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Rodorphius, Johannes

„Iohannes Rodorphius Iuliacensis Rector der Schulen zu Siegberg“; „A.L.M. Rahtsverwandter/ Statt= vnd Gerichtschreiber zu Sigberg/ dieser Kunst besonderer Liebhaber“ (Selbstbezeichnung auf den Titelblättern, zit. 1632, 1660)
* ?, † nach 1685 [Siegburg ?]
Kalender seit mindestens 1632, verfaßt bis 1685

Über Johannes Rodorphius ist nur bekannt, was er auf den Titelblättern seiner überlieferten Kalender über sich selbst schrieb. Demnach wurde er in Jülich geboren („Iuliacensis“) und lebte später in Siegburg, wo er 1632 Rektor der Schulen und später Ratsmitglied, Stadt- und Gerichtsschreiber war. Da er sich als Magister der freien Künste bezeichnete („A. L. M.“), wird er auch studiert haben.
Bemerkenswert ist, daß ein „Newer und Alter“ Schreibkalender für 1656 von dem Drucker Bernhard Raeßfeldt, nicht von dem Verfasser Johannes Rodorphius, dem Herrn Georg Fuisting, Abt des Benediktiner Ordens in Ließborn und Visitator der Klöster der Stifte Osnabrück, Hildesheim und Paderborn, gewidmet wurde (Kalender für 1656, Kalendarium, S. A1b). Auch beim Kalender für 1660 wurde die Widmung an den Herrn Christoph Bernhard, Bischof zu Münster, durch den Drucker Dietrich Raeßfeldt gegeben. Dietrich Raeßfeldt hatte die Druckerei seines Ende 1658 verstorbenen Vaters Bernhard Raeßfeldt übernommen (Reske, 2007, S. 637) und eine „in Druck verfassete Ernewerung deß Calendarij“ vorgenommen (Kalender für 1660, zweiter Teil, S. A3b). Inhaltlich und gestalterisch sind beim Exemplar für 1660 aber keine Änderungen gegenüber dem Exemplar für 1656 (Autopsie des Kalenders für 1656 am 6. März 2019) erkennbar, sodaß die „Erneuerung“ sich wohl nur auf die erneute Herausgabe des Kalenders für das neue Jahr 1660 bezieht.
Rodorphius scheint im Laufe der Jahre seine Einstellung zur astrologischen Bedeutung von Finsternissen geändert zu haben. Brachte er im Kalender für 1660 noch die üblichen Mutmaßungen über die Wirkungen der Finsternisse, so heißt es in dem nur kurz gehaltenen Kapitel des Kalenders für 1685, daß man nicht weiter darüber nachzudenken brauche, „dan alle diese Finsternüssen natürlich seyn/ und nothwendig geschehen müssen. Gleich wie die Sonne uns nothwendig täglich auff= und nieder gehet So lehret auch die Erfahrung daß dergleichen Finsternüß keinen sonderlichen Schaden weder dem Erdreich/ weder dem Vieh noch Menschen jemahl zugefügt“ (Kalender für 1685, zweiter Teil, S. A2a).
Eine Besonderheit bei den Kalendern von Rodorphius ist, daß nach dem von Rodorphius verfaßten zweiten Teil das Prognostikum eines anderen Kalendermachers angehängt wurde, was bereits auf dem Titelblatt angekündigt wurde, so 1660 „[m]it angerücktem Prognostico [→] Hermanni de Werue“ (so auch schon 1656) und 1685 mit dem von → Marcus Freund.
Von in Münster gedruckten Schreibkalendern sind nur noch jene von → Johannes Gigas bekannt.

Titel:
(1) [?]–1632–[?]: Schreib Kalender.
(2) 1656[?]–1685: Schreib=Kalender.
Druck und Verlag:
(1) 1632: Gerhard Grevenbroich, Köln.
(2) 1656[?]–1659: Bernhard Raeßfeldt, Münster, 1660–[1679?]: Dietrich Raeßfeldt, Münster, [1680?]–1685: Dietrich Raeßfeldts Witwe, Münster.
Nachweis:
Herbst, 2008a, S. 139. Ergänzung: StLB Dortmund (Ex. für 1656). HA Köln (Ex. für 1632).
Online:
1660 und 1685 [03.07.2017].

Erstellt: 11.07.2017
Letzte Aktualisierung vor 20.01.2020: 14.11.2019
Letzte Aktualisierung nach 20.01.2020: 05.05.2022

rodorphius_johannes.txt · Zuletzt geändert: 2022/05/05 12:45 von klaus-dieter herbst