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Schönfeld[t], Burckhard Victorin

„Mag. Burghardus Victorinus Schönfeldt/ Medicinae ac Matheseos studiosus“; „M. Burckhardus Victorinus Schönfeldt Marpurgensis Fürstl. Fuldischer bestellter Hoff vnd Stadt Medicus“; „Bvrckhardvs Victorinus Schönfeldt Marpurgensis Hessus, Philos. vnd Medic. Doct. Jetzo Medicus Practicus in der Keys. Reichsstadt Müllhausen“; „Marp. Hessvs Phil. Et Med. Doctor, Der Keyserlichen freyen Reichsstadt Mülhausen/ in Thüringen/ etc. Itziger zeit bestalten Medicus“ (Selbstbezeichnungen auf den Titelblättern, zit. 1596, 1602, 1605)
* ca. 1563 Marburg, † nach 1610 Fulda [?]
Kalender seit 1596, verfaßt bis 1605

Burckhard Victorin Schönfeldt wurde um 1563 in Marburg geboren. Er war ein Sohn des Astronomen, Arztes und Kalendermachers → Victorinus Schönfeld[t], Professor an der Universität Marburg (vgl. Marburger Sippenbuch, Bd. 19, S. 223). Das folgt auch aus des Sohnes Vorrede im Prognostikum für 1596, in dem er über seine Studien berichtete, die er auch unter Anleitung von „Herrn Doct. Victorini Schönfeldts E. F. G. löblichen hohen Schulen zu Marpurg gewesenen Medicinae ac Matheseos ordinarij Professoris, meines vielgeliebten Vaters“, erhalten hatte (S. A4b). Mit der Abfassung von „newe Almanach vnd Prognostica auff das künfftige 1596. Jahr“ wollte Schönfeldt an die Arbeiten seines Vaters anknüpfen (S. B1a). Nachdem der Vater bereits 1591 gestorben war, hat „der Allmechtige Gott seinem Göttlichen Willen vnd gefallen nach/ vor wenigen tagen/ meine vielgeliebte Mutter/ aus diesem jammerthal abgefordert“ (S. B1a). Die Kalenderarbeit für 1596 widmete Schönfeldt dem Landgrafen von Hessen, der ihn gefördert und am Fürstenhof zu Kassel „bey den herrlichen Mathematicis instrumentis, […] zu exerciren/ gnedig alimentiret“ hatte (S. B1a). Schönfeldt verfaßte die Widmung in „Fulda in dem Fürstlichen Stifft Anno 1595. den letzten tag Martij Juliani“ (S. B1b) und unterschrieb mit „Burckhardus Schönfeldt/ Artium et Philosophiae Magister“ (S. B2a). Für 1597 fertigte Schönfeldt ein Kalendarium für Landgraf Ludwig IV. an (Manuskript im HStA Marburg, Bestand 17d, Nr. Schönfeld 2; für die am 6. Mai 2015 gegebenen Hinweise auf dieses Manuskript, das Marburger Sippenbuch, die Matrikeleinträge in Basel und Heidelberg sowie die zwei Gratulationsschriften danke ich Uwe Volz, Bochum).
Bereits als minderjähriges Kind wurde Burckhard Victorin Schönfeldt gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Alhard im Juni 1573 in die Matrikel der Universität Marburg eingeschrieben (Caesar, 1875, Bd. 3, S. 7 „Burchardus Schönfeldt [et] Alhardus Schönfeldt[,] fratres, filii D. Victorini Schönfeldt Medici et Mathematici“). Als erste auswertige Universität besuchte er ab dem 16. November 1581 jene in Heidelberg (Toepke, 1884, Bd. 2, S. 98 „190. Burcharttus Schonfeldt, doctoris Victorini filius, Marpurgensis, 16. Nou. [1581.] Non iuravit“). Das Studium setzte er im Oktober 1587 in Wittenberg fort (Förstemann, 1841, Bd. 2, S. 351 „Borchardus Schonfeld Marpurgensis“). Nachdem Schönfeldt zwischenzeitlich als Arzt in Fulda gewirkt und am 6. November 1595 Gertrud Schmalz geheiratet hatte (Honegger, 1981, S. 88; für den am 19. September 2016 gegebenen Hinweis auf diese Literatur danke ich Uwe Volz, Bochum), zog es ihn nach Basel, wo er sich im Januar 1600 in die Matrikel der Universität einschrieb und am 10. April 1600 zum Dr. med. promoviert wurde (Wackernagel, 1951, Bd. 2, S. 487 „94. magister Burchardus Victorini Schönfeldt, Marpurgensis – 19 sol 2 d“; vgl. die Gratulationsschriften Frölich, 1600 und Oesius/Pfister, 1600).
Die ärztliche Tätigkeit begann Schönfeldt in Fulda, wo er 1597 Hof- und Stadtphysikus wurde (Titelblatt des Kalenders für 1598). Aus dieser Zeit sind drei Schreibkalender für die Jahre 1597, 1598 und 1599 überliefert (StA Mühlhausen, 80/1260,6; 80/1260,7(1); 80/1260,9(1)), in die ein Arzt alle behandelten Personen und das jeweils empfangene Geld aufgezeichnet hat, z. B. am 4.1.1598/25.12.1597 „1 ½ fl. dnus Pater Godefridus per Instrumentis meis chÿrurgicis.“ Die monatlichen Einnahmen beliefen sich auf ca. 10 bis 60 Gulden. Im Jahr 1597 nahm der Arzt insgesamt 297 Gulden, 9 Groschen und 3 Pfennige ein (Monatsblatt Dezember 1597). Aufgrund anderer Einträge in den Kalendern, aus denen hervorgeht, daß dieser Arzt in Fulda lebte (Kalender für 1599, S. A1b „Den 21. [Novem]br. Greg: hat es den ersten Schnee zu Fulda geleget“), dort am Hof „bestallt“ war (5.8./26.7.1598 „10 fl. vff vorstehende meine halbjärige Hoffbestallung empfangen“) und auch selbst Kalender verfaßte und in Erfurt drucken ließ (12./22.6.1597 „Abijt Tabellarius cum meo Calendario Erffurtiam“; 2.10./22.9.1598 „10 fl. Francofurti Tÿpographus Erffurdensis per Calendario meo.“), kann dieser Arzt als der Kalendermacher Burckhard Victorin Schönfeldt identifiziert werden. Für sein ärztliches Tagebuch nutzte Schönfeldt im Jahr 1597 den „Newe[n] vnd Alte[n] SchreibKalender“ von → Matthias Fischer und in den Jahren 1598 und 1599 seine eigenen Schreibkalender. (Eine genaue Prüfung der Notizen in den anderen Kalendern, die im Stadtarchiv Mühlhausen überliefert sind, konnte noch nicht vorgenommen werden. Es ist aber zu vermuten, daß sich darunter weitere mit Schönfeldts Eintragungen befinden.)
Nach der Promotion in Basel zog Schönfeldt im Jahre 1600 „mit Frau und Kindern in Mühlhausen“ ein (Wetterling, 1941). In dieser Reichsstadt arbeitete er als „Medicus Practicus“ (Titelblatt des Kalenders für 1602) und wurde 1605 als Stadtphysikus bestallt, nachdem der Vorgänger Johannes Elxleben gestorben war (vgl. StA Mühlhausen, Akte 10/O 2, Nr. 4 „Specification derer Stadt=Phÿsicorum von 1576 an“). Aus der Zeit von 1602 bis 1608 sind 17 Briefe überliefert (mehrheitlich von Schönfeldt an den Rat der Stadt Mühlhausen), aus denen Einzelheiten über Schönfeldts Tätigkeit in Mühlhausen hervorgehen (StA Mühlhausen, 10/O 2, Nr. 1, Bd. 1, fol. 79–127 „Dr. Burckh. Victoriniis Schönfeld. Phÿs. Ord. de Ao. 1602. sqq.“). In einem Brief vom 4. Dezember 1608 bat der Abt vom Stift Fulda den Rat der Stadt Mühlhausen, Schönfeldt als Stadtphysikus zu entpflichten und wieder nach Fulda ziehen zu lassen (ebd., fol. 124). Dem wurde entsprochen, doch forderte der Rat noch die Zahlung von ca. 100 Gulden, die Schönfeldt der Stadt und einzelnen Bürgern (z. B. einem Apotheker) schuldete. Hierüber geben wiederum einige Briefe und Manuskripte aus der Zeit von 1601 (Schönfeldt an den Rat, geschrieben in Mühlhausen am 20. Mai 1601) bis 1618 (Rat von Fulda an Rat von Mühlhausen, erhalten am 5. August 1618) Auskunft (StA Mühlhausen, 10/R 3, Nr. 24, Bd. 2, fol. 438–474 „Schönfelds Schulden“). 1609 verließ Schönfeldt schließlich Mühlhausen, mußte aber einen Teil seines Hausrats zurück lassen. Hierüber gibt es ein „Verzeichnus Was den 8 vnd 12 Julij ao 1611 auf befehl der Herrn Seniorn an weilandt Herrn Doctoris Burchardi Victorini Schönfeld alhier verlaßenen Hausrath, Bücher vnd anderen Fahrnus, welches Er In E. E. R. behausung In Der Newen gaßen hiebevor Eingesetzt“ (ebd., fol. 449). Auf 16 Seiten werden verschiedene Dinge aufgelistet, darunter vorhandene Arzneien und Bücher. Zwei weitere Listen mit Schönfeldts Büchern sind bei jedem Buch mit einem Geldbetrag versehen (ebd., fol. 458–461 „Actum 17. August 1612 […]“, 469–471 (Catalogus Librorum D. B. V. Schoenfelder“), vermutlich dem Erlös aus dem Verkauf der Bücher. Der Betrag („Summa 58 fl. 17 gl. 9. d.“, ebd., fol. 473r) könnte zur Bezahlung der Schulden verwendet worden sein. Diese Bücherlisten eröffnen die Möglichkeit, die private Bibliothek von Schönfeldt zumindest teilweise zu rekonstruieren.
Nach dem Wegzug aus Mühlhausen (1609) wurde Schönfeldt in Fulda neben Johann Fuchs ein zweites Mal als Hofmedicus bestallt (vgl. Honegger, 1981, S. 88f., dort wird angenommen, daß Schönfeldt durchgängig von 1598 bis 1610 Hofmedicus war, dem aber der Aufenthalt in Mühlhausen von 1600 bis 1609 entgegensteht). Nach 1610 fehlen Spuren von Schönfeldt.
Beim Schreiben seiner Kalender und Prognostiken benutzte Schönfeldt für die Kapitel zur Wettermutmaßung auch alte Wetteraufzeichnungen, aus denen er gelegentlich das gewesene Wetter einstreute, z. B. bei der Mutmaßung zum 21. Januar 1596, da „treget sich zu ein Quadratus Martis Veneris, bringt nachlass der kelte/ vnd weiche schne oder regenwetter/ dergleichen positus hat sich zugetragen An. 1561. 16. Jan. 1562. 10. Febr. 1573. 17. Novemb. An. 1591. 15. Febr. etc. da alle mal viel regens mit schne vormenget/ vnd trübe dunckele lufft gefolget“ (Prognostikum für 1596, S. B4a). Bei den astronomischen Rechnungen verwies er auf verschiedene Möglichkeiten. Zum Beispiel führte er im ersten Kapitel vom Winter 1602 aus: „Nach Astronomischer Art aber/ sind zweyerley vorneme Jar Rechnung bey vnsern Zeiten im brauch. Etliche halten sich an die alten tabulas Alphonsi Arragonum Regis, vnd Ephemerides Cypriani Leovitij, nach desselbigen Hypothesibus geordnet. Andere gebrauchen sich der newen verbesserten tabularum Brutenicarum/ oder der Ephemeridum Iohan Stadij, welche nach dem Fundamento Nicolai Copernici gerechnet/ Wie weit mercklichen aber sie von einander sein vnd abelauffen/ kan man alle Jar gnugsam erfahren“ (Kalender für 1602, zweiter Teil, S. A3b). Darüber hinaus bieten Schönfeldts Kalender Hinweise auf astronomische Messungen, z. B. im Bericht über den Stern Arktur, dessen Distanz zum „Capite Herculis“ von Landgraf Wilhelm IV. vermessen worden war (ebd., S. D2b–4b).

Titel:
(1) 1596–1605: Schreibkalender.
Druck und Verlag:
1596–[1597?]: Druck Andreas Duncker, Magdeburg, Verlag Ambrosius Kirchner, Magdeburg, 1598[?]–1605: Druck und Verlag Johann Beck, Erfurt.
Nachweis:
Herbst, 2008a, S. 145. VD16. CERL.
Online:
(1) Prognostikum 1596 [10.12.2014], 1603, 1605 [13.02.2017].

Erstellt: 10.12.2014
Letzte Aktualisierung: 24.11.2019

schoenfeld_t_burckhard_victorin.txt · Zuletzt geändert: 2019/11/24 12:07 von klaus-dieter herbst