–1584. In: Archiv für Geschichte des Buchwesens 19 (1978), Sp. 1349–1400.
Fritz Juntke: Über Leonhard Thurneisser zum Thurn und seine Schriften nach seiner Flucht aus Berlin (1584). In: Archiv für Geschichte des Buchwesens 21 (1980), Sp. 679–718.
Gabriele Spitzer: Leonhardt Thurneysser zum Thurn und die von ihm gegründete Berliner Druckerei (1574–1591). Dissertation, Humboldt-Universität Berlin 1987, 3 Bände, maschinenschriftlich. Bd. 1: [Text]. Bd. 2: Verzeichnis. Bd. 3: Abbildungen.
Gabriele Spitzer: … und die Spree führt Gold. Leonhard Thurneysser zum Thurn. Astrologe, Alchimist, Arzt und Drucker im Berlin des 16. Jahrhunderts. Wiesbaden 1996 (= Beiträge aus der Staatsbibliothek zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz, Bd. 3).
Wolf-Dieter Müller-Jahncke: Leonhard Thurneisser. In: Claus Priesner, Karin Figala (Hrsg.): Alchemie. Lexikon einer hermetischen Wissenschaft. München 1998, S. 360f.
Tobias Bulang: Überbietungsstrategien und Selbstautorisierung im Onomasticon Leonhard Thurneyssers zum Thurn. In: Jan Dirk Müller u. a. (Hrsg.): Aemulatio. Kulturen des Wettstreits in Text und Bild (1450–1620). Berlin 2011 (= Pluralisierung & Autorität, Bd. 27), S. 699–729.
Diethelm Eikermann, Gabriele Kaiser: Die Druckwerke von Leonhard Thurneysser zum Thurn (Basel 1531 – Köln 1596). In: Gutenberg-Jahrbuch 2012, S. 171–198.
Diethelm Eikermann: Köln im Jahr 1596 und Leonhard Thurneysser zum Thurn (1531–1596). In: Jahrbuch des Kölnischen Geschichtsvereins 81 (2011/12), S. 85–126.
Tobias Bulang: Intrikate Expertise. Die magische Pharmakognostik des Leonhard Thurneysser zum Thurn. In: Das Mittelalter. Perspektiven mediävistischer Forschung 17 (2012) 2, S. 118‒136.
Tobias Bulang: Experte oder Scharlatan? Leonhard Thurneysser zum Thurn und seine Uroskopie. In: Zeitsprünge. Forschungen zur Frühen Neuzeit, Bd. 17 (2013), Heft 2/3: Tina Asmussen, Hole Rößler (Hrsg.): Scharlatan! Eine Figur der Relegation in der frühneuzeitlichen Gelehrtenkultur. Frankfurt am Main 2013, S. 161‒182.
Tobias Bulang: Zur Diskursivierung pflanzenkundlichen Wissens bei Leonhard Thurneysser zum Thurn. In: Thorsten Burkard (Hrsg.): Natur – Religion – Medien. Transformationen frühneuzeitlichen Wissens. [Berlin] 2013 (= Diskursivierung von Wissen in der Frühen Neuzeit, Bd. 2), S. 39–61.
Tobias Bulang: Art. „Thurneysser, Leonhard“. In: Frühe Neuzeit in Deutschland 1520‒1620. Literaturwissenschaftliches Verfasserlexikon. Herausgegeben von Wilhelm Kühlmann, Jan-Dirk Müller, Michael Schilling, Johann Anselm Steiger, Friedrich Vollhart. Redaktion J. Klaus Kipf. 7 Bände. Berlin, New York (Boston) 2011‒2018. Zu Leonhardt Thurneysser: Bd. 6 (2017), Sp. 283–297.

Weitere Literatur (Auswahl), chronologisch:
Johann Carl Wilhelm Moehsen: Geschichte der Wissenschaften in der Mark Brandenburg, besonders der Arzneiwissenschaft, von der ältesten Zeit an bis zum Ende des XVI. Jahrhunderts, in welcher zugleich die Gedächtnismünzen berühmter Ärzte, welche in diesem Zeitraum in der Mark gelebt haben, beschrieben werden. Berlin, Leipzig 1781.
Ernst Friedländer: Die Herzoge Johann Albrecht, Ulrich und Christoph von Meklenburg in ihrem Verhältnisse zu Leonhardt Thurneisser, während der Jahre 1576–1583. In: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde 15 (1850), S. 178–181.
Theodor Odebrecht: Beiträge zur richtigen Würdigung Leonhard Thurneissers zum Thurn. In: Märkische Forschungen, Bd. 7 (1861), S. 192ff.
Julius Heidemann: Thurneisser zum Thurn, Leonhard. In: Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 38, Leipzig 1894, S. 226–229.
B. Reber: Zwei neue Dokumente über Leonhard Thurneysser zum Thurn. In: Mitteilungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften 5 (1906), S. 431–439.
Bruno Harms: Leonhart Thurneysser in Berlin. Leben und Wirken. In: Der Bär von Berlin. Jahrbuch des Vereins für die Geschichte Berlins 12 (1963), S. 28–49.
Paul H. Boerlin: Leonhard Thurneysser als Auftraggeber. Kunst im Dienste der Selbstdarstellung zwischen Humanismus und Barock. Basel, Stuttgart 1976.
Dieter Engelmann: Zum Leben und Werk von Leonhard Thurneysser. In: Jahrbuch des Märkischen Museums 8 (1982), S. 83–94.
Peter Morys: Medizin und Pharmazie in der Kosmologie Leonhard Thurneissers zum Thurn (1531–1596). Husum 1982 (= Abhandlungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften, Heft 43).
Peter Morys: Leonhard Thurneissers „De transmutatione veneris in solem“. In: Christoph Meinel (Hrsg.): Die Alchemie in der europäischen Kultur- und Wissenschaftsgeschichte. Wiesbaden 1986, S. 85–98.
R. Schmitz: Medizin und Pharmazie in der Kosmologie Leonhard Thurneyssers zum Thurn. In: J. F. Bergier (Hrsg.): Zwischen Wahn, Glaube und Wissenschaft. Zürich 1988, S. 141–166.
Gabriele Spitzer: Zur Geschichte der Berliner Druckerei im Grauen Kloster von 1574–1591 und Verz. der Drucke in chronologischer Reihenfolge. In: Studien zum Buch- und Bibliothekswesen 8, 1993, S. 39–60.
Yves Schumacher: Leonhard Thurneysser. Arzt, Abenteurer, Alchemist. Zürich 2011.
Quellenzitate:
(1) „Ich bitte derhalben/ alle Ehrliebende Personen/ dieweil heur nun abermahl solche Calender mit meinem Namen außgangen/ die wöllend den einen Calender/ nicht für mein/ wie er denn auch nicht mein ist/ den andern nicht für meinen Discipel achten/ die beyden aber/ weil ich deren keinen noch sonst niemand keine Magia gelehrt für verlogne Betrügner Felscher vnd Verleumbder/ die Calender für Libell famos/ abgestolene Namen vnnd den Trucker/ für einen nicht geringen Beförderer jhrer Falschheit/ aber die Verkäuffer/ so sie nach Empfahung vnnd gnugsamer inserirunge oder Erinnerung dieser Warnunge/ solche Calender weiter verkauffen/ für falsche Wahr Verhendeler halten.“ (Calender/ Oder Allmanach Vnd Schreibtaffel, letzte Seite, zitiert nach der Abbildung in Juntke, 1980, Sp. 691/2).
(2) Thurneysser legte zunächst das betrügerische Nachmachen seines Kalenders durch einen unbekannten Verfasser offen und kam dann zu einem zweiten Betrüger: „Der ander aber so subtiler/ dann der erst/ der mit der Löwenhaut/ den Eselbalg (doch der Füssen vnd Ohren zubedecken/ vergessen) zimlich vberzogen/ vnd sich für mein Discipel/ hat schier gsagt/ bscheißtüppel außgethan/ deren keinen […, letzte Zeile fehlt, weil Abschnitt des Blattes] ich/ diesen modum Calender zustellen/ vil weniger Magische Kunst gelehrnet/ welches darauß erscheindt/ daß sie beyde jhre Namen/ so wol als der Trucker/ wie sonst ehrlichen Leuthen gebürt/ auch das ort laut deß Reichs Abscheid vnd dem Landesfriden nicht offenbart. […] diese alle drey (vnd noch ein anderer der vnder falschem schein/ vnd vnder meinem namen Harmbroben/ auff die er sich gleich sovil/ als die andern beed/ vff die Astronomey/ vnd Mathematic/ vnd als ein Kue auff Sackpfeiffen/ aber alle vier auff bescheisserey sich wol verstehen/ sonderlich weil die drey Cul___enderschmiedt ein vnbekandt ort deß truckens/ nemblich zue Notto Pyrgen/ villeicht in Guckheinen/ sonst Loyleckers/ oder Schlauraffenlandt/ welches wie man sagt/ drey Wochen hinder Weyhenaechten/ vnd nahend Leügingen gelegen sein soll) zue gelegner zeit/ Rechtlich zueersuechen/ gib ich doch deren Oberkeiten/ vnder denen sie gesessen (weil sie sich offentlich zue der Magia, Christilichen Glauben/ vnd der Kirchen Satzungen zuewider bekennen) kein ordnung die mitlerweil zue straffen. […] Dann ich wie maennigklicher weist/ in zehen Jahren/ seydher das ich meines sauren Schweiß vnnd Bluets/ auff jhrn notdürfftiger Glaubens Trew vnd Zuesag/ vergessender Bluetschenderischer verhuerter Leuthen/ falschen vngründlichen/ vnd aller Warheit widerwertiger Anklag/ so ellendlich entsetzt/ nie keine Calender gemacht/ oder zuemachen gedacht habe.“ (Admonition Oder Warnung, 1591 (anderer Druck, Titel 22), S. B2b–3a).

Erstellt: 23.02.2015
Letzte Aktualisierung: 06.06.2018

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