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Hamberger, Georg Albrecht

Georg Albrecht Hamberger

„Georg Albrecht Hamberger/ Mathem. P. P.“ (Selbstbezeichnung auf dem Titelblatt, zit. 1701)
* 26.11.1662 Beyerberg/Franken, † 13.2.1716 Jena
Kalender seit 1701, verfaßt bis mindestens 1705

Georg Albrecht Hamberger wurde am 26. November 1662 in Beyerberg in Franken, heute ein Ortsteil von Ehingen in der Nähe von Ansbach, geboren (wenn nicht anders angegeben, sind alle Einzelheiten entnommen aus Habermann, 2013). Seine Eltern waren der lutherische Pfarrer Georg Ludwig Hamberger (1622–1689) und Barbara Cöler (1624–1689). Über die Kindheit konnten keine Einzelheiten ermittelt werden. Von 1677 bis 1682 besuchte er die Fürstenschule in Heilsbronn. Anschließend schrieb er sich am 24. Juli 1682 in die Matrikel der Universität in Altdorf ein (Steinmeyer, 1912, Bd. 1, S. 410 „[1682 VII.] 24. Georgius Albertus Hamberger, Beubergensis“). Hier studierte er unter anderem bei → Johann Christoph Sturm. Am 26. April 1684 wechselte Hamberger an die Universität in Jena, wo er noch im gleichen Jahr zum Magister promoviert wurde (Jauernig/Steiger, 1977, S. 351 „Hamberger, Geo. Albs., Bauerbergensis, 26. April 1684“ mit der Anm. „Mag. 1684 (A 287 Bl. 57)“). Hamberger blieb in Jena und strebte eine akademische Laufbahn an, in der er 1688 zunächst Assistent an der Philosophischen Fakultät wurde. Auf Empfehlung von Erhard Weigel (1625–1699) wurde er 1694 außerordentlicher Professor der Mathematik, ein Jahr später übernahm er als ordentlicher Professor den Lehrstuhl von Weigel. Auch dessen Amt als Inspektor der Alumni übernahm Hamberger 1697. 1705 wurde ihm zusätzlich der Lehrstuhl für Physik übertragen. Einer seiner Studenten war → Ulrich Junius.
Auch familiär war Hamberger mit Weigel verbunden, denn am 8. April 1695 heiratete er in Altdorf Sophia Katharina Spitz (23.12.1674–18.3.1754), älteste Enkelin Weigels. Aus dieser Ehe gingen zehn Kinder hervor: Anna Catharina (1696–1727), Georg Erhard (1697–1755), Anna Dorothea (1702–1774), Clara Elisabeth (1705–1774), Susanna Hedwig (1707–1791), fünf weitere Kinder verstarben im Kindesalter. Hamberger starb am 13. Februar 1716 in Jena.
Hamberger wirkte über seine Lehrverpflichtung hinaus als konsequenter Verfechter der vor allem von Weigel vorangetriebenen und erst nach dessen Tod (21.3.1699) am 23. September 1699 beschlossenen Kalenderreform in den protestantischen Reichsgebieten. Zahlreiche Briefe geben darüber Auskunft (vgl. Habermann, 2012), darunter zwei Briefe vom Januar 1700 an → Gottfried Kirch (Herbst, 2006, Bd. 3, S. 386f.). Damit im Zusammenhang stand das Streben nach Gründung eines „Collegium Artis Consultorium“, dessen Finanzierung durch die Einnahmen aus einem reichsweiten Kalendermonopol gesichert werden sollten. Durch die im Laufe des Jahres 1700 verordneten Monopole in Brandenburg und Sachsen kam es schließlich nicht dazu, doch lieferte Hamberger ein interessantes Detail über die Auflagenhöhe eines Kalenders. Über den für 1700 einsetzenden „Verbesserten Calender“ von Ulrich Junius schrieb er an den Regensburger Professor Johannes Meyer: „H. Fritsch in Leipzig hat von dem seinigen vor ganz Chur Sachsen priviligirten Calender 600000 exemplaria auflegen lassen“ (zitiert nach Habermann, 2012, S. 95f.).
Hervorzuheben ist ferner Hambergers Einsatz bei der Erforschung der natürlichen Ursachen der Witterung. Er vertrat die Auffassung, daß diese nicht durch die Influentzen der Gestirne bestimmt werde und auch nicht vorhergesagt werden könne. Statt die Aspekte der Gestirne zu beachten, sollten die Menschen lieber die Luft erforschen und Messungen mit Barometer, Hygrometer und Thermometer anstellen und den Wind und die Wolken beachten. Er selbst begann mit solchen Messungen in Jena in den 1690er Jahren, denn 1700, als er den Kalender für 1701 schrieb, bekannte er: „so habe ich solche schon viel Jahr auf alle Tage genau aufgezeichnet“ (Kalender für 1701, Kalendarium, S. A4b). Demnach hatte er „alle Tag 3. mal/ nemlich des Morgens/ Mittags und Abends/ das Fallen und Steigen des Mercurii im Barometro, ingleichen des Spiritus vini im Thermometro, nicht minder die Winde in der obern und untern Lufft/ nach ihrer Gegend und Stärcke/ und endlich die Witterung/ aufgezeichnet“ (Kalender für 1704, Kalendarium, S. A4a, vgl. Quellenzitat 2). Ausführlich berichtete Hamberger darüber in seinem Kalender für 1704. In ihm wird erst in der Textspalte auf den Recto-Seiten des Kalendariums „Von der Schwehre der Lufft und daher entstehender Witterung“ in naturwissenschaftlicher Manier gehandelt. Mit der Intention, daß das Wetter nicht voraussagbar sei, erörterte Hamberger bereits 1701 im „Anhang Verschiedener zum Calender gehöriger Sachen“ die Frage „Woher überhaupt die Witterung/ dadurch die vier Jahrs=Zeiten unterschieden werden/ entstehe?“ (Kalender für 1701, zweiter Teil, S. E3a–4a). Dabei versuchte er eine naturwissenschaftliche Erklärung, „wie solches der berühmte Parisische Medicus und Mathematicus Herr Mariotte, in seinem Tractat Essay du chaud & du froid p. 87. seqq. schön dargethan“. Im Kalender für 1704 folgen auf sechs Seiten in dem „Entwurff der Witterung durchs 1702te Jahr“ meteorologische Meßdaten für ein ganzes Jahr in Tabellenform (Kalender für 1704, zweiter Teil, S. E4b–F3b, erneut gedruckt in Herbst, 2010a, S. 221–226). Mit diesen Messungen realisierte Hamberger einen von Weigel angeregten Forschungsansatz (Herbst, 2016a). Die über mindestens ein Jahrzehnt von Hamberger um 1700 durchgeführte Meßreihe belegt, daß in Jena bereits weit vor 1770 mit systematischen Wetteraufzeichnungen begonnen wurde.
Daß Hamberger mit seiner Kalenderreihe erst mit dem Jahrgang 1701 begann, folgt aus den beiden am 29. Juli 1700 in Weimar durch Herzog Wilhelm Ernst und am 10. April 1700 in Eisenach durch Herzog Johann Wilhelm gegebenen und im Kalender abgedruckten Privilegien sowie aus der dreiseitigen Vorrede Hambergers. Überliefert sind nur zwei Exemplare für 1701 (StA Altenburg) und 1704 (UB Augsburg). Aus einem Brief von Hamberger an Herzog Wilhelm Ernst vom 18. Oktober 1704 geht hervor, daß Hamberger mit dem „Land und Hauß-Calender“ für 1704 und 1705 eine zweite Kalenderreihe verfaßte (ThHStA Weimar, Akte 5006a, fol. 188r, siehe Quellenzitat 3), von der kein Exemplar überliefert ist. In dem Brief ging Hamberger ferner auf → Georg Bährenklau in Eisenach ein, der entgegen der Anordnung im Fürstlich-Sächsischen Privilegium ebenfalls Kalender herausbrachte.
Johann Bielcke, Bürgermeister und Verleger in Jena, erwähnte in einem Brief vom 8. Januar 1704 an Herzog Wilhelm Ernst in Weimar, daß er „allemahl nach anleitung meines Privilegii den Hambergischen Calender in 4to, 8vo, 12mo, und 16o drucken laßen“ (ThHStA Weimar, Akte B 5006a, fol. 146r). Für 1704 hingegen verlegte er nur den großen Schreibkalender, weil in den Jahren zuvor die kleinen Kalender kaum abgesetzt werden konnten. Für die Kalender des Jahres 1701 zahlte Bielcke ein Honorar von 100 Reichsthalern an Hamberger, im Folgejahr 50 Reichsthaler (ThHStA Weimar, Akte B 5006a, fol. 94v). Hingegen wußte Johann Andreas Schmidt in Helmstedt am 24. Februar 1701 an Gottfried Wilhelm Leibniz zu berichten: „DN. Hambergerus pro conficiendo uno calendario quotannis, a DN Bilkio accipit 150 thaleros“ (LSB, 1979–2001, Bd. 19, S. 459). Später erhielt Hamberger nach eigener Aussage nur noch 12 Taler (siehe Quellenzitat 3).
Bei der Gestaltung seines Kalenders ließ sich Hamberger von seiner Überzeugung leiten, daß der in zahlreichen anderen Kalendern verbreitete Aberglaube bekämpft werden müsse (vgl. bei Junius, Sturm, Kirch). Schon der Titel weist auf den Vorsatz, den Aberglauben auszumerzen, hin. Dieser Anspruch äußert sich darin, daß zwar die astronomischen Aspekte gesetzt wurden (weil sie zur Beobachtung der Planeten nützlich sind), nicht aber die daraus abzuleitenden astrologischen Erwählungen. Hamberger begründete das in der Vorrede des Kalenders für 1701 ausführlich (siehe Quellenzitat 1). Wie Junius, Sturm und Kirch zählt Hamberger zu den frühen Aufklärern unter den Kalendermachern.

Titel:
(1) 1701–[1705?]: Verbesserter und von allem Aberglauben gereinigter Calender, Format 4°.
(2) 1704–[1705?]: Land und Hauß=Calender [kein Exemplar ermittelt], Format 4°.
(3) 1701–1703: Kalender [kein Exemplar ermittelt], Format 8°.
(4) 1701–1703: Kalender [kein Exemplar ermittelt], Format 12°.
(5) 1701–1703: Kalender [kein Exemplar ermittelt], Format 16°.
Druck und Verlag:
Johann Bielcke und Johann David Werther, Jena.
Nachweis:
Herbst, 2011a, S. 33. ThHStA Weimar, Akte B 5006a, fol. 146r, 188r. CERL.
Online:
(1) 1701 [09.09.2016].
Andere Drucke (Auswahl):
Hier werden nur die akademischen Schriften (Dissertation/Disputation) genannt (vgl. Habermann, 2013, S. 146f.), nicht die von Hamberger verfaßten Drucke zur Kalenderreform und auch nicht dessen Gelegenheitsschriften.
(1) Georg Albrecht Hamberger (Präses), Johann Christoph Hochstätter (Respondent): De Francis Antiquis Favente Deo. Mai 1686. Jena. ThULB Jena, 4 Bud. Hist. un. 166 (31) und 4 Phil. XIV, 46 (23). HAB Wolfenbüttel, Xd 8° 1012, online [09.09.2016]. Und in anderen Bibliotheken.
(2) Georg Albrecht Hamberger (Präses), Jacob Peter Strobel (Respondent): Šabūac David sive Iusiurandum Davidis I. Sam. XXV, 22. November 1687. Jena. War in HAAB Weimar, Scha BS 4 A 04111, Fragment, Verlust nach Brand.
(3) Georg Albrecht Hamberger (Präses), Conrad Philipp Redeker (Respondent): De Epochae Christianae Ortu Et Autore. Disputation pro loco in eadem obtinendo. Dezember 1688. Jena. ThULB Jena, 8 MS 30114 (7). BSB München, 4 Diss. 3691,22, online [09.09.2016]. Und in anderer Bibliothek.
(4) Georg Albrecht Hamberger (Präses), Christian Friedrich Fischer (Respondent): Dissertatio Optica De Coloribus. 1689. Jena. SUB Göttingen, DISS MED COLL MAX 620 (26). Online [09.09.2016]. Und in anderen Bibliotheken.
(5) Georg Albrecht Hamberger (Präses), Vitus Benedikt Heuber (Respondent): Methodum Acquirendi Virtutem. 1690. Jena. BSB München, 4 Diss. 3275,1. Online [09.09.2016].
(6) Georg Albrecht Hamberger (Präses), Georg Friedrich Beer (Respondent): Devm Ex Inspectione Cordis Investigatvm. 15. Oktober 1692. Jena. ThULB Jena, 2007 J 413. BSB München, 4 Diss. 3248 (14), online [09.09.2016]. Und in anderen Bibliotheken.
(7) Georg Albrecht Hamberger (Präses), Johann Ludwig Hocker (Respondent): De Vsv Matheseos In Theologia. 19. September 1694. Jena. ThULB Jena, 4 Brunsv 7 (18). Online [09.09.2016]. Und in anderen Bibliotheken.
(8) Georg Albrecht Hamberger (Präses), Christian Seyfried (Respondent): Iridem Diluvii, Gen. IX, 13. seq. 18. Juli 1696. Jena. SUB Göttingen, 8 TH MISC 120/99:3 (6). Online [09.09.2016]. Und in anderen Bibliotheken.
(9) Georg Albrecht Hamberger (Präses), Adam Bethmann Bernhardi (Re¬spondent): Optica Ocvlorvm Vitia. Oktober 1696. Jena. ThULB Jena, 4 Med. XXV, 26 (2). SUB Göttingen, 4 BIBL UFF 183 (13), online [09.09.2016]. Und in anderen Bibliotheken.
(10) Georg Albrecht Hamberger (Präses), Johann Caspar Müller (Respondent): Dissertatio Academica De Frigore. 7. September 1698. Jena. SUB Göttingen, 4 BIBL UFF 182 (14). Online [09.09.2016]. Und in anderen Bibliotheken.
(11) Georg Albrecht Hamberger (Präses), Andreas Seidel (Respondent): Hydravlicam. 8. Januar 1698. Jena. FB Gotha, Math 4° 00215/01 (C,19). BSB München, Diss. 2216/8, online [09.09.2016]. Und in anderen Bibliotheken.
(12) Georg Albrecht Hamberger (Präses), Christian Wedel (Respondent): Dissertatio Physica De Elatere. 27. Mai 1699. Jena. ThULB Jena, 4 Math. IV, 18 (2). SLUB Dresden, Coll. diss. B. 60, misc. 18, online [09.09.2016] Und in anderen Bibliotheken.
(13) Georg Albrecht Hamberger (Präses), Johannes Crüger (Respondent): Dissertatio Academica De Barometris. 23. März 1701. Jena. ThULB Jena, 4 Phys. IV, 22 (4) und 2013 J 473. Und in anderen Bibliotheken. Online [09.09.2016].
(14) Georg Albrecht Hamberger (Präses), Meno Nikolaus Hanneken (Respondent): Dispvtatio Academica De Ventricvli Per Aestatem Imbecillitate. 1702. Jena. ThULB Jena, 4 Diss. med. 68 (42) und 4 Diss. med. 61 (63). BSB München, online [09.09.2016]. Und in anderen Bibliotheken.
(15) Georg Albrecht Hamberger (Präses), Johann Lorenz Hassfurter (Respondent): Dissertatio Mathematica De Basi Compvti Ecclessiastici. 1705. Jena. ThULB Jena, Salz. IIb, 82 (3), BSB München, 4 Diss. 3248,13, online [09.09.2016].
Literatur (Auswahl):
Katharina Habermann (Hrsg.): Die Kalenderbriefe des Georg Albrecht Hamberger im Kontext der Kalenderreform von 1700. Göttingen 2012.
Katharina Habermann: Georg Albrecht Hamberger zum 350. Geburtstag. In: Klaus-Dieter Herbst (Hrsg.): Erhard Weigel (1625–1699) und die Wissenschaften. Herausgegeben von Klaus-Dieter Herbst. Frankfurt am Main 2013, S. 133–150.
Vgl. auch den Online-Artikel in FrankenWiki [09.09.2016].
Quellenzitate:
(1) „Die Tagwehlungen hingegen/ im Aderlassen/ Schröpffen/ Purgiren/ Kinderentwehnen/ Holtzfällen etc. etc. sind/ als abergläubische Sachen/ dem Reichsschluß gemeß/ gäntzlich ausgelassen worden. Aus welchem Fundament auch die Capitul von Fried und Krieg/ Gesundheit und Kranckheit/ Fruchtbarkeit und Unfruchtbarkeit/ damit sonst die so genante grosse Practic angefüllet wird/ völlig übergangen worden. Die Witterung belangend/ weil es dahin kommen/ daß es vor ein nöthiges Stück der Calender will gehalten werden/ daß die Veränderung des Wetters darinn angezeiget werde/ auff dessen Entstehung der Pövel den Calender vor unnütz achtet/ wann auch noch so viel gutes darinn enthalten; gleichwol/ nebst vielen unwiedertreiblichen Gründen/ die tägliche Erfahrung sattsam lehret/ daß auf gewisse Tage/ Wochen/ ja Monathe/ nichts gewisses aus dem Gestirn könne vorher gesaget werden: und dennoch die Witterung/ als wovon die Fruchtbarkeit und Unfruchtbarkeit der Erden dependirt/ eine wichtige Sache ist; so habe ich solche schon viel Jahr auf alle Tage genau aufgezeichnet/ und will solche Anmerckungen künfftig Jährlich dem geneigten Leser durch den Druck bekant machen/ in Hoffnung/ daß solche Arbeit nicht unangenehm fallen solle/ weilen aus vieler Jahre observationibus, deren Ephemerides dieser Calender repraesentiren/ man endlich/ wann zumaln andere durch unser Exempel sich bewegen lassen dergleichen zu thun/ wird besser sehen können/ auf was vor einem Grund die Witterung beruhe/ und wie viel davon kan zuvor gesagt werden. Und damit man/ wann künftig dieses Jahrs Witterung publicirt wird/ desto besser sehen könne/ wie schlecht die Astrologische Reguln zutreffen/ habe ich dißmal noch etwas von der Witterung nach denselben/ durch alle Monathe in den Calender gesetzt/ mit der ausdrücklichen Erklärung/ daß es bloß aus ietzt erwehnter Ursach geschehen/ und ich durchaus nicht vor den eventum stehen wolle/ und selbst nicht glaube/ daß es zutreffen werde/ weil ich das Fundament solcher Reguln in denen meisten Stücken nicht einst vor wahrscheinlich achte.“ (Georg Albrecht Hamberger: Verbesserter und von allem Aberglauben gereinigter Calender für 1701, Kalendarium, S. A4a).
(2) „Nach Standes=Gebühr geehrter Leser.
Ich habe mich bereden lassen diese Arbeit fortzusetzen/ ob schon bey gegenwärtigem der Sachen Zustand/ da die alte confusion, das ärgerliche Wahrsagen und schwehre Verführung des gemeinen Volcks/ wider die Reichs=Schlüsse/ allenthalben wieder einreissen will/ wenig Ehr bey einem an sich so nützlich als nöthigen Werck zu hoffen/ auch zu gesuchter Besserung geringe apparentz/ weil insgemein Calender/ so nicht mit allerhand/ zur Sach gar nicht gehörenden/ Fratzen angefüllet/ von wenigen gekaufft werden. Inzwischen thut man was man kan. Im Anhang des Calenders ist ein Diarium von der Witterung des 1702ten Jahrs; damit iedweder/ so der Sachen kundig/ selbige mit den Aspecten gedachten Jahrs/ und denen Reguln der Astrologorum, nach Belieben conferiren/ oder nur gegen die Witterung/ wie sie nach solchen Reguln in die Calender gesetzt worden/ halten/ und so dann ein unpartheiisches Urtheil fällen/ könne/ wie weit mehrerwehnten Reguln zu trauen. Und weil ich versichert bin/ daß die Witterung grösten Theils aus einem gantz andern fundament, vornehmlich von der ab= und zunehmenden Schwehre der Lufft/ herrühre; hab ich zugleich das Fallen und Steigen des Quecksilbers in dem so genanten Barometro, auf alle Tage wollen beyfügen/ massen hieraus die Schwehre der Lufft dijudicirt wird. Zwar habe ich solches Diarium mit weit grösserm Fleiß gehalten/ und alle Tag 3. mal/ nemlich des Morgens/ Mittags und Abends/ das Fallen und Steigen des Mercurii im Barometro, ingleichen des Spiritus vini im Thermometro, nicht minder die Winde in der obern und untern Lufft/ nach ihrer Gegend und Stärcke/ und endlich die Witterung/ aufgezeichnet. Allein der zu dieser Sache im Calender destinirte Raum/ ist viel zu klein/ solches alles hieher zu setzen. Ich will aber/ wann diese Arbeit solte continuirt werden/ in dem discours so über diese Materie gehalten wird/ schon wissen solchen defect zu suppliren. Schließlichen bedingt man sich wegen der auf dieses Jahr wieder angesetzten Witterung abermaln/ daß es bloß die Prob der Astrologischen Reguln stehen solle/ und nicht deßwegen gesetzt worden/ als ob man glaubte/ daß es so kommen müste oder würde.“ (Georg Albrecht Hamberger: Verbesserter und von allem Aberglauben gereinigter Calender für 1704, Kalendarium, S. A4a).
(3) „Dahero ich mich […] dieser arbeit gehorsamst unterzogen, auch abgewichenes Jahr, dem gemeinen Mann zum behuff, über den ordentlichen, noch einen Land und Hauß-Calender elaborirt, welche dann beede wohl abgangen, ungeachtet wider meine Verwarnung und der Sachen Natur der Land-Calender in hiesiger Vniversitäts-Statt meist verkaufft worden, in hingegen der vor gelehrte mehr eingerichtete, in E. HochFürstl Durchl Landen mehren theils hat sollen distrahirt werden. Da ich mich nun, zumaln auf hln B[ürgermeisters]. Bielkens außdrückliches Verlangen, vors künfftige Jahr wider auf 2 Calendern gefasst gemacht, u. Ihm allbereit um Ostern gesagt daß sie meist fertig, Er auch nicht das geringste darwider eingewendet; muß ich dennoch wider alle [fol. 188v] Zuversicht sehen, daß Er meine arbeit liegen lassen und, ohne mir einig wort davon zu sagen, sich von einem Eisenach. Schulmeister, nahmens Bärenklau, 3 Calender machen, oder viel mehr nur vor die auf die Eisenach. Lande gefertigten Calender (wie dann die Eisenach. bußtäge mit darinnen stehen, auch so gar an statt E. HochFürstl Durchl höchsten Nahmen und Regierungs-Jahr die Fürstl Eisenachische vorgedruckt sind) einen andern Titul allhier setzen lassen, und sich gleichwohl erkühnet solche als vor E. HochFürstl Durchl Lande privilegirt auszugeben, ja so gar das auf mich nahmentlich gerichtete privilegium beÿdrucken und binden zu lassen; wie die dreÿfache beÿlage bezeiget. [… fol. 189r … Der Herzog solle Bielke befehlen,] „mir wegen meiner auf künfftiges Jahr, vermöge des privilegii u. auf sein eigen begehr übernommene arbeit, unweigerlich das gewöhnliche geringe honorarium, nehmlich 12 thlr zahlen, und wegen angethanen gröblichen injurien hinlängliche satisfaction geben solle.“ (Georg Albrecht Hamberger an Herzog Wilhelm Ernst in Weimar, Jena 18.10.1704, ThHStA Weimar, Akte B 5006a, fol. 188r–189r).

Erstellt: 09.09.2016

hamberger_georg_albrecht.txt · Zuletzt geändert: 2017/02/06 15:44 von klaus-dieter herbst