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Schimpffer, Bartholomaeus

„Bartholomaeus Schimpfferus/ vor Hall in Sachsen aufm Newmarckt/ der Medicinischen und Mathematischen Künste Liebhaber“; „Fürstl. Durchl. zu Magdeburg bestalter Hof-Mathematicus in Hall“ (Selbstbezeichnungen auf den Titelblättern, zit. 1647, 1660)
* ca. 1610 Neugattersleben, † 04.02.1662 Halle
Kalender seit 1646, erschienen bis 1669

Bartholomaeus Schimpffer war Fürstlich-Magdeburgischer Hof-Mathematiker in Halle an der Saale. Er wohnte „auffm Neumarck[t] vor Hall[e] in Sachsen“ (Schreib=Calender für 1649, zweiter Teil, S. A2b; vgl. Dreyhaupt, 1750, S. 708). Seine Prophezeiung des nahen Todes Kaiser Ferdinands III. während des Leichenbegängnisses von Kurfürst Johann Georg I. († 1656) wurde in der Literatur stets erwähnt, weil tatsächlich kurz darauf (im Jahr 1657) der Kaiser starb (z. B. in Zedler, 1732, Bd. 34, Sp. 1588f.). In der Historiographie fand Schimpffer auch aus einem zweiten Grund stets Erwähnung, denn er war einer der frühen Lehrer Erhard Weigels in Halle (Quellenzitat), wo Weigel ab 1644 das Gymnasium besuchte. Von ihm ließ sich Weigel vor allem in den astronomischen und astrologischen Grundlagen des Kalendermachens unterrichten (Dreyhaupt, 1750, S. 708).
Darüber hinaus werden in der Literatur bisher keine weiteren Einzelheiten zum Leben von Schimpffer genannt. Die Matrikel der Universität Leipzig verzeichnet ihn mit der Immatrikulation im Sommersemester 1638 (Erler, 1909, Bd. 2, S. 388 „Schimpferus Bartholom. Neugattlebien. Saxo 1 fl. 3 gr. i S 1638 S 5“). Hieraus geht sein Geburtsort Neugattersleben hervor. Aus dem Erscheinungsjahr 1630 der ersten Gelegenheitsschrift von Schimpffer wird das ungefähre Geburtsjahr 1610 abgeleitet. Das Sterbedatum nannte Dreyhaupt (Dreyhaupt, 1750, S. 708).
Das Erscheinen eines Schreibkalenders von Schimpffer kann frühestens für das Jahr 1646 belegt werden, denn in seinem Kalender für 1647 erwähnte er seinen „Calender so vor einem Jahr in druck verfertiget und aus gangen“ (zweiter Teil, S. B4a). Offenbar war Erhard Weigel am Verfassen der Schreibkalender von Schimpffer beteiligt (siehe das Quellenzitat). Den fast in jedem Jahrgang beigegebenen Widmungsbriefen an hochgestellte Personen aus dem Stadtbürgertum oder aus dem Adel können Hinweise auf biographische Einzelheiten entnommen werden. So verwies Schimpffer im am 10. Juni 1648 unterzeichneten Widmungsbrief an Conrad von Burgsdorf, Kurfürstlich-Brandenburgischer Oberkammerherr, Oberkommandant und aller Festungen Obrist, auf seine Beziehung zum Brandenburgischen Hof, indem er schrieb: „Und nachdem Ihrer Churf. Durchl. zu Brandenburg/ etc. ich meinen verwichenes Jahres verfertigten Calender aus erheblichen Ursachen in gehorsamster Unterthänigkeit übergeben; Als habe/ in Betrachtung des hohen Favors und geneigten Affection, (welche so wol bey Ihrer Hochwürd. als ihrer HochEdl. Gestr. dem Herrn Obristen/ deroselben vielgeliebten Herrn Bruder/ meinen auch vornehmen und geneigten Patron/ ich eine geraume Zeit anhero gegen mir gespüret/) Ihr Hochwürd. ich diese meine CalenderArbeit mit danckbarem Gemüthe und willigster Dienstschuldigkeit zu offeriren, mich schuldig erkennet.“ (Schreib=Calender für 1649, zweiter Teil, S. A2b). Erhalten sind drei von Schimpffer verfaßte Geburtshoroskope: für Christian von Sachsen-Altenburg (1654–1663), für Johanna Magdalena von Sachsen-Altenburg (1656–1686) (FB Gotha, Chart. B 389, fol. 112–127 und 155–170) sowie für Markgraf Erdmann Philipp von Brandenburg-Bayreuth (1659–1678) (Pültz, 1973, S. 150, Nr. B 243). Und im Kalender für 1660 erwähnte Schimpffer in der dem Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, August, und dessen Söhnen gewidmeten Dedikation seine mehrmaligen Aufenthalte am Wolfenbütteler Hof und die ihm dort erwiesene hohe Gnade (zweiter Teil, S. A3b). Im Umfeld der Fürstenhöfe sollte somit über die gedruckten Gelegenheitsschriften hinaus weiteres Material zu Bartholomaeus Schimpffer gefunden werden können.
Aus der Kalenderreihe der → Salome Schimpferin erfährt man, daß diese eine Cousine von Bartholomaeus Schimpffer war. Über weitere familiäre Beziehungen konnte aber nichts ermittelt werden.
In seiner Beschreibung und Deutung des Kometens von 1652 gab Schimpffer Hinweise auf eine von ihm damals unternommene Reise von Dresden nach Halle, während dieser er den Kometen gesehen hat. Am 20. Oktober 1652 war er in „Ketzberg“, tags darauf in Mutschen und Grimma, am dritten Tag in Großkugel, schließlich kam er in Halle an. „Darauff ich denn in wenig Tagen auff Quedlinburg Wolfenbüttel unnd Zelle gereiset“ (Schimpffer, 1652, S. D1a).
Daß Schimpffer in den letzten Jahren seinen Kalender nicht mehr in Leipzig drucken und verlegen ließ, sondern in wechselnden Orten (Zwickau, Erfurt, Magdeburg), deutet auf Probleme mit dem Verkauf seines Kalenders hin. Folgerichtig war dann, daß nach Schimpffers Tod dessen Kalenderreihe nicht fortgeführt wurde, denn zu jener Zeit drängten neue Autoren mit ihren Schreibkalendern auf den umkämpften Kalendermarkt, die ihre Kalender zunehmend weniger mit astrologischen Prophezeiungen füllten, sondern mit neuen, auf Unterhaltung und Belehrung abzielenden weltlichen Texten.

Titel:
(1) 1646–1663[?]: Schreib=Calender, Format 4°.
(2) 1657[?]–1669: Schreib Calender, Format 8°.
Druck und Verlag:
1646–1648: Christoph Salfeld, Halle, 1649–1652: Druck Friedrich Lanckischs Erben, Leipzig, 1653: Friedrich Lanckisch d. J., Leipzig, 1654–1659: Timotheus Ritzsch, Leipzig, 1660–1661: Melchior Göpner, Zwickau, 1662: Martha Hertz, Erfurt, 1663–1669: Johann Müller, Magdeburg.
Nachweis:
Herbst, 2008a, S. 143. Ergänzung: FB Gotha, Chart B 1470 (2)–(8) (Reihe 2); SLUB Dresden, Mscr. Dresd. Q. 238, 240 (Ex. ab 1657 der Reihe 2). VD17. CERL.
Online:
(1) [01.10.2014].
Andere Drucke:
(1) Ehren Glückwünschung/ Auff die Hochzeitliche EhrenFrewde […] Wigandt Seitz/ Major. Als Bräutgamb/ Und […] Barbara Leideckem […] Alexander Drachstedt sel. gewesener RathsCämmerer/ und Pfänner in Halla hinterlassene Witbe Braut. So den 7. Junij dieses 1630. Jahrs zu Halla celebriret und gehalten worden/ Offerirt unnd Praesentirt, Von Barthol Schimpffern/ als seinem Großgünsten lieben Herrn und sehr werthen guten Freunde. Halle 1630. RSB Zwickau, 20.7.28.(67).
(2) Der Glückwündschende Orion/ Bey dem Fürstlichen Hochlöblichen Beylager/ Des Durchläuchtigsten Hochgebohrnen Fürsten und Herrn/ Herrn Christiani Hertzogen zu Sachsen/ etc. Mit der Durchläuchtigsten/ Hochgebohrnen Fürstin und Fräulein/ Fräulein Christiana/ gebornen Hertzogin zu Holstein […]. Leipzig 1650. SLUB Dresden, Hist. sax. C. 118,22. Online [02.10.2014].
(3) Der mit=frölige Mercurius/ Bey dem Fürstlichen Hochlöblichen Beylager/ Des Durchläuchtigsten Hochgebohrnen Fürsten und Herrn/ Herrn Mauritii/ Hertzogen zu Sachsen/ etc. Mit der Durchläuchtigsten/ Hochgebohrnen Fürstin und Fräulein/ Fräulein Sophia Hedewig/ gebornen Hertzogin zu Holstein […]. [Leipzig?] 1650. SLUB Dresden, Hist. Sax. C. 118,27. Online [02.10.2014].
(4) Kurtze Beschreibung Deß dunckelen Cometen So Anno 1652. den 8. Decembr. erschienen/ darauff gemeiniglich sonderliche Enderungen und Verwirrungen zuerfolgen pflegen. […] Halle 1652. [Diese Schrift wurde mehrfach nachgedruckt.] NSUB Göttingen, 8 ASTR II, 4842 (4). Online [02.10.2014].
(5) Glückliche Erscheinung der Himmlischen Braut=Diener bey dem Fürstlichen beylager Des Durchläuchtigsten/ Hochgebornen Fürsten un Herrn/ Herrn Friedrich Wilhelm/ Herzog zu Sachsen/ Jülich […] mit der Durchläuchtigsten/ Hochgebornen Fürstin und Frauen/ Frauen Magdalenen Sibyllen/ Zu Dennemarcken/ Norwegen […]. Leipzig [1652]. ULB Halle, 78 L 1625, Kapsel (25). Online [02.10.2014].
(6) Schuldige Auffwartung Bey des Durchläuchtigsten Hochgebohrnen Fürsten und Herrn/ Herrn Christiani/ Hertzogs zu Sachsen/ Jülich […] den 30. [September] zu Merseburgk glücklich angestellten Einzug. Leipzig 1653. ULB Halle, 78 M 311, Kapsel (20). Online [02.10.2014].
(7) Fröliche Erscheinung der Himmels=Planeten/ Als die Durchläuchtige/ Hochgebohrne Fürstin und Fräulein/ Fräulein Johanna=Magdalena Hertzogin zu sachsen/ Jülich […] Den 14. Januar. früh umb 3. Uhr 31. min. des 1656 Jahrs/ das Licht der Welt erstmals erblickete/ Welches […] den 4. Junii auff dem Fürstlichen residentz=Hause Altenburg des 1656sten Jahres […] übergeben […]. Leipzig 1656. HAB Wolfenbüttel, P 497.2° Helmst. (7). Online [02.10.2014].
(8) Angelegte Himmels=Trauer So bey der tödtlichen Christseligsten Hin= und Heimfahrt zu Gott/ Des weyland Durchläuchtigsten/ Hochgebornen Fürsten und Herrn/ Herrn Johann=Georgen/ des Ersten/ hertzogen zu Sachsen/ Jülich […] herfür gezeiget worden. O. O. 1657. SLUB Dresden, Hist. Sax. C. 81,163. Online [02.10.2014].
Quellenzitat:
Erhard Weigel über seine Begegnung mit Bartholomaeus Schimpffer in Halle ab 1644:
„§. 3.
[…] so begab sichs/ daß/ in dem an einem berühmten Ort/ ich mit sothanen desiderio vors Thor spatziren gieng/ mich ein curioses Zeichen in eines weitberuffenen Astrologi Behausung/ unbewußt daß ein dergleichen Mann darinnen wohnete/ einzutreten verursachete; welcher bald zugegen/ wie Er eines Schreibers benöthiget war/ (weil Er die Kunst in Schwang gebracht/ und zumahl zur Kriegszeit den Glücksbegierigen Soldaten viel Nativiteten zustellen hatte/) also mich so bald von freyen Stücken/ ob ich fein schreiben könte/ fragte; und nach der Schreibe=Prob so bald/ doch ungehindert meiner Studien im Gymnasio, mich zum Schreiber annahm/ und gar wohl accommodirte: zumahl sein gantzes Hauß/ vom mittlern Stockwerck an biß oben aus/ mit Land= und Himmels=Charten/ Globen/ Instrumenten/ ausgeziert/ wie auch mit einer völligen Astrologischen Bibliothek/ sampt seinen vorigen in gewissen Kasten auffgehobenen Nativitets=Concepten/ und schon 20. Jährigen Observationibus des Wetters/ welches er nach seinem Frühgebeth selbst zuverzeichnen pflegte/ wohl versehen war.
§. 4.
Deme muste ich so bald beym Anfang ein Judicium astrologicum, über die von andern außgerechnete Figur des Himmels/ auff 4. Bogen concipirn/ und ward mir nur zu einem ieden Capitel von den zwölffen eine einige Zeile neben des Ranzovii Regeln/ doch behutsam und mit vielen (wiewohl; dennoch; aber;) außzuschreiben/ vorgeschrieben; dennoch traff das erste Nativitet nicht weniger als die folgenden zu/ dem gemeinen Sprichwort nach/ wie nichts guts: Ich lernete bey dieser Schreiberey und Concipirung leichtlich das judicium; die Rechnung aber wurde mit nicht gewiesen. [… Weigel ging zwischenzeitlich 1645 ein erstes Mal zurück nach Wunsiedel zu Jacob Ellrod, von dem er sich die astronomischen Rechnungen für das Nativitätstellen absah, und kam] nach einem Monat wieder zu meinem Herrn: welcher auff Befindung mir nun alle seine arcana communicirte/ seine Bibliothek und Instrumente frey gab/ und nicht nur das concipirn/ sondern auch die Rechnung der Nativiteten/ mit einigem Recompens von iedem/ aufftrug: und dingte das Calenderschreiben mit ein. Die schrieb ich Jährlich aus den Ephemeridibus mit assignation des Wetters und der andern Calender Einfälle/ unter dem Vorwand der Aspecten/ aus/ wie es auch viel andere machen. Dem Calender gieng es auch/ wie es allen Calendern zu gehen pflegt/ und traff Er so gut als andere ein. Ich hatte dieses andere Jahr [1646 – K.-D.H.] den Recompens zusammen gespart/ und wandte mich damit wiederum zu dem vortrefflichen Mann [Jacob Ellrod – K.-D.H.]: erlangte von ihm den Grund der rechten Mathematischen Wissenschafften/ sampt der Prax der Messung: kehrte damit wieder zum Gymnasio, und zu meiner Schreib=Condition, und practicirte beydes neben einander.“
(Erhard Weigel: Fortsetzung Des Himmels=Zeigers […]. Jena 1681, S. 52f.) [hinzugefügt am 17.03.2017].

Erstellt: 02.10.2014
Letzte Aktualisierung: 21.12.2018

schimpffer_bartholomaeus.txt · Zuletzt geändert: 2018/12/21 11:56 von klaus-dieter herbst