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Krabbe, Wilhelm

„Wilhelmus Krabbe der Astronomy besonderer Liebhaber“; „M. Wilhelmus Krabbe, Astronomiae Cultor“; „Mr. Wilhelmus Krabbe Der Astronomie Liebhaber“ (Selbstbezeichnungen auf den Titelblättern, zit. 1677 (Reihe 3), 1682 (Reihe 4), 1778 (Reihe 5))
* ?, † nach 1664 Köln
Kalender seit 1635, erschienen bis mindestens 1778

Über Wilhelm Krabbe konnten keine biographischen Einzelheiten ermittelt werden. Dessen Name wurde fast zweihundert Jahre lang auf in Köln gedruckte Kalender genannt. Den bislang ältesten Nachweis liefert eine Akte, aus der hervorgeht, daß der Kölner Stadtrat am 20. Juli 1635 dem Drucker Gisbert Clemens „das gebettene Priuilegium vber die Calendaria Wilhelmi Krabbe vnd Stephani Aubel“ erteilte (HA Köln, Bestand 90, A 293, Bl. 1; vgl. → Aubel, Stephan). Am 17. November 1636 hat Clemens dem Rat „künfftigen ihars Calendariae, durch Wilhelmen Krabbe gestelt, praesentieren laßen“, wofür er acht Reichstaler aus der Freitags-Rentkammer erhielt (ebd., Bl. 2). Schließlich beklagte sich Clemens in zwei Briefen vom 20. und 28. September 1646 (ebd., Bl. 4 und 3) darüber, daß er zwar seit „abgewichenem 1635.ten Jahr […] mit den Almanachen Wilhelmi Krabben vnd Stephan Aubels gnedig priuilegirt“ worden sei, dieses Privilegium jedoch jetzt durch „einen mit nahme Dominicus Poirot“ mißachtet worden sei (ebd., Bl. 4; zu Poirot vgl. Reske, 2007, S. 472).
Nachdem der Drucker Gisbert Clemens 1654 gestorben war, druckte zunächst dessen Witwe Sybilla weiter (Reske, 2007, S. 469). Ein von ihr geschriebenes Privilegiumsgesuch betraf die „Kalender, die Sohn Arnoldus Aegidius Clemens ,künftig verfassen und außgehen laßen wird‘ [zw. 1654 u. 1656]“ (Koppitz, 2008, S. 329, Nr. 61). Ein entsprechender Verfassername für Kölner Kalender ist nicht bekannt. Sybilla Clemens (in Koppitz, 2008, S. 329 als Sibilla Lützenrath geführt), heiratete 1657 Johannes Portz, der die Offizin übernahm und „viele Kalender“ herstellte (Reske, 2007, S. 475). Portz starb 1662, sodaß abermals die Witwe die Druckerei führte. Am 12. November 1663 bat sie erneut um ein kaiserliches Privilegium für ihre „Calendaria und observationes astrologicae“. Gleichzeitig beschwerte sie sich darüber, daß Wilhelm Krabbe ihre „Calendaria und observationes etc. unter ihrem Namen“ nachdrucken ließ (Koppitz, 2008, S. 329, Nr. 62). Die Beschwerde wurde im Februar 1664 wiederholt (ebd., Nr. 63). Damals mußte Krabbe also noch in Köln gelebt haben. Aus einer weiteren Beschwerde vom März 1664 geht hervor, daß der Sohn Arnoldus Aegidius Clemens sogar „in Astronomie durch den ,astronomus Wilhelm Krabbe‘ nach Erwerbung des Kalenders“ unterwiesen worden war (ebd., Nr. 64). Schließlich suchte die Witwe Sybilla Portz im März 1664 erneut um ein Privilegium nach und schickte das gedruckte Titelblatt vom „Schreib=Allmanach“ für 1664 mit (ebd., Nr. 65). 1670 übernahm Cornelius Cönen die Offizin (vgl. die Reihen 3 und 4), nachdem er Christina, Tochter des Druckers Gisbert Clemens und dessen Frau Sybilla, geheiratet hatte (ebd., S. 478). Aufgrund dieser Weitergaben der Druckerei ist anzunehmen, daß es seit 1635 eine durchgängige Kalenderproduktion bis ins 18. Jahrhundert hinein gab. Anhand der Privilegienakten können die Reihen 5 und 6 zumindest ab 1713 belegt werden (vgl. die Angaben bei → Caspar Hersbach), die vermutlich als Fortführung der Reihen 1 und 2 anzusehen sind. Ein überlieferter „Allmanach“ für 1746 (HA Köln, Bestand 90, A 294, Nr. 1) ist mit einem Privilegium vom 20. September 1736 für den Taschenmacher und Verleger Johann Wilhelm Steinbüchel versehen. Steinbüchel, Nachfolger des seit 1718 in Köln wirkenden Johann Anton Steinbüchel (Paisey, 1988, S. 251), verlegte auch die Kalender von Caspar Hersbach und → Jacob Sturmann. Das Privilegium wurde 1746 und 1758 erneuert (HA Köln, Bestand 90, A 294, Nr. 1 (1758) und 3 (1746)). Der Verfassername „Wilhelm Krabbe“ wurde noch bei einem Kalender für das Jahr 1778 verwendet.

Titel:
(1) 1635–1647[?]: Almanach, [Format 16° ?].
(2) 1658[?]–1664[?]: Schreib=Almanach, Format 8°.
(3) 1677[?]–1711[?]: [Kupfertitel] Newer Europischer Zeit vnd wunder Calender. [Zweites Titelblatt] Schreib= Zeit= und Wunder=Calender, Format 4°.
(4) 1682[?]–1700[?]: Schreib=Calender, Format 8°.
(5) 1713[?]–1778[?]: Allmanach, Format 16° [vermutlich die Fortführung der Reihe 1].
(6) 1713[?]–1763[?]: Schreib=Allmanach, Format 16° [vermutlich die Fortführung der Reihe 2].
(7) [?]–1746[?]: Allmanach, Einblattkalender, Format 2°.
Druck und Verlag:
(1) Gisbert Clemens, Köln.
(2) Johann Portzs Witwe Sybilla, Köln.
(3), (4) Cornelius Cönen, Köln.
(5)–(7) 1713–1718: Johann Cönen, Köln, 1719–[1735?]: Johann Cönens Erben, Köln, 1736[?]–[1757?]: Druck ?, Verlag Johann Wilhelm Steinbüchel und dessen Schwester Anna Gertrudis, Köln, 1758[?]–1778[?]: Druck ?, Verlag Buchbinderamt, Köln.
Nachweis:
Herbst, 2008a, S. 116. Ergänzung: LANW Duisburg (Ex. für 1682, 1684, 1685, 1688, 1689, 1691–1695, 1699, 1700 der Reihe 3). HA Köln (Ex. für 1746 und 1778 der Reihe 5, für 1763 der Reihe 6, für 1746 der Reihe 7). UStB Köln (Ex. für 1709, 1711 der Reihe 3). StM Köln (Ex. für 1658 der Reihe 2, für 1700 der Reihe 4).

Erstellt: 05.07.2017
Letzte Aktualisierung vor 20.01.2020: 18.10.2019
Letzte Aktualisierung nach 20.01.2020: 10.11.2021

krabbe_wilhelm.txt · Zuletzt geändert: 2021/11/10 12:16 von klaus-dieter herbst