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Köbel, Jacob

„Jacob Köbel/ Stadtschreyber zu Oppenheym etc.“ (Selbstbezeichnung auf dem Titelblatt, zit. 1533)
* ca. 1462 Heidelberg, † 31.1.1533 Oppenheim
Prognostiken seit mindestens 1521, Wandkalender seit ca. 1520, Buchkalender nur [?] 1533

Jacob Köbel wurde um 1462 in Heidelberg geboren. Sein Vater war der pfalzgräfliche Münzmeister und Goldschmied Nicolaus Köbel, seine Mutter ist namentlich nicht bekannt (Grimm, 1979, S. 289). Über die Kindheit konnten keine Einzelheiten ermittelt werden. Am 20. Februar 1480 wurde Köbel in die Matrikel der Universität in Heidelberg eingeschrieben (Toepke, 1884, Bd. 1, S. 362 „[1480.] Johannes [sic] Kobel de Heydelberga XX. Februarij“; offenbar eine Verschreibung beim Vornamen, denn im Registerband steht „Jac.“) und im Juli 1481 zum Baccalaureus der Künste promoviert (ebd., Anm.). Spätestens seit 1487 war er als Buchführer und seit 1489 auch als Verleger in Heidelberg tätig (Reske, 2007, S. 761). Am 16. Mai 1491 erwarb er auch das Baccalaureat beider Rechte. 1494 zog Köbel nach Oppenheim um, wo er am 8. Mai 1494 Elisabeth zum Gelthus, Tochter eines Ratsmannes, heiratete. Aus dieser Ehe gingen die Kinder Jacob (gest. 1548) und Katharina hervor. In Oppenheim wurde Köbel „zum Stadtschreiber, amtlichen Feldmesser und Eichmeister ernannt“. Als Drucker trat er ab 1497 in Erscheinung (ebd.). Köbel war befreundet mit dem Mathematiker und Astronomen Johannes Stöffler (1452–1531), Professor an der Tübinger Universität (Eisenhart, 1882, S. 346), und er stand in Verbindung mit Humanisten wie z. B. Conrad Celtis (1459–1508) und Johannes Reuchlin (1455–1522). Einige astronomische Schriften von Stöffler wurden in der Offizin von Köbel gedruckt. Als Drucker, Verleger, Bearbeiter und Autor veröffentlichte er rund einhundert Drucke, „vorwiegend volkstümliche deutsche“ sowie „mathematische und geometrische Schriften“ (ebd., S. 762; vgl. Grimm, 1979, S. 290). Er betonte in Vorreden und Widmungsbriefen seiner Schriften die Bedeutung der Publikation in der deutschen Muttersprache für das Verständnis bei den Laien (siehe z. B. das Quellenzitat). Er starb am 31. Januar 1533 in Oppenheim (Reske, 2007, S. 762).
Köbel verfaßte auch Jahresvorhersagen im Quartformat. Diese damals als „Practica“ bezeichneten astrologischen Prognostiken erschienen neben den Wandkalendern, den als Einblattdruck herausgegebenen „Almanachen“. Bekannt sind zwei Prognostiken für 1521 und 1523, in deren Titeleien Köbel sich auf Johannes Virdung (1463–1538[?]) in Haßfurt berief, den er als seinen Lehrmeister bezeichnete (Praktik für 1523: „Vnd sunderlich des Hochberumpten Meynster Johannis Virdungs von Haßfurt […] Astronomen vnn Mathematicen etc. Mein Jacob Köbels Lermeinster“). Köbel druckte die Prognostiken von Virdung (vgl. Zinner, 1941/64, S. 132, Nr. 747: Vorhersage für 1500, und passim).
Mit dem Kalenderwesen hat sich Köbel mindestens seit 1512 beschäftigt, als er einen ewigwährenden Kalender verfaßte und druckte (anderer Druck, Titel 1). Bekannt ist auch ein Wandkalender für ca. 1520 (nach Zinner, 1941/64, S. 154). Bisher unbekannt und nicht im VD16 verzeichnet ist ein jüngst aufgefundener Kalender für 1533, den ebenfalls Köbel verfaßt hat (überliefert im StA Mühlhausen). Das ist ein Buchkalender im kleinen Sedez-Format. Das Kalendarium enthält 14 Blätter, auf denen ein Monat auf jeweils zwei gegenüberliegenden Seiten dargestellt ist. Da hier noch keine leere Schreibseite vorhanden ist, ist dieser Buchkalender kein Schreibkalender (vgl. bei → Dionysius Sibenburger). Im Anschluß an das Kalendarium wurde die „Practica Teutsch“ mit 15 Blättern gedruckt mit fortlaufender Bogenzählung (Titelseite: B7a). Einer „Vorrede Köbelns“ (B7b) folgenden die typischen astrologischen Kapitel (nach Blatt B8 mit neuer Bogenzählung).

Wandkalender:
1520 (ca.): Kalender vnd wegweiser der zeit, 2°, Druck [Jacob Köbel, Oppenheim] (Zitiert nach Zinner, 1941/64, S. 154, Nr. 1133; vgl. Benzing, 1962, S. 51, Nr. 71)

Buchkalender:
1533: Allmanach vnnd Pract., 8°, Druck Peter Jordan, Mainz (StA Mühlhausen, 80/1256)

Praktik bzw. Prognostikum:
1521: Practica Teutsch, 4°, ohne Druckort (HAAB Weimar, Aut IX (1a); ÖNB Wien, 38,027.B; vgl. Benzing, 1962, S. 74, Nr. 122)
1523: Practica Teütsch, 4°, Druck Jacob Köbel, Oppenheim (UB Leipzig, Hist. H.W. 155-b)

Titel:
[?]–1533[?]: Allmanach vnnd Pract., Format 8°.
Druck und Verlag:
Peter Jordan, Mainz.
Nachweis:
StA Mühlhausen, 80/1256. CERL (ohne Kalender). VD16 (ohne Kalender, mit 2 Prognostiken).
Online:
Praktik für 1521, 1523 [14.01.2019].
Andere Drucke (Auswahl):
Eine Bibliographie der Drucke und Schriften liefert Benzing, 1962.
(1) Kalender. New geordent/ mitt viel[e]n vnderweisungen der Himmelischen Leüff/ der Zeit/ der Christlichen Gesatze, Auch kurtzwilig (Gereympt) vnnd lustig mitt Exempelnn vnd Figuren Getruckt. [Das ist ein ewigwährender Kalender mit ausführlicher Anleitung des Gebrauchs.] Oppenheim [1512]. SStB Augsburg, 4 Math. 291. Online [14.01.2019].
(2) Kalender Der Barbirer, vnd Gemeinen volck zu teglichem geprauch dynlich. Oppenheim 1516. Zitiert nach Zinner, 1941/64, S. 150, Nr. 1957.
(3) Von vrsprung der Teilung/ Maß vnn Messung deß Ertreichs der Ecker/ Wyngarten/ Krautgarten/ vnd anderer Velder/ in was form vnd gestalt die seind/ Vnn wie man die nach warer khunst Messen vnd Rechen solle/ ist hiernach eygentlich durch Regelnn/ Exempelnn/ vnnd Figuren angezeygt vnd erclaert. Oppenheim 1522. ThULB Jena, 4 Bud. Jus civ. 79(4). Das Exemplar trägt Gebrauchsspuren von Conrad Ofenbach, Doktor der Freien Künste.
(4) Jakobstab kunstlich und gerecht zu machen. Frankfurt am Main 1531. Zitiert nach Zinner, 1941/64, S. 173, Nr. 1443.
(5) Eyn künstliche sonn=Vhr inn eynes yeden menschen Lincken handt/ gleych wie in eynem Compaß/ zu erlernen […]. Mainz 1532. BSB München, 4 Math. a. 166, online [15.01.2019]. Und in anderen Bibliotheken.
(6) Astrolabii Declaratio, Eivsdemque usus mire iucundus, non modo Astrologis, Medicis, Geographis, caeterisque literarum cultorib. multum utilis ac necessarius […]. Mainz 1532. UB Frankfurt/Main, 15/646, online [15.01.2019]. Und in anderen Bibliotheken.
(7) Glaubliche Offenbarung/ wie vil fürtreffenlicher Reych vnd Kayserthumb auff erdtrich gewesen/ wa das Römisch Reich herkomm/ auß was vrsach es zu den Edeln Teutschen verändert worden sey. […]. [Augsburg] ca. 1532. ThULB Jena, 2 Bud. Hist. un. 44(1).
Literatur (Auswahl):
Heinrich Grimm: Art. „Köbel, Jakob“. Nn: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 289–290.
August Ritter von Eisenhart: Art. „Köbel, Jakob“. In: Allgemeine Deutsche Biographie 16 (1882), S. 345–349.
Christoph Reske: Art. „Jakob Köbel (Jacobus; Cobelius, Kobel) 1497–1529“. In: Reske, 2007, S. 761f.
Josef Benzing: Jakob Köbel zu Oppenheim 1494–1533. Bibliographie seiner Drucke und Schriften. Wiesbaden 1962.
Quellenzitat:
„Dieweyl die Layen/ die der Lateynischenn schrifft vnuerstendig/ grossen vnlust zu lesen haben/ so sye vndter dem Teütschenn/ vil lateynisch wörtter vndermischt finden/ Deßhalb ich Jacob Köbel/ Stattschreiber zu Oppenhaim/ kain bewerung/ noch allegation inn disem meinen büchlin gsetzt/ noch vnderschidlich an yeden end gezaigt.“ Das Buch ist in Deutsch verfaßt und mit lateinischen Marginalien, den Quellenangaben, versehen. Anderer Druck, Titel 7, S. A3b, Vorwort.

Erstellt: 16.01.2019
Letzte Änderung vor 20.01.2020: 24.01.2019
Letzte Änderung nach 20.01.2020: 14.01.2022

koebel_jacob.txt · Zuletzt geändert: 2022/01/14 15:06 von klaus-dieter herbst