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Meier, Johann

„Johannes Meierus, Hus: Slesv: Mathematicus & Calendariographus“; „Johannes Meierus, Husum. Cimb. Reg. Maj. Dan. bestalten Mathematicus“ (Selbstbezeichnungen auf den Titelblättern, zit. 1641, anderer Druck, Titel 1 und 1665, Kalender, Titel 2)
* (getauft) 12.10.1606 Husum/Nordfriesland, † 10.6.1674 Husum
Kalender seit 1640, verfaßt bis 1674 [?]
Pseud.: → Meinfreund, Theophilus

Die Schreibweise von Johann[es] Meier findet man in den Quellen und in der Literatur unterschiedlich ausgeführt (meistens Mejer, auch Meyer). Hier wird die ins Deutsche übertragene Version von den Titeleien der Schreibkalender verwendet.
Als Königlich-Dänischer Mathematiker und Karthograph wurde Meier bereits gut erforscht. Die noch heute grundlegende, auf Archivquellen gestützte Arbeit lieferte 1887 Peter Lauridsen. Eine ebenfalls sehr quellenreiche Darstellung von Leben und Werk Meiers veröffentlichte 2006 Oswald Dreyer-Eimbcke (hier auch ein umfassendes Verzeichnis der Sekundärliteratur). Als Kalendermacher ist Meier dagegen weithin unbekannt (Lauridsen erwähnte diesen Sachverhalt nur kurz, demnach kam der erste Kalender für 1640 heraus, Meier veröffentlichte „vielleicht unter dem Pseudonym Theophilus Meynfreund“, Lauridsen, 1906, S. 24).
Am 12. Oktober 1606 wurde Johann Meier in Husum als Sohn des gleichnamigen Predigers getauft (Kirchenbuch von St. Marien in Husum, angegeben nach Dreyer-Eimbcke, 2006, S. 8). Die Mutter war Elisabeth Jüngling, Witwe des Pfarrers Werner Buchholtz in Mildstedt (Lauridsen, 1906, S. 22). Bereits ein Lexikon von 1750 wußte zu berichten, daß Meier in Kropp (östlich von Husum) bei einem Bruder seiner Mutter Schweine hütete, als „ein dänischer Edelmann aber, der da durchreisete, und eine besondere Fähigkeit an ihm verspürte, […] ihn mit nach Coppenhagen“ nahm (Jöcher, 1750, Bd. 3, Sp. 370f.). In Kopenhagen wurde er von seinem Onkel Bernhard Meier, Pfarrer an der St.-Petri-Kirche, gefördert. An der Universität Kopenhagen studierte er unter anderem bei dem Astronomen Christian Severin Longomontan und dem Mathematiker Thomas Fincke (Dreyer-Eimbcke, 2006, S. 10). Einen Eintrag in der Universitätsmatrikel gibt es aber nicht (vgl. Smith, 1890). Ab 1629 lebte Meier wieder in Husum. Für seine spätere Arbeit als Karthograph war die Bekanntschaft mit Peter Sax in Drandersum auf der Halbinsel Eiderstedt förderlich.
Meiers Hauptinteresse lag in der Karthographie. Auf diesem Gebiet schuf er mit seinen Landkarten von Schleswig-Holstein die Vorlagen für andere Werke bis zum Ende des 18. Jahrhunderts (Degn, 1963; vgl. Dreyer-Eimbcke, 2006, S. 9, 80, 86). Er arbeitete für den Gottorfer Herzog Friedrich III. ebenso wie für den König Christian IV. von Dänemark, von dem er ein Jahresgehalt von 300 Talern erhielt (Degn, 1963). Dabei wurde er von verschiedenen Zeitgenossen unterstützt, so von seinem Bruder Samuel (Apotheker in Kopenhagen), den Brüdern Joachim und Caspar Danckwert (Gottorfer Kammerherr bzw. Bürgermeister von Husum), den Brüdern Mathias und Nicolaus Petersen (Goldschmiede und Kupferstecher) sowie den Brüdern Andreas und Christian Lorenzen (Kupferstecher) (Dreyer-Eimbcke, 2006, S. 13). In der Einleitung der „Newe[n] Landesbeschreibung“ von 1652 (anderer Druck, Titel 3) gab er den Hinweis auf seine zehnjährige Landvermessung: Er habe „von Anno 1638./ biß zu Außgange des 1648sten Jahres/ mit reisen und besichtigung aller örter/ diese zehen Jährige Zeit also angewand und zugebracht […]/ daß die distantien der örter mit Mathematischen Instrumenten abgemessen/ und darauß die Grundrisse formiret worden.“ Später geriet er vor allem mit der Familie von Caspar Danckwerth, dem Herausgeber der „Newe[n] Landesbeschreibung“, in finanzielle Streitigkeiten (Dreyer-Eimbcke, 2006, S. 77). Bis in seine letzten Jahre sah sich Meier Anfeindungen seiner Gläubiger ausgesetzt (Degn, 1963). Er starb am 10. Juni 1674 in Husum (ebd. S. 78). In der Königlichen Bibliothek Kopenhagen befindet sich der Nachlaß von Meier mit zahlreichen Landkarten [13.02.2015].
Als Kalendermacher folgte er dem königlich-dänischen Astronom und schleswig-holsteinischen Kalendermacher → Nicolaus Heldvader. Er ist von → Johann Meyer in Quedlinburg zu unterscheiden. Bereits in der Titelei seiner Publikation „Compendium Chronologicum“ von 1641 bezeichnete sich Meier als Kalendermacher (anderer Druck, Titel 1). Daß er neben den Kalendern in Quart bis mindestens für 1668 auch kleine Kalender verfaßte, folgt aus einer Bemerkung im Widmungsbrief für Friedrich Wilhelm, Markgraf zu Brandenburg, im Kalender für 1668 (zweiter Teil, S. A3a „diesen meinen grossen und kleinen Calender/ und Prognosticon, auff das 1668ste Jahre“). Vermutlich lief diese Reihe noch bis 1674, denn Christian Degn zitierte eine Mutmaßung von Meier für das Jahr 1674 (Degn, 1963, eine genaue Quelle gab Degn nicht an).
Von seinen großen Kalendern sind fast keine überliefert. Vorhanden sind drei Jahrgänge (1665, 1666, 1668) des großen Schreibkalenders, den er als „Jahr=Buch“ betitelte und in Lüneburg drucken ließ. Den Kalender für 1665 widmete er dem neuen König Friedrich III. von Dänemark. Im Widmungsbrief ging er auf seine Bestallung als Königlicher Mathematiker durch Christian IV. von Dänemark im Jahr 1640 die durch diesen beauftragte Herstellung „verschiedener Land=Carten/ von dero Königreichen/ von den Hertzogthümern Schleßwig und Holstein“ ein (zweiter Teil, S. E2b). Ein Jahr später, im Widmungsbrief an Christoph Albrecht, Bischof zu Lübeck, erwähnte er, daß er bereits seit 1635 der königlichen Familie „auffgewartet“ hatte (Kalender für 1666, zweiter Teil, S. A3a).
Meier schrieb in seinen Kalendern (in der Textspalte des Kalendariums, in den Widmungsbriefen und in den im zweiten Teil eingefügten Texten) über verschiedene Themen, so philosophisch über die „Principia Naturalia“ (Kalender für 1665, zweiter Teil), über die biblische Chronologie, angefangen mit der Weltschöpfung (Kalender für 1666, 1668, Kalendarium und zweiter Teil), theologisch über die Metapher „Licht“ (Kalender für 1666, zweiter Teil). Die von Meier behandelten astronomischen Themen können als gelehrte Texte gewertet werden (1665, zweiter Teil, S. H2b–H4b: „Ob das jenige/ was die Astronomi, von der fürtreflichen Höhe und Grösse des Himmels/ der Planeten und Sternen/ schreiben/ seinen guten Grund habe?“; 1668, zweiter Teil, S. A3b–B1a: Von dem Jahreslauf der Sonne, „Eine Special Tabul“). Ferner veröffentlichte er seine Werte der Beobachtung eines Kometen vom 30. November bis 20. Dezember 1664 am Westhimmel (in Tabellenform) und dann vom 22. Dezember bis 12. Januar 1665 am Osthimmel (Kalender für 1666, zweiter Teil, S. C1b–2a). Diese Texte unter wissenschaftshistorischem Blickwinkel auszuwerten, ist ein Desiderat der Forschung.

Titel (ohne die Reihe des Pseudonyms):
(1) 1640–1674[?]: Almanach und Prognosticon, Format 16°.
(2) 1665[?]–1674[?]: Jahr=Buch/ In 2. Theile/ Also: Almanach und Prognosticon, Format 4°.
Druck und Verlag:
(1) 1640–1647[?]: Jacob zur Glocken, Schleswig, [1648?]–[1664?]: ?, 1665[?]–1668: Johann und Heinrich Stern, Lüneburg, 1669: Georg und Hans Jacob Rebenlein, Hamburg, 1670–1672[?]: Georg Rebenlein, Hamburg, [1673]: ?, 1674[?]–1677: Caspar Holwein, Stade.
(2) 1665[?]–1668[?]: Johann und Heinrich Stern, Lüneburg, [1669?]–[1673?]: ?, 1674–[?]: Caspar Holwein, Stade.
Nachweis:
Herbst, 2008a, S. 124 (Titel 2). Ergänzung: KB Kopenhagen (Ex. für 1674 der Reihe 2, 13 Ex. im Zeitraum 1642 bis 1677 der Reihe 1). Lauridsen, 1888 (Titel 1). Lauridsen, 1906, S. 24–26. VD17. CERL.
Online:
(2) [13.02.2015].
Andere Drucke:
(1) Compendium Chronologicum. Oder Jahr=Rechnung/ Darinnen Die Biblische vnd andere Geschichten/ von Anfang der Welt/ biß auff Christi vnsers einigen Erlösers Geburt. Wie dann auch Alle Römische Käysere/ Bischöffe vnd Bäpste/ so zu Rohm residiret, vnd nach einander gefolget. Mit müglichen fleiß auß den bewehrsten Authoribus Colligieret/ vnd in 3. Theil abgefasset. Durch Johannem Meierum, Hus: Slesv: Mathematicum & Calendariographum. Schleswig 1641. HAAB Weimar, 19 A 15148. StB Braunschweig, C 201 (4°).
(2) Mathematischer Abriß des großen Wundergebäudes Gottes des Allmächtigen, samt den Zirkeln der Planeten, nach ihrem Lauf und Höhe, aus der Astronomia Tychonis de Brahe elaboriret. Husum 1651. Zitiert nach Jöcher/Adelung, 1784, Bd. 4 (1813), Sp. 1222.
(3) Newe Landesbeschreibung Der Zweÿ Hertzogthümer Schleswich vnd Holstein, Zusambt Vielen dabeÿ gehörigen Newen LandCarten. Die auff Ihr Königl. Maÿtt zu Dennemarck, Norwegen etc. vnd Ihr Fürstl Dürchl. Beeder Regierenden Hertzogen zu Schleswich-Holstein, etc. Aller= vnd Gnädigsten befehle Von dero Königl Maÿtt. bestaltem Mathematico Iohanne Mejero. Hus. Cimbro. Chorographicè elaborirt, Dürch Casparum Danckwerth D. Zusammen getragen Vnd Verfertigt. Worin auch Das Alte Teütschland Kürtzlich beschrieben, mit begriffen ist. Husum 1652. Online [13.02.1652].
Literatur (Auswahl):
Christian Degn: Einleitung. In: Die Landkarten von Johannes Mejer, Husum, aus der neuen Landesbeschreibung der zwei Herzogtümer Schleswig und Holstein von Caspar Danckwerth D. 1652. Mit einer Einleitung von Dr. Christian Degn neu herausgegeben von K. Domeier und M. Haack. Hamburg-Bergedorf, unpaginiert.
Oswald Dreyer-Eimbcke: 400 Jahre Johannes Mejer (1606–1674). Der große Karthograph aus Husum. Oldenburg 2006.
Georg Hille: Mejer, Johannes. In: ADB 21 (1885), S. 200–202. Online [13.02.2015].
Peter Lauridsen: Kartografen Johannes Mejer. In: Historisk Tidsskrift 6 (1887–1888) 1, S. 239–402. Online [04.02.2015].
Peter Lauridsen: Der Kartograph Johannes Mejer: ein Beitrag zu der älteren dänischen Kartengeschichte. Aus dem Dänischen übersetzt von Amtsgerichtsrat Jürgensen. Husum 1906. Nachdruck Hörnum/Sylt 1996.

Erstellt: 13.02.2015

meier_johann.txt · Zuletzt geändert: 2017/03/27 14:16 von klaus-dieter herbst