Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


heiden_christian

Heiden, Christian

Christian Heiden

„Christianus Heiden verordneter Mathematicus zu Nurmberg“ (Selbstbezeichnung auf dem Titelblatt, zit. 1570)
* 2.5.1526 Nürnberg, † 9.2.1576 Nürnberg
Kalender seit 1565, verfaßt bis 1576
Übernommene Reihe: → Stathmion, Christoph (Reihe 4)

Christian Heiden (Heyden) wurde am 2. Mai 1526 in Nürnberg geboren. Sein Vater Sebald Heiden (1499–1561) war Rektor der Schule zu St. Sebald, die Mutter Elisabeth (gest. 1560), geb. Brunnagel, war die Tochter des Bierbrauers Wolfgang Brunnagel in Höchstadt (Will, 1755, Bd. 2, S. 116; Kosel, 1940, S. 14, 54; Matthäus, 1969, Sp. 1038, Anm. 419 mit weiteren biographischen Quellen). Nach dem Besuch der Schule seines Vaters studierte Heiden an der Universität in Wittenberg, wo er sich am 27. April 1543 in die Matrikel einschrieb (Förstemann, 1841, Bd. 1, S. 203 „[1543 Aprili] 27. Christianus Haiden [sic] Noribergensis“). Mit Philipp Melanchthon, Professor in Wittenberg, blieb Heiden (wie auch dessen Vater) später brieflich verbunden (Matthäus, 1969, Sp. 1041, Anm. 433). Der zuerst im Zedlerschen Universallexikon erwähnte Besuch der Universität Leipzig (Zedler, 1732, Bd. 12, Sp. 1996), der von anderen Biographen fortgeschrieben wurde (z. B. Will, 1755, Bd. 2, S. 119), kann nicht durch einen Matrikeleintrag bestätigt werden (vgl. Erler, 1909, Bd. 1). Nach dem Studium lehrte er als Konrektor an der Sebalder Schule, wo sein Vater Rektor war. So mit einem sicheren Einkommen versehen, heiratete Heiden 1549 Veronika Düring (begraben 11.8.1615), mit der er vier Söhne und sieben Töchter zeugte, von denen eine Sibylle hieß und den Pfarrer Erhard Panzer in Eltersdorf heiratete (Kosel, 1940, S. 54).
Nachdem → Joachim Heller am 18. April 1556 von den Pflichten eines Rektors des Egidiengymnasiums entbunden worden war, übernahm Heiden dieses Amt (Matthäus, 1969, Sp. 1039). 1564 wurde er auch Hellers Nachfolger als „Mathematicus“ und lehrte am Gymnasium Mathematik. Zu seinem bisherigen Gehalt erhielt er jetzt weitere 50 Gulden mit der Aufgabe, „das er die principia Astronomiae tradiren soll alle wochen 2 stunde, alle Jar einen Calender vnd practicken machen, vnd wa man seiner kunst ferner bedurftig sein werde, als feldung abzumessen oder distantias locorum etc.“ (im Bayerischen Staatsarchiv Nürnberg überlieferte Anweisung, zitiert nach Matthäus, 1969, Sp. 1039; vgl. Zinner, 1956/79, S. 369). Damit war zum ersten Mal ein offizieller Kalendariograph in Nürnberg vom Rat ausdrücklich benannt worden (Matthäus, 1969, Sp. 1039; vgl. Matthäus, 2010b). Heidens erste Kalenderarbeiten für das Jahr 1565 sind nicht überliefert. Er widmete diese dem Nürnberger Rat und erhielt dafür 12 Gulden (Matthäus, 1969, Sp. 1039). Die ältesten überlieferten Kalender sind zwei Schreibkalender für 1569, wobei Heiden einen Quartkalender und erstmals auch einen Oktavkalender „Auff ein newe art“ konzipierte, der allen „Schreibern/ Kauffleuten/ Hendlern“ dienlich sein sollte. Bei diesem Oktavkalender wurde eine Woche auf zwei gegenüberliegenden Seiten angeordnet.
Gemäß einem Ratsbeschluß vom 15. Juli 1570 wurde Heiden aus dem Amt des Rektors des Gymnasiums entlassen. Er sollte lediglich noch die Mathematiklehre ausüben und die Jahreskalender verfassen (Matthäus, 1969, Sp. 1040). Damit hatte Heiden ausreichend Zeit, um sich verstärkt dem Bau von mathematischen Instrumenten zuzuwenden. Schon davor fiel er durch sorgfältig gearbeitete Geräte auf. Eine Übersicht zu den von 1552 bis 1571 hergestellten Instrumenten (einem mathematischen Becher, verschiedenen Sonnenuhren, Sonnenquadranten, Erd- und Himmelskugeln) und ihr weltweiter Verbleib in den Museen gab bereits Ernst Zinner (Zinner, 1956/79, S. 369–371; vgl. Pilz, 1977, S. 232–234). Heiden erhielt auch Aufträge vom Kaiser Maximilian II., was eine Zahlungsanweisung des kaiserlichen Hofzahlamtes vom 8. Mai 1574 belegt (abgedruckt in Zinner, 1956/79, S. 370), nach der Heiden für den Kaiser ein Uhrwerk und für die Kaiserin ein kleines Planetenwerk geliefert sowie der Kaiser noch ein großes Planetenwerk für 2000 Taler bestellt hat.
Heiden nutzte die Prognostiken, um jedes Jahr seine theologische Position zu formulieren und zu publizieren. Er gehörte „zu den Vorkämpfern der philippistischen Partei“ (Matthäus, 1969, Sp. 1040); „in Nürnberg wurden damals die orthodoxen Lutheraner von den Philippisten als Flacianer angegriffen“ (ebd., Sp. 1041, Anm. 434 mit Auszügen aus dem Prognostikum für 1567 und mit Verweis auf weitere Literatur). Weil Heidens Prophezeiungen auch auf hohe Potentaten bezogen werden konnten, gerieten die Schriften zu einem Fall für die Zensur und er mußte sie dem Rat vor dem Druck zur Prüfung vorlegen (ebd., Sp. 1042). Auf Heidens theologische Ausführungen in den Prognostiken für 1567 und 1568 erschienen zwei Gegenschriften, in denen Heidens Auffassungen zurückgewiesen wurden (Gotthart, 1567; Waldner, 1568; der Konflikt ist dargestellt in Matthäus, 1969, Sp. 1041–1043).
Heiden starb am 9. Februar 1576 in Nürnberg, kurz bevor er zu einer Reise nach Wien aufbrechen wollte. Der Nachfolger als städtischer Kalendariograph wurde → Johann Praetorius.
Aufgrund der Bedeutung der Kalenderart „Schreibkalender“ werden die überlieferten Exemplare von Heidens Schreibkalendern hier einzeln aufgeführt, ebenso die Praktiken, die in der Folgezeit einem jeden Schreibkalender als zweiter Teil mitgegeben wurden, sowie der eine überlieferte Wandkalender, den er als Domherrenkalender für das Fürstbistum Bamberg verfaßte (Biller, 2018, Bd. 1, S. 53).

Schreibkalender:
1569: Schreibkalender, 4°, Druck Nicolaus Knorr, Nürnberg (UStB Köln, KALE240-1569)
1569: Schreybkalender […] Auff ein newe art, 8°, Druck Nicolaus Knorr, Nürnberg (BP Rom, Mikrofiche U 13)
1570: Schreybkalender, 4°, Druck Nicolaus Knorr, Nürnberg (GNM Nürnberg, 4 Nw 2404)
1571: Schreybkalender, 4°, Druck Nicolaus Knorr, Nürnberg (GNM Nürnberg, 4 Nw 2404)
1573: Schreybkalender, 4°, Druck Nicolaus Knorr, Nürnberg (BP Rom, Mikrofiche)
1573: Schreybkalender […] auff eine neue art, 8°, Druck Nicolaus Knorr, Nürnberg (BP Rom, Mikrofiche U 13)
1574: Schreybkalender, 4°, Druck Nicolaus Knorr, Nürnberg (GNM Nürnberg, 8 Lö 248; BP Rom, Mikrofiche U 21; StA Wertheim, G-Rep. 107, Nr. 42)
1574: Schreybkalender […] auff eine neue art, 8°, Druck Nicolaus Knorr, Nürnberg (BP Rom, Mikrofiche U 21)
1576: Schreybkalender, 4°, Druck Nicolaus Knorr, Nürnberg (GNM Nürnberg, 4 Nw 2404)

Praktik bzw. Prognostikum:
1566: Practica, 4°, Druck Nicolaus Knorr, Nürnberg (BSB München, Chrlg. 326 x; StB Aachen, 1966 fol. 33)
1567: Practica, 4°, Druck Nicolaus Knorr, Nürnberg (SLUB Dresden, Astr. 518 s und Astr. 584,37; BSB München, Res/4 Astr. p. 513,17; HAB Wolfenbüttel, A: 42.5 Astron. (10); SNB Budapest; UB Erlangen, TREW.O 483; StB Aachen, 1966 fol. 33)
1568: Practica, 4°, Druck Nicolaus Knorr, Nürnberg (BSB München, Chrlg. 326 w; HAB Wolfenbüttel, H: N 134.4° Helmst. (7); SNB Budapest; UB Erlangen, TREW.O 485; StB Aachen, 1966 fol. 33)
1569: Practica, 4°, Druck Nicolaus Knorr, Nürnberg (SB Regensburg, 999/Philos. 2050/2068; UB Erlangen, TREW.O 486; StB Aachen, 1966 fol. 33)
1570: Practica, 4°, Druck Nicolaus Knorr, Nürnberg (BSB München, Res/4 Astr. p. 528,12; GNM Nürnberg, 8° Nw 2899; HAB Wolfenbüttel, A: 50.1 (Astron. (6); GWLB Hannover, Nm-A 648 (5); SNB Budapest; StB Aachen, 1966 fol. 33)
1571: Practica, 4°, Druck Nicolaus Knorr, Nürnberg (ULB Halle, Alv. Ng 182 (7); HAB Wolfenbüttel; SNB Budapest; StB Aachen, 1966 fol. 33)
1572: Practica, 4°, Druck Nicolaus Knorr, Nürnberg (SB Regensburg, 999/Philos. 2050/2068; StB Aachen, 1966 fol. 33)
1573: Practica, 4°, Druck Nicolaus Knorr, Nürnberg (HAB Wolfenbüttel, A: 53.2 Astron. (11); SNB Budapest; StB Aachen, 1966 fol. 33)

Wandkalender:
1574: Almanach, 2°, Druck Hans Hetzer, Bamberg (SB Bamberg, VI F 114)

Titel:
(1) 1565–1576: Schreybkalender, Format 4°.
(2) 1569[?]–1574[?]: Schreybkalender […] auff eine neue art, Format 8°.
(3) [?]–1574–[?]: „Tafel der Neu- und Vollmonde“, Einblattdruck, Format 2°, zitiert nach Zinner, 1941/64, S. 464, Nr. 2674a (ohne Nennung des Druckers).
(4) [?]–1574–[?]: Almanach, Einblattkalender, Format 2° [in Nachfolge von Christoph Stathmion].
Druck und Verlag:
(1), (2) Nicolaus Knorr, Nürnberg.
(3), (4) Hans Hetzer, Bamberg.
Nachweis:
Matthäus, 1969, Sp. 1352. ZKAAD, 1987–1993, Teil IV, S. 313, Nr. 3863 (Prognostikum für 1567). Pilz, 1977, S. 220 (Kalender für 1570, 1571, 1574, 1576). Zinner, 1941/64, S. 240, Nr. 2393 (Prognostikum für 1566) und passim. Wirth, 1951, S. 90 (Fragment eines Exemplars für 1574 der Reihe 3 in SB Bamberg, Einbldr. III/16a), vgl. Matthäus, 1969, Sp. 1043, Anm. 453. VD16. CERL. StA Wertheim (Ex. für 1574). BP Rom, Mikrofiche U 13 (Ex. für 1573, 1574 der Reihen 1 und 2 sowie für 1569 der Reihe 2). Biller, 2018, Bd. 2, S. 49 (Ex. für 1574 der Reihe 4, Abb. in Bd. 1, S. 266).
Online:
(1) 1566 Prognostikum, 1567 Prognostikum, 1568 Prognostikum, 1569 Prognostikum, 1570 Prognostikum, 1572 Prognostikum [02.02.2016].
(4) 1574 [24.08.2018].
Anderer Druck:
Tractatus de nova stella. Nürnberg 1573. Zitiert nach Zinner, 1941/64, S. 254, Nr. 2627. Diese heute nicht mehr auffindbare Schrift handelt von der Supernova 1572 im Sternbild Cassiopeia (vgl. Weichenhan, 2004).
Literatur (Auswahl):
Klaus Matthäus: Zur Geschichte des Nürnberger Kalenderwesens. Die Entwicklung der in Nürnberg gedruckten Jahreskalender in Buchform. In: Archiv für Geschichte des Buchwesens, Frankfurt am Main 1969, Bd. IX, Sp. 967–1396. Zu Christian Heiden: Sp. 1038–1043.

Erstellt: 02.02.2016
Letzte Aktualisierung: 24.08.2018

heiden_christian.txt · Zuletzt geändert: 2018/08/24 12:12 von klaus-dieter herbst