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Steinmetz, Valentin

„M. Valentinus Steinmetz/ Gersbachius“; „Gersbachius, Pfarherr zu Tuntzenhausen“; „Gersbachius, Pfarherr zu Tuntzenhausen“; „Gersbachius, Philomathesius“ (Selbstbezeichnungen auf den Titelblättern, zit. 1581, 1586, 1694, 1597)
* ca. 1547 Görsbach bei Nordhausen, † ca. 1597 [?] Tunzenhausen [?] bei Sömmerda
Kalender seit 1581, verfaßt bis 1597
Übernommene Reihe: → Steinmetz, Moritz

Valentin Steinmetz wurde um 1547 geboren. In der Titelei der Kalender wird Gersbach als Herkunftsort von Valentin Steinmetz genannt (diese Bezeichnung gibt es für sieben Orte, vgl. Schilling, 2002, Bd. 2, S. 78 und Meyer, 1916, Bd. 1, S. 564). Gemeint ist aber der Geburtsort Görsbach in Nordthüringen, ein Dorf ca. 10 km südöstlich von Nordhausen, denn in der Gelegenheitsschrift anläßlich des Todes des Bruders Moritz Steinmetz wird der Ort „Gersbachi[us] in Thuringia“ als in Thüringen gelegen bezeichnet (Carmina funebria, 1584, S. A2b; vgl. Vogel, 1700, Digitalisat S. 1118; für die am 8. Mai 2016 gegebenen Hinweise auf diese Quellen und den Ort Görsbach danke ich Johannes Küster, Holzkirchen). Die Eltern waren Valentin Steinmetz d. Ä. und Ottilia, geborene Zigler (Carmina funebria, 1584, S. C2b). Im Wintersemester 1565 wurde Steinmetz an der Universität in Leipzig immatrikuliert (aus diesem Jahr wurde das ungefähre Geburtsjahr abgeschätzt), wo er 1570 erst Baccalaureat wurde und 1574 auch den Magistergrad erwarb (Erler, 1909, Bd. 1, S. 447 „Steinmetz, Valen. Gersbachen. n. 6 gr. i W 1565 M 30, reliquum dt. R. D. Joh. Stromero, b. aequin. autumn. S 1570, m. 28. 1. 1574.“). Er heiratete 1584 eine Tochter von Johann Meyer, Bürger in Eilenburg. Nach deren Tod (4.5.1594) heiratete er am 18. März 1595 Margaretha Fischer, Tochter des Schößers Sebastian Fischer in Ilmenau und Lobenstein (Vogel, 1700, Digitalisat S. 1124).
Mit einer Schrift zum Kometen von 1577 begann Valentin Steinmetz zu publizieren. In dieser Kometenschrift, die er seinem Vetter, dem „Herren/ Valentino Medern/ der rechten Doctorn/ Grefflichen Stolbergischen Hoffrath“, widmete, bekannte er auch, daß er „von meinem Bruder dem Licentiaten sonderliche anleitung“ in der astronomischen Beobachtung erfahren hatte (anderer Druck, S. A2a). Den Kometen hatte Valentin Steinmetz „neben meinem Bruder Mauricio L. vnd andern meinen günstigen Herrn/ Schwegern/ vnd guten Freunden/ gesehen/ den 11. Nouembris“ 1577 (ebd., S. A3a). Auch diese Stellen in der Kometenschrift sind der Nachweis dafür, daß Valentin und Moritz Steinmetz Brüder waren (vgl. Vogel, 1700, Digitalisat S. 1124). In derselben Kometenschrift erwähnte Valentin Steinmetz ferner Joachim Camerarius als seinen „geliebte[n] Herr[n] Praeceptor“ (ebd., S. B2a).
Eine zweite autobiographische Einlassung befindet sich im Prognostikum für 1581, dem zweiten Teil des ersten von Valentin Steinmetz verfaßten Kalenderjahrgangs. Daraus geht hervor, daß er schon in der Jugendzeit in Leipzig weilte, später in der Stadt als Schuldiener arbeitete und schließlich die Kalenderreihe des Bruders Moritz Steinmetz mit dem Jahrgang 1581 übernahm, wobei er jetzt auch in Leipzig drucken ließ (siehe Quellenzitat).
Auf den überlieferten Kalendern bezeichnete sich Steinmetz bei den Exemplaren für 1586 bis 1594 als „Pfarherr zu Tuntzenhausen“. Tunzenhausen liegt jeweils ca. 4 km westlich von Sömmerda und südlich von Weißensee. Offenbar wurde Steinmetz danach aus dem Pfarrdienst entlassen, denn auf dem Titelblatt des Kalenders für 1597 nannte er sich nur noch „Philomathesius“. Auffällig ist, daß das Jahr des letzten bekannten Kalenderjahrgangs von Steinmetz (für 1597), gedruckt von Jacob Singe in Erfurt, zusammenfällt mit dem ersten von Jacob Singe für → Berner Hartman gedruckten Kalender (für 1597).
Ein anderer Valentin Steinmetz aus Gersbach, der eine „Vorhersage für 1552“ verfaßt hatte, könnte der Vater des hier vorzustellenden Kalendermachers und Pfarrers Valentin Steinmetz gewesen sein. Ernst Zinner zitierte über den älteren den (aus A. Birkenmajer in Isis 19 (1933), S. 364–378 entnommenen) „Hinweis auf eine Stelle in Practica anni 52, cap. I de initio mundi des M. Valentinus Med. gersbachius, worin Val. behauptet, daß Koppernicks observation mehr zutreffe als die anderer Leute, womit er wohl Reinholds Jahrbücher für 1550–51, die auf Koppernicks Beobachtungen gegründet waren, meinte“ (Zinner, 1941/64, S. 218, bei Nr. 2054). Der hier erwähnte Valentin Steinmetz d. Ä. war Medicus, kein Pfarrer.
Im März 1597 wurde an der Universität in Straßburg eine Disputation mit dem Respondenten „M. Valentino Steinmetz Lipsico“ gehalten (Steinmetz, 1597). Dieser ist nicht der aus Görsbach stammende Kalendermacher und Pfarrer Valentin Steinmetz, sondern ein Sohn von Moritz Steinmetz, somit ein Neffe des Kalendermachers, denn in dem Widmungsschreiben heißt es: „cum patre meo […], Mauricio, Medico & Professore in comunis patrie Academia“ (Steinmetz, 1597, S. A2b). Ebenso sind zweit weitere Disputationen („De Servitvtibvs Personalibvs Et Realibvs“, Straßburg 1597, VD16: ZV 27588; „Disputatio Selectiorvm Iuris Ambigvi Conclusionum“, Tübingen 1599, VD16: B 5970) dem jüngeren Valentin Steinmetz zuzuschreiben.

Titel:
(1) 1581–1594[?]: SchreibCalender, Format 4°.
(2) 1582–1597: Schreibkalender, Format 4°.
(3) 1581–[?]: Calender, Format 16°.
Druck und Verlag:
(1) 1581–[1584?]: Johann Beyer, Leipzig, 1585[?]–1586[?]: Nickel Nerlich, Leipzig, [1587?]–1588[?]: Druck Johann Beyer, Leipzig, Verlag Nickel Nerlich, Leipzig, [1589?]–1594[?]: Johann Beyer, Leipzig.
(2) 1582–1583: Druck Johann Beck, Erfurt, Verlag Johann Börner, Leipzig, 1584–[1594?]: Melchior Sachse d. J. (Erben), Erfurt, 1595[?]–1597: Jacob Singe, Erfurt.
(3) 1581: Melchior Sachse d. J., Erfurt.
Nachweis:
SächsHSA Dresden, Bestand 13540, Nr. 247 (für 1583). ZKAAD, 1987–1993, Teil 4, S. 321, Nr. 3954 (für 1581), S. 325, Nr. 4009 (für 1585), S. 327, Nr. 4026 (für 1586), S. 330, Nr. 4064 (für 1588), S. 337, Nr. 4144 (für 1592), S. 341, Nr. 4197 (für 1594), S. 343, Nr. 4218 (für 1595), S. 345, Nr. 4233 (für 1596). Zinner, 1941/64, S. 304, Nr. 3520 (für 1592), S. 316, Nr. 3747 („Vorhersage“ für 1597), Nr. 3748 („Kalender und Vorhersage“ für 1597). BP Rom, Mikrofiche E 1066 (Prognostikum für 1584). VD16. CERL.
Online:
(1) Kalendarium 1594,
(2) Prognostikum 1595, Prognostikum 1597 [20.08.2014].
Anderer Druck:
Von dem Cometen welcher im Nouember des 1577. Jars erstlich erschienen/ vnd noch am Himmel zusehen ist/ wie er von abend vnd Mittag/ gegen Morgen vnd Mitternacht zu/ seinen fortgang gehabt/ obseruirt vnd beschrieben in Leipzig. Magdeburg 1577. ULB Halle, If 2257, online. Leipzig 1577. UB Leipzig, Astron. 363, online. Augsburg 1577. BSB München, Res/4 Astr.p. 514,3, online [20.08.2015].
Quellenzitat:
„Weil ich denn von Jugend auff/ als ich meine principia artium gefasset/ beyde von meinem Brudern Mauricio vnd andern meinen Praeceptoribus/ so zum theil jetzt in der ewigen ruhe liegen/ bin zu diesem studio von jnen gehalten/ darinnen vnterwiesen/ vnd ich auch selbst sonderliche lust vnnd neigung darzu entpfunden/ hab ich demselben so viel müglich/ mit fleis obgelegen/ vnn noch/ verhoffe auch ich wolle durch fleissig lesen/ obseruiren vnd calculiren/ so ferne hierinnen kommen sein/ das ich desselben ein nötigen grund wisse. Vnd nach dem hiebevor mein Bruder Mauricius der Ertzney Licen= [B1b] tiat/ gemeinen nutz zum besten/ jerlich ein Calender hat ausgehen lassen/ darinnen ich jhme zum teil im calculiren bin gehülfflich gewesen/ Er aber wegen höher seiner studien/ vnd obliegenden geschefften/ etwas weiter zuschreiben eingestellet/ Als hab ich mich solcher mühe vnd arbeit vnterfangen/ vnd einen Calender auff das kommende 81. Jar verfertiget/ neben angehengtem gewönlichem/ von witterung vnd gemeinen Zufellen (so durch den lauff vnnd schein der Himlischen Cörper nach der lehr der alten Astronomorum bezeichnet werden) Prognostico, […er beschränke sich auf das Nötigste… B2a …] Was mein arbeit gemeltes Calenders vnd Prognostici belanget/ dieweil ich Erbare/ Ehrnueste Hochweise grossgünstige Herrn vnn födderer [sic] fast von Jugend auff in dieser Stadt erzogen/ darinnen beyde dieser/ dauon meldung geschehen/ vnnd anderer guter Künste Fundament gelernet/ auch von E. Eh. W. vor etzlichen Jaren zu einem gemeiner Stadt Schuldiener gütlich auffgenommen worden/ vnd sonst allen günstigen willen gegen mich vermercket/ daruor ich mich billich danckbar erzeigen vnn halten sol/ Als hab ich zum Zeugnis meiner Danckbarkeit/ diese meine primitias vnnd angewandten [B2b] fleis vnd arbeit des Calenders vnd Prognostici E. Eh. W. wollen dediciren und zuschreiben […] Geben in Leipzig den 2. Septembris/ Anno 1580. […] M. Valentinus Steinmetz/ Gersbachius.“ (Valentin Steinmetz: Practica für 1581, S. B1a–2b, Exemplar der FB Gotha, 4° Math 177/1 (11)).

Erstellt: 20.08.2015
Letzte Aktualisierung: 06.06.2018

steinmetz_valentin.txt · Zuletzt geändert: 2018/06/06 09:03 von klaus-dieter herbst